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Die Privaten ziehen an

Donnerstag, 30. November 2006, 13:12 Uhr
Nordhausen (nnz). Bei einer Insolvenz ist ein Unternehmen meist am Ende seiner Leistungskraft angelangt. Ähnlich sieht es in den privaten Haushalten in Thüringen aus. Die nnz mit einer Bilanz der ersten sechs Monate dieses Jahres.


Von Januar bis September 2006 hat sich in Thüringen eine Verlagerung des Insolvenzgeschehens vollzogen. Während die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im Freistaat sich im Vergleich der ersten neun Monate 2005 und 2006 um ein Viertel verringerte (- 25,4 Prozent) von 807 auf 602, ist die Zahl der Privatinsolvenzen von 1 202 auf 1 839 weiterhin deutlich angestiegen (+ 53,0 Prozent). Durch diese deutliche Zunahme stieg auch die Gesamtzahl der Insolvenzen in Thüringen von 2 879 auf 3 278 weiter an (+ 13,9 Prozent).

Von den insgesamt gemeldeten 3 278 Insolvenzverfahren wurden von den Thüringer Amtsgerichten 2 928 Verfahren eröffnet (89,3 Prozent), 343 Verfahren (10,5 Prozent) mangels Masse abgewiesen und 7 Verfahren endeten mit der Annahme eines Schuldenbereinigungsplanes. Die voraussichtlichen Gläubigerforderungen beliefen sich für alle Verfahren auf rund 541 Millionen Euro. Pro Verfahren standen Forderungen von durchschnittlich 165.000 Euro aus.

Von den gemeldeten 602 Unternehmensinsolvenzen waren zum Zeitpunkt der Antragstellung 1 910 Beschäftigte betroffen. Die voraussichtlichen Gläubigerforderungen beliefen sich hierbei auf nahezu 238 Millionen Euro, durchschnittlich 395.000 Euro pro Verfahren. Der wirtschaftliche Schwerpunkt der Unternehmensinsolvenzen lag mit 151 Verfahren (25,1 Prozent) wiederum im Baugewerbe, jedoch ist auch hier ein spürbarer Rückgang um 90 Insolvenzfälle eingetreten (- 37,3 Prozent). Im Verarbeitenden Gewerbe wurden 78 Insolvenzen festgestellt, im Vergleichszeitraum 2005 waren es noch 94 (- 17 Prozent).

Auch das Gründstücks- und Wohnungswesen sowie der Bereich Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen und Gebrauchsgütern waren mit 128 bzw. 104 Verfahren weiter stark betroffen.

Bei den übrigen Schuldnern (Natürliche Personen als Gesellschafter u.Ä., ehemals selbständig Tätige, private Verbraucher, Nachlässe) wurden 2 676 Verfahren registriert, 604 Verfahren bzw. 29,2 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Insbesondere die privaten Verbraucher meldeten mit 1 839 Insolvenzanträgen gegenüber 1 202 im Vorjahreszeitraum (+ 53 Prozent) verstärkt Insolvenz an. Hier kommt weiterhin die Neuregelung der Insolvenzordnung aus dem Jahre 2001 zum Tragen, nach der u. a. die Verfahrenskosten für diejenigen Schuldner gestundet werden, die die Kosten für ein Insolvenzverfahren nicht aufbringen können.
Autor: nnz

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