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nnz-Forum: Politik und Kompetenz

Freitag, 11. Januar 2002, 13:04 Uhr
Nordhausen (nnz). Mit der Entwicklung des Rettungsdienstzweckverbandes setzt sich ein Mitarbeiter des Nordhäuser DRK auseinander. Andreas Poppe meint, dass ein qualifizierter Rettungsdienst kaum mehr möglich ist. Mehr dazu im nnz-Forum.


Es ist schon verwunderlich, wer in letzter Zeit im Landkreis Nordhausen seine Liebe zum Rettungsdienst entdeckt. Geprägt von politischer Diskussion und nicht von fachlicher Kompetenz ist ein Stand erreicht, der einen hochqualifizierten Rettungsdienst auf Dauer fast unmöglich macht. So drängt sich die Frage auf, ob einige Politiker ihren Wahlkampf auf dem Rücken des Rettungsdienstes austragen wollen.

Es ist doch bestens bekannt, dass die Strukturen im Gesundheitswesen durch die jetzige Regierung reformiert werden sollen, das Rettungswesen bleibt hiervon nicht verschont. Auch im Landkreis Nordhausen ist eine neue Struktur entstanden, bei der immer die Überlegung im Vordergrund stand, möglichst schnell medizinische Hilfe leisten zu können. Diese Zeit bis zum Eintreffen am Notfallort ist im Rettungsdienstgesetz verankert.

Aber nicht nur die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Nordhausen haben ein Recht auf schnelle medizinische Versorgung, sondern auch die des Landkreises. Jede Gemeinde könnte sonst ihre eigene Rettungswache fordern, eine Herausforderung für die politischen Kräfte. Aber bleiben wir doch bei der Realität. Die Aufgabe besteht darin, eine Struktur aufzubauen, bei der jeder Notfallpatient möglichst schnell medizinische Hilfe erhält, auf der anderen Seite aber die Kosten im Rahmen des Möglichen bleiben, denn alle Kosten tragen die Bürgerinnen und Bürger durch die Beiträge zur Krankenversicherung.

Wenn man argumentiert, dass die Versorgung der Stadt Nordhausen gefährdet wird, so ist dies ganz einfach falsch. Am Krankenhaus ist ein Rettungsmittel stationiert, welches mit einem Notarzt besetzt ist und hochqualifizierte Hilfe leisten kann. Diesen „Luxus“ haben die Bürgerinnen und Bürger im Landkreis nicht. Wenn behauptet wird, dieses Fahrzeug könne keine Patienten transportieren, so ist die richtig. Jeder der vom Rettungsdienst nur ein wenig Ahnung hat weiß, dass nicht der Transport, sondern qualifizierte Versorgung am Notfallort im Vordergrund steht. Aber auch ein Rettungswagen zum Transport ist in wenigen Minuten an jedem Ort der Stadt Nordhausen.

Wenn man den Presseberichten glaubt, so wird einem der Eindruck vermittelt, dass nur die Johanniter-Unfall-Hilfe diese Versorgung leisten kann. Stellt sich die Frage, warum eine sehr große Anzahl von hochqualifizierten Mitarbeitern diese Organisation verlassen hat. Zu dieser Frage erhält die Bevölkerung demnächst die Möglichkeit, ehemalige Mitarbeiter der JUH selbst zu befragen. Es gibt sicher viele Fragen um den Rettungsdienst im Landkreis. Nur sollte der Leser nicht auf plumpe politische Wahlkampftaktiken und Falschdarstellungen hereinfallen. Es ist an der Zeit, dass wieder Fachthemen im Rettungsdienst des Landkreises dominieren.
Andreas Poppe, Leiter Rettungsdienst des DRK Nordhausen

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Autor: nnz

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