nnz-online

Dieser Mann versteht (k)einen Spaß

Mittwoch, 09. Januar 2002, 12:29 Uhr
Nordhausen/Sondershausen (nnz). Vor ihm ist niemand sicher und das zu recht. Nämlich unter Justitia kennt er keine Gnade und verdonnert schonmal zum Lesen der Hitler-Biografie. Wen diesmal die Härte der Justiz traf, lesen Sie nur in der nnz.


Es ist der 21. Juni letzten Jahres und Manfred K. (Name geändert) hat nichts Besseres zu tun, als „rumzuhängen“ und andere Leute anzupöbeln. Doch diesmal ging er zu weit. Denn neben mündlichen Ausfälligkeiten wurde er obendrein auch noch gewalttätig. Manfred K. gehört der rechten Szene an und wie es bei solchen Leuten üblich ist, fliegen oftmals die Fäuste. So auch an diesem Tag. Biertrinkend mit anderen Gesinnungsgenossen hielt er sich vor der Jugendherberge in Schlotheim auf, als eine Gruppe „Linker“ auftauchte. Zuerst beschimpft Manfred K. sie als „asoziale Parasiten“, dann hat er einen Kurzschluss. Ohne Grund schlug und trat er auf einen der Besucher ein. Dieser musste mit erheblichen Verletzungen ins Krankenhaus eingewiesen werden.

Jetzt kam Manfred K. vor das Sondershäuser Amtsgericht und das war sein großes Pech. Denn dort herrscht Richter Christian Kropp mit all der juristischen Härte und der hat für solche Taten überhaupt kein Verständnis. „Wer selber arbeitslos ist und daheim vor dem Fernseher herumhänge, der könne kaum die arbeitende Bevölkerung beschimpfen und schon gar nicht verprügeln“, so Richter Kropp in der Verhandlung. Bei ihm erhielt Manfred K. nun seine Quittung. Neben der Verhängung einer neunmonatigen Jugendstrafe zur Bewährung ausgesetzt, hatte sich Richter Kropp noch etwas Besonderes einfallen lassen. Zusätzlich hat Manfred K. 300 Stunden gemeinnützige Arbeit abzuleisten und das nicht irgendwo. Um sich einmal intensiver mit den Gästen in Deutschland auseinandersetzen zu können, wird Manfred K. zukünftig die Arbeitsstunden in der Aufnahmeeinrichtung für Ausländer in Freienbessing ableisten. Richter Kropp: „Neben anderen Verrichtungen wird der Täter putzen und dadurch natürlich Kontakt aufnehmen. Dort hat er die Gelegenheit, aktiv Toleranz zu lernen.“

Das Amtsgericht Sondershausen hat schon in der Vergangenheit gegen Rechtsextreme neue Wege beschritten. Im August 2001 wurde ein Mann aus Merseburg zum Lesen der Hitler-Biografie verurteilt.
Autor: vf

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 nnz-online.de