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Backsteinriese kippte planmäßig um

Samstag, 12. Januar 2002, 15:11 Uhr
Nordhausen (nnz). Seit heute 12 Uhr gehört ein weiterer Schornstein in Nordhausen zur Industriegeschichte. Der Schlot auf den Gelände der Harzer Stielwerke wurde „umgelegt“.


Zum letzten Mal Es war exakt eine Minute vor 12, da kurbelte Sprengmeister Heiko Gießler die Kondensatoren seiner Sprengmaschine auf volle Leistung. Dann ein einfacher Knopfdruck, der 45 Meter hohe Schornstein erzitterte noch mal kurz und fiel einfach um. Experten sprechen hierbei von einer Fallrichtungssprengung. Zum Verständnis: In diesem Fall wurden 4,5 Kilogramm Gelamon in 24 Bohrlöcher am Fuß des Riesen gestopft. Die hauten einen Keil in das Bauwerk (wie beim Baumfällen), und der Schornstein fiel in Richtung des Keils.

Heiko Gießler ist seit sechs Jahren Sprengmeister. Sein Vater, Wolfgang, ist gebürtiger Nordhäuser. Nach der NVA-Zeit zog es ihn in die Nähe von Frankfurt/Oder, wo er nach der Wende den eigenen Sprengbetrieb gründete. Für Sohn Heiko heute also eine Premiere: Der erste Schornstein in der Heimatstadt seines Vaters.

Mit dem Fall des „Langen“ wird nun Platz geschaffen, für die weitere Beräumung des Geländes. Schon zu Ostern sollen die Erschließungs- und Bauarbeiten in diesem Areal beginnen. Ein Lidl-Markt soll noch in diesem Jahr seine Pforten öffnen (siehe dazu auch im nnz-Archiv). Übrigens: Das nnz-Foto entstand eine Sekunde nach der Zündung. Es hat also historischen Charakter, ist sozusagen der letzte Zeitzeuge dieses Bauwerkes mitten in der Stadt.
Autor: nnz

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