Mit dem Blick eines Kindes
Freitag, 10. November 2006, 14:35 Uhr
Nordhausen (nnz). Christina Friedrich, Autorin und Regisseurin, geboren in Nordhausen, lebt und arbeitet in Berlin, Tel Aviv sowie Tokio und arbeitet zur Zeit in Limlingerode an dem Manuskript Keller. Aus dem wird sie in der kommenden Woche lesen. Mehr dazu mit einem einzigen Klick.
Diese Geschichte trägt Zeugnis. Gleichsam einem zerstörten Land und einer gestohlenen Kindheit, wie es sie zu Tausenden gegeben haben muss. Ein Kind stirbt bei einem nächtlichen amerikanischen Bombardement – Und stirbt doch nicht. Der wache Geist des Kindes kriecht ins Kellermauerwerk eines Hauses. Und erinnert sich.
Christina Friedrich beschreibt hier eine Geschichte menschlicher Grausamkeit und physischen Schmerzes über die Unbegreiflichkeit der Welt, wie sie nur durch den Blick des Kindes möglich ist. Das Kind ist das personifizierte, forschende Auge der Historie, die mahnende Stimme, die niemand hören kann, doch die mit kindlicher Konsequenz und alternativlos konstatiert.
Es ist eine Beschreibung von verlorener Reinheit und geraubter seelische Unschuld, die der Kinderheld gehen lassen muss, wie seinen weißen Hasen mit den roten Augen, der auf dem Hof verbrannt und beerdigt wird. Und doch sieht er mit decouvrierender Klarheit und Nüchternheit, entlarvt, macht sichtschützende Mauern einfallen, Grenzen offen und Verborgenes sichtbar.
All das was beschrieben wird, passiert jetzt, obwohl es ja augenscheinlich in einer längst vergangenen, untergegangen Welt erlebt worden ist. In dieser Welt , die zusammengesetzt ist aus Familie, Schule, Kirche und der kleinen Stadt am Rande des Harzes, lebt das Mädchen und beschreibt staunend und irritiert, die Zumutungen ihrer Umwelt. Aus der Verweigerung erwachsen zu werden, aus dem Widerstand zwischen äußerer Anpassung und innerer Distanzierung werden die alltäglichen Verrichtungen zur ständigen Überforderung.
Aus dieser Überlastung träumt sich das Mädchen von Zeit zu Zeit in fremde Welten. Eingesperrt in ein Übermaß an Pflichten und Ritualen, eingezwängt in die Enge des grauen, kalten Landes bewegt sie sich in Mythen und Märchen. Da fühlt sie sich heimisch. Hier wird sie vom Objekt zum Subjekt. Manchmal verschwimmen diese Welten, überschneiden sich.
Sonnabend , den 18. November um 19. 30 Uhr In der Dichterstätte Sarah Kirsch in Limlingerode
Autor: nnzDiese Geschichte trägt Zeugnis. Gleichsam einem zerstörten Land und einer gestohlenen Kindheit, wie es sie zu Tausenden gegeben haben muss. Ein Kind stirbt bei einem nächtlichen amerikanischen Bombardement – Und stirbt doch nicht. Der wache Geist des Kindes kriecht ins Kellermauerwerk eines Hauses. Und erinnert sich.
Christina Friedrich beschreibt hier eine Geschichte menschlicher Grausamkeit und physischen Schmerzes über die Unbegreiflichkeit der Welt, wie sie nur durch den Blick des Kindes möglich ist. Das Kind ist das personifizierte, forschende Auge der Historie, die mahnende Stimme, die niemand hören kann, doch die mit kindlicher Konsequenz und alternativlos konstatiert.
Es ist eine Beschreibung von verlorener Reinheit und geraubter seelische Unschuld, die der Kinderheld gehen lassen muss, wie seinen weißen Hasen mit den roten Augen, der auf dem Hof verbrannt und beerdigt wird. Und doch sieht er mit decouvrierender Klarheit und Nüchternheit, entlarvt, macht sichtschützende Mauern einfallen, Grenzen offen und Verborgenes sichtbar.
All das was beschrieben wird, passiert jetzt, obwohl es ja augenscheinlich in einer längst vergangenen, untergegangen Welt erlebt worden ist. In dieser Welt , die zusammengesetzt ist aus Familie, Schule, Kirche und der kleinen Stadt am Rande des Harzes, lebt das Mädchen und beschreibt staunend und irritiert, die Zumutungen ihrer Umwelt. Aus der Verweigerung erwachsen zu werden, aus dem Widerstand zwischen äußerer Anpassung und innerer Distanzierung werden die alltäglichen Verrichtungen zur ständigen Überforderung.
Aus dieser Überlastung träumt sich das Mädchen von Zeit zu Zeit in fremde Welten. Eingesperrt in ein Übermaß an Pflichten und Ritualen, eingezwängt in die Enge des grauen, kalten Landes bewegt sie sich in Mythen und Märchen. Da fühlt sie sich heimisch. Hier wird sie vom Objekt zum Subjekt. Manchmal verschwimmen diese Welten, überschneiden sich.
Sonnabend , den 18. November um 19. 30 Uhr In der Dichterstätte Sarah Kirsch in Limlingerode
