nnz-online

Widerstand muß her

Freitag, 01. Dezember 2006, 20:00 Uhr
Nordhausen (nnz). Die Linke in Nordhausen hatte heute Abend prominenten Besuch. Die Europaabgeordnete und die „Kommunistische Plattform“ in Person, Sarah Wagenknecht, kam in die Rolandstadt. Von advendlicher Stimmung war in Ottos Steakehouse wenig zu spüren. Wagenknecht plädierte in einem übervollen Saal für den Sozialismus. Die nnz hörte zu.

Wagenknecht (Foto: nnz) Wagenknecht (Foto: nnz)


"Es gibt nichts Höheres, als die Gedanken des Friedens und der Gerechtigkeit." Das ist der Goethe-Ausspruch auf der Homepage der Frau, die wie keine andere in der PDS-Führungsriege den Kapitalismus angeht. Und diese, ihre Haltung, kam in Nordhausen überaus gut an. In ihrem Referat ging die 37jährige gebürtige Thüringerin auf ihre Lieblingsthemen ein. Eine davon: Alternativen lassen sich erzwingen, außerhalb der Parlamente. Als Beispiel führte sie die „sozialen Sauereien“ in Frankreich an und wie diese den Volkeszorn erweckt hatten. Fünf Minuten braucht Wagenkecht, da war sie in ihrem derzeitigen Lieblingsland, in Venezuela, angekommen, am Ende referierte sie über Kuba.

Sie schlussfolgerte im ersten Teil ihrer politischen Reise, dass es schade sei, in Deutschland keinen Widerstand gegen die derzeitige neoliberale Politik zu verspüren. In diesem Kapitalismuskitt, wie er über die Medien propagiert werde, sehen sich die Menschen zunehmend in der Lage, keine Alternativen für sich und das Gemeinwesen zu erheischen. Niemand muckt auf, die Gleichschaltung laufe perfekt, trotz der vielen Lügen: Privatisierungslüge, Sparzwanglüge und die Lohndumpinglüge.

Das, was der Kapitalismus derzeit vollziehe, das überlasse doch aber gerade der Linken eine effektive Spielwiese für das Setzen von Zeichen und Zielen. Es müsse in diesem Land möglich sein, in Form von politischen Streiks, auch durch Generalstreiks, berechtigte Forderungen der Menschen durchzusetzen. Und hier sei die Linke gefordert. Momentan sieht Sahra Wagenknecht das nicht, es seien keine klaren Positionen definiert, mit denen sich letztlich auch eine „vereinigte Linke“ nach außen zeige. Zu sehr, mit dem Blick auf Berlin, hänge man an immer noch an der Macht. Und das trotz desaströser Wahlergebnisse.

Für Wagenknecht heißt das Ziel eindeutig: Antikapitalistisch. Eine sozialistische Gesellschaft gelte es anzustreben. Dies müsse den Menschen dargelegt werden, stattdessen erleide die politische Linke in Deutschland einen Glaubwürdigkeitsverlust durch Regierungsbeteiligung. Die Wagenknecht sprach an diesem Abend vielen Zuhörern und Zuschauern aus dem politischen Herzen. Auch denen, die kein Parteilbuch der PDS in ihrer Tasche haben.

Die Frau polarisiert nach wie vor, sie steht wie keine andere in der linken Führungsriege für Konfrontation. Nur eines muß man ihr lassen. Sie steht für ihre Positionen und sie weiß sie rüberzubringen. Insofern ähnelt sie doch ihrem Gegenspieler: Gregor Gysi, den sie nur in Nebensätzen erwähnte. Öfter, auch lobender, fiel da schon der Name Oskar Lafontaine.
Autor: nnz

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 nnz-online.de