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Verhaltene Erwartungen

Montag, 04. Dezember 2006, 06:55 Uhr
Nordhausen (nnz). Der deutsche Einzelhandel erwartet ein gutes Weihnachtsgeschäft, für das laufende und das kommende Jahr aber nur geringes Wachstum. Es gibt aber auch noch ein anderes Problem, weiß nnz zu berichten.


Der Branchenumsatz dürfte in den Monaten November und Dezember im Vergleich zur Vorjahresperiode um etwa zwei Prozent auf 75,7 Milliarden Euro steigen. Bislang lägen die Erlöse des Einzelhandels - ohne Kfz-Handel, Tankstellen, Apotheken und Brennstoffe - nominal um 0,5 Prozent über dem Vorjahresniveau. "Das liegt im Rahmen unserer Erwartungen. Ein Kaufrausch ist das nicht", stellt der neue Präsident des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE), Josef Sanktjohanser fest. Für das Gesamtjahr liege die Prognose unverändert bei nominal plus 0,75 Prozent. Sanktjohanser beklagte in diesem Zusammenhang am Donnerstag in Berlin die Unübersichtlichkeit der Neuregelungen zum Ladenschluss.

Während es dem HDE also mehr um diese Unübersichtlichkeit geht, lässt Verdi nach einer Agenturmeldung grundsätzlich die weitgehende Abschaffung des Ladenschlusses in Deutschland auf ihre Vereinbarkeit mit dem Grundgesetz hin überprüfen. Zu Begründung sagte Verdi- Einzelhandelsexperte Ulrich Dalibor der "Leipziger Volkszeitung", mit der Gesetzesänderung seien der Familienschutz, die Nachtruhe und der besondere Schutz von Sonn- und Feiertagen gefährdet. “Es kann gut sein, dass es zu einer Verfassungsklage kommt, da wesentliche Verfassungspunkte im Gesetzgebungsverfahren missachtet worden sind", sagte Dalibor. Verfassungsrechtler hätten in Gutachten erhebliche Bedenken angemeldet.

Die gesetzlich geschützte körperliche Unversehrtheit der Mitarbeiter sei durch die völlige Freigabe der Öffnungszeiten in einigen Bundesländern und die daraus folgende Nachtarbeit in Gefahr, betonte der Verdi-Experte. Auch der besondere Schutz von Familien sowie der Sonn- und Feiertage sei ungenügend beachtet worden. Dalibor wandte sich zugleich gegen Prognosen, mit der Freigabe der Öffnungszeiten würden die Umsätze im Einzelhandel steigen und mehr Jobs entstehen.

Die Evangelische Kirche schloss sich verdi an und will die Aufhebung des Ladenschlusses ebenfalls höchstrichterlich prüfen lassen. Es müsse geklärt werden, ob der Gesetzgeber den Verfassungsauftrag zum Sonntagsschutz erfülle, sagte der EKD-Ratsvorsitzende, Wolfgang Huber, der "Märkischen Oderzeitung".
Autor: js

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