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Ohne Hose gespielt

Donnerstag, 30. November 2006, 11:35 Uhr


Nordhausen (nnz). Unglaublich, was im Fußballsport so alles passieren kann. Wie es in einem frühreren Spiel gegen Gotha zu einer so freizügigen Spielweise wie in der Überschrift kommen konnte, weiß Wacker-Chronist Klaus Verkouter.

Aus dem historischen Ereignis – nämlich dem ersten Nordhäuser Sieg in Sonneberg – wurde am vergangenen Spieltag nichts. Beinahe wäre es sogar noch in die Hose gegangen. Auf Hosen kommen wir gleich noch zu sprechen.
Dafür könnte aber Wacker 90 Nordhausen zum ersten Mal auf eigenem Platz gegen Gotha in einem Punktspiel verlieren. Hoffen wir, dass nun dieses mögliche „historische“ Ereignis am kommenden Spieltag nicht zur Realität wird.

Eigentlich müsste Optimismus angesagt sein; denn die Begegnungen beider Vereine um Punkte nach 1945 lassen keinen anderen (statistischen) Schluss zu. Jeder weiß aber, dass Statistiken nur die eine Seite der Wahrheit sind.

In neun Spieljahren trafen wir aufeinander. Wer da rechnet und meint, das müssten 18 Punktspiele bisher gewesen sein, der irrt. Denn 1949/50 ging es gleich viermal zur Sache. Die erste Begegnung in Gotha sah nach 90 Minuten die Nordhäuser mit 1:3 als Verlierer. Wegen unberechtigten Einsatzes mehrerer Spieler bei Gotha wurde das Ergebnis annulliert und die damalige Lok KWU Nordhausen zum Sieger erklärt. Bei der Neuansetzung gegen die vom Altinternationalen Richard Hoffmann betreuten Gothaer siegte Nordhausen durch Tore von Beckmann und Kurt Hoffmann 2:0. Nun protestierte Gotha wegen Regelverstoßes des Schiedsrichters und bekam am „grünen“ Tisch die Punkte vorläufig zugesprochen. Bis zur endgültigen Klärung des Sachverhalts fand aber schon das Rückspiel am Kuhberg statt (wir gewannen 6:2 durch vier Tore von Lungwitz und zwei von Große). Warum es trotzdem noch zu einem vierten Spiel kam (0:2 in Gotha verloren), ist nicht mehr nachzuvollziehen. Wahrscheinlich lag es daran, dass man den Fehler des Schiedsrichters nicht so einfach den Nordhäuser Fußballern in die Schuhe schieben konnte.

Das war die Vergangenheit in der Landesklasse Thüringen. Gegenwart ist also am Wochenende das „21.“ Punktspiel. Nur zweimal verloren wir – und das auswärts (1950 s.o. und 1965 1:4), spielten dreimal unentschieden und gingen in 13 Spielen als Sieger vom Platz. Aber da gab es noch ein anderes Kräfteverhältnis zwischen beiden Motor (Wacker)-Vereinen.

Bei der 1:4-Niederlage in Gotha mussten die Gastgeber sogar ab der 5. Minute in Unterzahl spielen, weil ein Verteidiger ohne Nordhäuser Verschulden mit Armbruch ausscheiden musste, ohne ersetzt werden zu dürfen. Nach einer Stunde Spielzeit erhielt unser Linksaußen Werner Hose einen Feldverweis. In der Tageszeitung las sich das dann so: „Nordhäuser spielen ab der 60. Minute ohne Hose.“
Na ja, es war noch warm.

Leider liegt der letzte Heimsieg aber nun schon über 17 Jahre zurück. Wie dieses Mal wurde damals auch die erste Halbserie beendet, allerdings in der Bezirksliga Erfurt. Es war eine 3:2-Zitterpartie. Viele jüngere Fans werden sich nicht einmal mehr an alle von Trainer Goldbach aufgestellten Spieler erinnern: Saalbach; Decker, Hilbig, Boegelsack, Jens Ludwig (46. Heider), Gerlach, M. Weißhaupt, Lohse (1 Tor), Görke, Matthias Ludwig, Frank Ludwig (2 Tore), dessen Strafstoß in der 90. Minute das Spiel entschied.

Wie schwer es dieses Mal werden kann, zeigen die beiden Unentschieden vom letzten Jahr in der Thüringenliga und die verlorene 2:3-Heimpleite im Pokal im September 2006.
Klaus Verkouter
Autor: osch

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