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Brunnenbohrer aus Nordhausen feiern 30. Geburtstag

In die Tiefe gegangen

Freitag, 23. Mai 2025, 13:30 Uhr
Am Rande Nordhausens treffen sich dieser Tage Deutschlands Bohrexperten. Gastgeber der Messe „Geoworld“ ist ein kleines Unternehmen, das seit 30 Jahren in die Tiefe geht und seine Technik in alle Welt liefert…

v.l. Ursula Kurth, Lothar Kaufhold und Lutz Kurth, im Hintergrund der erste Prototyp der Firma (Foto: agl) v.l. Ursula Kurth, Lothar Kaufhold und Lutz Kurth, im Hintergrund der erste Prototyp der Firma (Foto: agl)

Dieser Tage werden in Nordhausen und Umgebung viele Jubiläen gefeiert, Vereine, Firmen und Institutionen blicken auf ihre Anfänge zurück. Die liegen nicht selten in der Mitte der 90er Jahre, der erste Schock der Nachwendezeit halt noch nach, man kommt in den Tritt, Ideen und Menschen finden sich und starten noch einmal neu.

Eine solche Nachwendegeschichte ist auch die der Firma „Kurth Bohrtechnik“. Lutz und Urusula Kurth, beide studierte Hydrogeologen, verlieren wie so viele andere auch im Umbruch ihre Arbeitsstelle. Die VEB Hydrogeologie wird aufgelöst, an Forschung und Entwicklung aus Nordhausen besteht kein weiteres Interesse. Eigene Wege muss man gehen, Anfang der 90er Jahre bietet man als „Brunnen- und Erdbau Herrmannsacker“ fachmännische Dienste feil, baut Kontakte auf und geht ab 1993, nun als Ingenieurbüro, in die eigene Entwicklung. Zwei Jahre später wird mit drei Mitarbeitern die Firma aus der Taufe gehoben, auf deren Grundstück seit gestern die „Geoworld“ ausgerichtet wird, eine Messe für Bohr- und Brunnentechnik mit Gästen aus der ganzen Republik und vielen Freunden und Geschäftspartnern.

Es hat sich viel getan in 30 Jahren und die Firmengründer, heute Ruheständler, blicken mit Stolz auf ihr kleines Unternehmen zurück. „Die Grundannahme nach der Wende war, das dass Wasser für die Leute teurer werden würde, schließlich gab es das nicht mehr wie in der DDR kostenlos. Also würde auch die Nachfrage nach eigenen Brunnen steigen. Darauf haben wir aufgebaut und kleine Maschinen entwickelt, die auch im Garten oder auf den Hof passen und die Rechnung ist aufgegangen“, erinnert sich Lutz Kurth. Den ersten Prototypen stellt man im Elsterstieg auf die Probe, die Maschine, eigentlich fast schon ein Fall für das Museum, hat sein Nachfolger als Geschäftsführer, Lothar Kaufhold, zum Jubiläum wieder hervorgeholt. Das gute Stück funktioniere noch einwandfrei, versichern die Ingenieure.

Zum 30. Firmenjubiläum gab es auch eine Ehrung der Industrie- und Handelskammer (Foto: agl) Zum 30. Firmenjubiläum gab es auch eine Ehrung der Industrie- und Handelskammer (Foto: agl)

Heute steht Bohrtechnik aus dem Hause Kurth auf Spitzbergen und holt für die Universität Svalbard Eiskerne ans Tageslicht, geht in Australien und Indien in die Tiefe, bohrt in Nigeria und der Türkei, in Dänemark, Österreich und auf dem Baltikum. Für die Bundeswehr entwirft man einen Brunnenbohrer, der per Flugzeug nach Afghanistan geht, die größte Maschine, die den Werkshof je verlassen hat und im Zuge des Geothermie-Booms erweitert sich auch das Betätigungsfeld der Firma. „Die Nachfrage an Bohrexperten war für den Markt damals viel zu groß. Eine ganze Reihe Unternehmen spielte deswegen mit dem Gedanken, sich eigene Bohrtechnik anzuschaffen, ohne über die nötige Expertise zu verfügen. Wir haben dann damit angefangen, nicht nur Technik zu liefern, sondern die Leute auch zu schulen. Das hat sich bis heute erhalten, Maßanfertigung gepaart mit fachlicher Betreuung“, erzählt der Firmengründer.

Anfang der 2000er Jahre knüpft das Ehepaar erste Kontakte nach Russland, beide hatten in Moskau studiert, entsprechend sattelfest war man in der Kommunikation, das Engagement hier sollte zum Hauptgeschäftsfeld werden. Für die olympischen Spiele in Sotschi liefert man Bohrtechnik und Spezialgeräte zur Hangsicherung unweit von Medwedews Villa, erinnert sich Ursula Kurth. Mit der Invasion der Krim 2014 bricht dieser Markt zusammen, den Nordhäuser kommen fast 60 Prozent ihres Umsatzes abhanden. Die Kurth’s sind da schon seit ein paar Jahren Ruheständler, andere führen jetzt den Betrieb, seit 2023 Lothar Kaufhold, der zu den Männern der ersten Stunde in der Firma gehört und fast von Anfang an dabei war. „Das waren schwere Zeiten, wir mussten uns berappeln und zu sehen, das wir in Europa und Deutschland wieder stärker Fuß fassen und das hat funktioniert. Die Anforderungen an die Technik ändern sich stetig, sowohl was den Einsatz angeht, als auch die Vorgaben, etwa zu Umwelt- oder Lärmschutz. Da muss man dran bleiben und den Entwicklungen folgen können und das ist uns gelungen.“

Spezialgeräte zur Kampfmittelsonderierung kann man genauso bauen wie Bohrmodule für den 30 Tonnen Bagger, nichts kommt von der Stange. So hat man sich einen Namen in der überschaubaren Szene gemacht und die kam zum 30. Geburtstag diese Woche nach Nordhausen. Die Fachmesse „Geoworld“ wurde eigentlich vom Essener Bohrunternehmen „Karl Hamm“ ins Leben gerufen, zum Jubiläum der Kollegen ging der Branchentreff nun aber auf Wanderschaft.

Zwei Tage lang wird im Gewerbegebiet am Rande der Stadt gefachsimpelt und gefeiert, neben dem Bierwagen das Bohrfeld, mit Tombola für den guten Zweck und neuer Technik fürs Geschäft. Und wie bei so vielen der kleinen Erfolgsgeschichten der Nachwendezeit werden die Nordhäuser davon nicht viel mitbekommen.
Angelo Glashagel
Autor: red

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