Die Geschichte der Störche
Donnerstag, 16. November 2006, 20:40 Uhr
Nordhausen/Görsbach (nnz). Die Störche im Ort schreiben Geschichte. In den Medien und im Internet. Wohl ihrer Einmaligkeit im Landkreis wegen. Seit Jahren brütet ein Paar in der Gemeinde. Gegenwärtig halten sich zwei Altvögel im Aue-Dorf auf, die offenbar hier überwintern wollen. Ihretwegen aber gab es Ärger. Ein nnz-Beitrag von Kurt Frank.
Der eine Storch ist beringt. Er schlüpfte im Juni 2000 in Radolfzell am Bodensee. Deutschlandweit sichteten ihn Naturfreunde. Das ermittelte der Vogelschützer Andreas Rzehak. Straßenlaternen neben dem Neubaublock am Heringer Weg erkoren sich die Stelzvögel als ihren Schlafplatz. Darunter parkende Autos. Das Ergebnis war absehbar: Die Weiß-Schwarzen bekleckerten die Blechkarossen. Das missfiel. Als dann das Gerücht aufkam, man wolle die Vögel von dort vertreiben und auch öffentlich darüber informiert wurde, waren nicht nur Naturschützer geschockt.
Im Ort herrschte große Aufregung. Ein Bürger aus der Nachbargemeinde, der es beruflich auf Dächern zu tun hat, meinte gar, man stelle den Görsbachern ein falsches Zeugnis aus. Der Mann entfachte einen Sturm im Wasserglas. Es sei wohl doch nur ein Gerücht, sagt nun auch Bürgermeister Siegfried Junker. Der aber hatte doch erst die Naturschutzbehörde informiert. Erregt schrieb daraufhin Behördenleiter Ralf Harms einen geharnischten Brief an die Einwohner. Den wiederum hielten einige für unangebracht. Der Ortschef verteilte das Schreiben an die Haushalte. Mittlerweile kehrte wieder Ruhe im Dorf ein.
Dennoch steigt die Spannung. Werden die Stelzvögel auch durch den Winter kommen? Das fragen sich die Einheimischen. Andreas Rzehak, in Görsbach liebevoll Storchenvater genannt, ist Optimist. Mit Fisch, Fleisch und Mäusen will er die Rotschnäbel stärken. Eine Futterstelle richtete er bereits ein, um die Tiere an sich zu gewöhnen. Bis auf wenige Meter konnte er sie schon locken.
Von der Storchen-Story hörte mit großem Interesse auch Dieter Georgi. Der betreut im Leipziger Zoo das Vogelhaus. Bestens vertraut ist er mit der Pflege und Aufzucht von Störchen. Ein Experte. Und einer der Stars der MDR-Fernsehserie Elefant, Tiger & Co.. Ein Adebar, wendet er sich an Andreas Rzehak, benötige in einem schneereichen und frostigen Winter täglich mindestens 12 Mäuse, die gleiche Anzahl Eintagsküken oder die entsprechende Menge Fisch, um seinen Energiebedarf zu decken. Ein Storch werde immerhin 80 cm groß, bis zu drei Kilogramm schwer und erreiche eine Flügelspannweite von zwei Metern. Mit ein paar kleinen Futterbrocken sei es da nicht getan. Die regionale Naturschutzbehörde muss helfen, fordert Georgi.
Helfen will auch Siegfried Junker. Er setzt auf die Hilfsbereitschaft der Einwohner. Und auf Benno Koschorrek. Der leitet die Aulebener Fischzucht. Koschorreck war schon behilflich bei der Pflege eines Jungstorches, den Rzehak ohne Probleme über den Winter 2004/05 brachte. Möglich wäre noch, sagen Ornithologen, dass sich die zwei Störche bis Ende November dem Flug der Kraniche in den Süden anschließen. In V-Formationen fallen die Graugefiederten in diesen Tagen in die Aue-Niederungen ein, um sich für die Weiterreise zu stärken. Ihre trompetenartigen Rufe könnten ein Signal für die kleineren Brüder sein. Wenn ja, bleibt den Görsbachern nur die Hoffnung auf eine Rückkehr ihrer Glücksbringer im Frühjahr.
Kurt Frank
Autor: nnzDer eine Storch ist beringt. Er schlüpfte im Juni 2000 in Radolfzell am Bodensee. Deutschlandweit sichteten ihn Naturfreunde. Das ermittelte der Vogelschützer Andreas Rzehak. Straßenlaternen neben dem Neubaublock am Heringer Weg erkoren sich die Stelzvögel als ihren Schlafplatz. Darunter parkende Autos. Das Ergebnis war absehbar: Die Weiß-Schwarzen bekleckerten die Blechkarossen. Das missfiel. Als dann das Gerücht aufkam, man wolle die Vögel von dort vertreiben und auch öffentlich darüber informiert wurde, waren nicht nur Naturschützer geschockt.
Im Ort herrschte große Aufregung. Ein Bürger aus der Nachbargemeinde, der es beruflich auf Dächern zu tun hat, meinte gar, man stelle den Görsbachern ein falsches Zeugnis aus. Der Mann entfachte einen Sturm im Wasserglas. Es sei wohl doch nur ein Gerücht, sagt nun auch Bürgermeister Siegfried Junker. Der aber hatte doch erst die Naturschutzbehörde informiert. Erregt schrieb daraufhin Behördenleiter Ralf Harms einen geharnischten Brief an die Einwohner. Den wiederum hielten einige für unangebracht. Der Ortschef verteilte das Schreiben an die Haushalte. Mittlerweile kehrte wieder Ruhe im Dorf ein.
Dennoch steigt die Spannung. Werden die Stelzvögel auch durch den Winter kommen? Das fragen sich die Einheimischen. Andreas Rzehak, in Görsbach liebevoll Storchenvater genannt, ist Optimist. Mit Fisch, Fleisch und Mäusen will er die Rotschnäbel stärken. Eine Futterstelle richtete er bereits ein, um die Tiere an sich zu gewöhnen. Bis auf wenige Meter konnte er sie schon locken.
Von der Storchen-Story hörte mit großem Interesse auch Dieter Georgi. Der betreut im Leipziger Zoo das Vogelhaus. Bestens vertraut ist er mit der Pflege und Aufzucht von Störchen. Ein Experte. Und einer der Stars der MDR-Fernsehserie Elefant, Tiger & Co.. Ein Adebar, wendet er sich an Andreas Rzehak, benötige in einem schneereichen und frostigen Winter täglich mindestens 12 Mäuse, die gleiche Anzahl Eintagsküken oder die entsprechende Menge Fisch, um seinen Energiebedarf zu decken. Ein Storch werde immerhin 80 cm groß, bis zu drei Kilogramm schwer und erreiche eine Flügelspannweite von zwei Metern. Mit ein paar kleinen Futterbrocken sei es da nicht getan. Die regionale Naturschutzbehörde muss helfen, fordert Georgi.
Helfen will auch Siegfried Junker. Er setzt auf die Hilfsbereitschaft der Einwohner. Und auf Benno Koschorrek. Der leitet die Aulebener Fischzucht. Koschorreck war schon behilflich bei der Pflege eines Jungstorches, den Rzehak ohne Probleme über den Winter 2004/05 brachte. Möglich wäre noch, sagen Ornithologen, dass sich die zwei Störche bis Ende November dem Flug der Kraniche in den Süden anschließen. In V-Formationen fallen die Graugefiederten in diesen Tagen in die Aue-Niederungen ein, um sich für die Weiterreise zu stärken. Ihre trompetenartigen Rufe könnten ein Signal für die kleineren Brüder sein. Wenn ja, bleibt den Görsbachern nur die Hoffnung auf eine Rückkehr ihrer Glücksbringer im Frühjahr.
Kurt Frank
