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Nordhäuser Schützenkompanie feiert großen Geburtstag

605 Jahre Tradition, Brauchtum und Wettkampf

Mittwoch, 02. Juli 2025, 14:54 Uhr
Am Rande Nordhausens wird es am Wochenende kräftig knallen - der Schützenverein holt mit fünf Jahren Verspätung seinen großen Geburtstag nach. Über 600 Jahre Tradition stehen hinter dem Verein und das will gefeiert werden, mit einem Schützenfest für Jedermann und der Ermittlung der Volkskönige…

Am kommenden Samstag wird am Schießsportzentrum der Nordhäuser Schützenkompanie Geburtstag gefeiert (Foto: agl) Am kommenden Samstag wird am Schießsportzentrum der Nordhäuser Schützenkompanie Geburtstag gefeiert (Foto: agl)

Die erste urkundliche Erwähnung einer Schützenkompanie der freien Reichsstadt Nordhausen stammt aus dem Jahre 1420. Die „Sebastians-Bruderschaft“ hat mit Kimme und Korn noch nichts am Hut, geschossen wird mit Armbrust und Bolzen, nahe dem Altentor gab es einen eigens angelegten Graben für die Schützen. Mit über sechs Jahrhunderten Tradition im Rücken darf sich die moderne Nordhäuser Schützenkompanie also wohl unter den ältesten Gemeinschaften der Region wähnen, die Vereinschronik ist lang.

Man war immer in oder zumindest nahe dran an der Stadt, berichtet Daniel Hoffmeister, der 1. Vorsitzende des Vereins in diesen Tagen. Bis 1879 übte man den Schießsport in der Silberborthstraße aus, auf polizeiliche Anordnung hin hatten die Schützen von damals aber schließlich umzuziehen. Das gewählte Domizil ist bis heute Heimstatt des Vereins, buchstäblich weit ab vom Schuss, am Ende einer unscheinbaren Sackgasse, mit Blick auf die Salza. Nach einer Zwangspause in den DDR-Jahren samt Enteignung im anno 1951 konnte man das Areal nach der Wende zurückgewinnen, heute kommen hier die 191 Mitglieder der Schützenkompanie regelmäßig zusammen.

Daniel Hoffmeister steht dem Traditionsverein vor (Foto: agl) Daniel Hoffmeister steht dem Traditionsverein vor (Foto: agl)

Von Armbrust und Bolzen hat man sich verabschiedet, Pfeil und Bogen werden nur rudimentär genutzt - zumindest für den Moment - die meisten Mitglieder pflegen mit der Kugel zu schießen. „Das schöne an unserem Sport ist, dass er kein Alter kennt, 2021 hatten wir mit Lothar Müller einen 80jährigen als Landesschützenkönig. Wie in jeder Sportart kann man sich technisch hoch rüsten, aber das beste Gewehr macht noch keinen guten Schützen. Am Ende geht es um Präzision, den Kampf um den letzten zehntel Ring, um die Konzentration auf die kleinen Details und die Fähigkeit, alles andere auszublenden. Es ist ein sehr fokussierter Sport, wenn ich am Schießstand stehe, dann komme ich zur Ruhe“, sagt Hoffmeister.

Mit einem Altersdurchschnitt von 52 Jahren muss man sich keine Nachwuchssorgen machen, die Kompanie ist breit aufgestellt, die Mitglieder kommen aus allen Ecken und Enden der Gesellschaft. Für die Sportschützen gelten mehr gesetzliche Reglementierungen als in anderen Sportarten, aber das ist auch gut so, meint der Vereinsvorsitzende Hoffmeister. "Wir betrieben einen Sport und pflegen Brauchtum, aber es ist wichtig und richtig, dass wir dabei auch den Respekt im Umgang mit den Geräten pflegen und vermitteln, gerade in der Nachwuchsarbeit."

Im Jahr 1884 bezieht die Schützenkompanie ihre neue Heimstatt am Rande Nordhausens (Foto: agl) Im Jahr 1884 bezieht die Schützenkompanie ihre neue Heimstatt am Rande Nordhausens (Foto: agl) Mit einem Luftgewehr darf in Deutschland ab 12 Jahren geschossen werden, das Kleinkaliber folgt ab dem Alter von 14 Jahren, mit dem Großkaliber darf man ab 18 Jahren schießen. Ein eigenes Sportgerät braucht man nicht zwingend, der Verein stellt auch Material. Jungen und alten Sportschützen werden moderne Bedingungen geboten, die man so in der Region nirgendwo sonst findet, erzählt Hoffmeister und im Verein legt man sich ins Zeug, das dass auch so bleibt. Rund 1.500 Arbeitsstunden stecken die Mitglieder jedes Jahr in ihre Anlagen, zur Zeit wird sowohl an den Aufenthaltsräumen als auch an neuen Schießständen gewerkelt.

605 Jahre Tradition, Brauchtum, Wettkampf
Am kommenden Samstag will man das Geleistete auch der breiten Öffentlichkeit präsentieren und lädt zum 605. Jubiläum zum großen Schützenfest in das Schießsportzentrum. Los geht es ab 10 Uhr mit dem traditionellen Schützenfrühstück und bereits um 11 Uhr steht das erste Highlight an: der Wettkampf um die Krone von „Volkskönig“ und „Volkskönigin“. „Das ist ein Wettkampf, der sich explizit an Nicht-Schützen richtet und so etwas ist selten. In Nordhausen wurden die Volkskönige zuletzt vor 100 Jahren ermittelt. Geschossen wird mit Kleinkaliber auf 50 Meter Entfernung. Ein paar Probeschüsse hat jeder offen, für die Wertung wird ein Schuss auf die Königsscheibe abgegeben. Jeder Teilnehmer erhält eine ordentliche Einweisung und eine Eins zu Eins Begleitung am Schießstand durch unsere Vereinsmitglieder“, erläutert Daniel Hoffmeister. Das Startgeld beträgt 10,- Euro, mitschießen darf man ab 14 Jahren. Auch ein Preisschießen für Jedermann findet sich im Programm, jüngeres Publikum darf sich am Lichtgewehr versuchen.

Neben Hüpfburg, Bullriding, Feldschmieder und Bogenschießen wird einiges geboten, die ganz großen Knaller bringen aber die Freunde vom Verband der deutschen Schwarzpulverkanoniere mit: jeweils um 10, 12, 15 und 18 Uhr wird mit 15 historische Kanonen "geböllert". Für die Musik sorgen „The NordHouse“, um das leibliche Wohl kümmern sich die Teams vom Felix und dem Eiscafé Verona.

„Wir holen mit dem Fest unseren 600. Geburtstag nach, der leider direkt in die Corona-Zeit viel. Entsprechend groß wollen wir feiern. Leider sind die Parkplätze vor der eigenen Haustür begrenzt, wir bitten deswegen darum, möglichst den Parkplatz der Firma „Zeit-Areal“ in der Straße der Genossenschaften zu benutzen, den uns die Firma dankenswerter Weise zur Verfügung stellt. Bis zum Schützenhaus sind es von dort aus nur ein paar Meter zu Fuß. Außerdem möchten wir uns bei Plakate 2000 bedanken, die uns in der Vorbereitung unterstützt haben“, sagt der Vereinsvorsitzende und freut sich auf recht viele Gäste.

Weitere Informationen zur Nordhäuser Schützenkompanie 1420 sowie einen Flyer zum Fest samt Anfahrtsskizze findet sich hier.
Angelo Glashagel
Autor: red

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