Heimatgeschichte mit Tim Schäfer
Zum Conopeum der Krypta der Neanderklinik
Sonntag, 16. März 2025, 09:43 Uhr
Ilfeld in Harztor hat mit der Krypta der Neanderklinik eines der ältesten Museen im Harzgebiet. Im Zuge der Katalogisierung sind auch Objekte erfasst, die schon im Zugang über den nord-westlichen Gebäudeflügel existieren…
Da fallen sofort prächtige Türeinfassungen in einem Material auf, die auf ein Spolium aus der Kloster- bzw. -schulzeit hinweist. Es kann sich um Honsteiner Marmor handeln. Direkt im Zugang über den Gebäudeflügel Nord-West (durch den Tagespflege-Bereich der Neanderklinik) finden sich diese. Ein Baldachin mit lateinischen Inschriften kann als Conopeum- Artefakt gelten, welches heute 2 Gedenktafeln rahmt. Wahrscheinlich fanden diese Artefakte beim Neubau im 19. Jahrhundert Ihren heutigen Platz und Anordnung. Eine Tafel ist für den Ilfelder Pastor Joh. Val. Lisegang. Daneben findet sich das Memorial des Ionanchistoph Rambersi, der offenbar ein verdienstvoller Ilfelder Präfekt war.
Es sei ein zusätzlicher Blick auf das Conopeum gestattet. Dort finden sich 4 lateinische Inschriften, die auf eine vorherige Anordnung im alten Kloster schließen lassen. Solch ein Conopeum ist etwas speziellerer Natur. Die vier Inschriften sollen tiefgründige und bedeutungsvolle Aussagen ggf. für Mönche, Klosterschüler aber auch Besucher und leitende Angestellte beinhalten, die oft in religiösen oder spirituellen Kontexten verwendet werden. Heute sind es Klassiker eines Lateinkurses, die etwa die ff. Bedeutungen haben. "Hodie Mihi Cras. Tibi." - "Heute mir, morgen dir." (Links). Dies erinnert an die Vergänglichkeit des Lebens und daran, dass der Tod jeden treffen kann. Mittig darüber: Hors certa hora incerta, Die Stunde ist sicher, die Zeit ist ungewiss." Dies betont die Ungewissheit des Lebens und dass der Tod jederzeit eintreten kann. Rechts steht: "Seuquere et Eaternu Specta" - "Folge und betrachte die Ewigkeit." Dies könnte eine Aufforderung sein, dem spirituellen Weg zu folgen und das Ewige zu betrachten. Mittig, zentral dann noch: "Futuram permanentem" - "Die zukünftige Beständigkeit."
Dies könnte auf das ewige Leben oder die Beständigkeit der spirituellen Wahrheit hinweisen.
Diese Inschriften könnten in einem Kloster oder der Klosterschule verwendet worden sein, um die Mönche, Schüler oder Besucher an die spirituellen Wahrheiten und die Vergänglichkeit des Lebens zu erinnern. Als Inschriftenensemble des Klosters der Heiligen Maria oder der Klosterschule. Sie dienen als Mahnung und Inspiration, sich auf das Ewige zu konzentrieren und ein tugendhaftes Leben zu führen. Der Autor ist geneigt eine allgemeinverständliche Deutung, einen "Vierklang" -Akkord für das Leben metaphorisch zu geben: Arbeite ständig an Dir, Deine Lebenszeit ist ungewiss, die Ewigkeit und Zukunft dagegen, gewiss. Nun, die echten Lateiner mögen es etwas anders sehen, sei es drum. Es ist nur für die Leser gedacht, eine kreativ gemeinte Art, die Kohärenz und Zusammengehörigkeit dieser Inschriften zu beschreiben! Kulturell ein Nukleus unseres Daseins, oder modern gesagt, es sollte so sein…?
Tim Schäfer
