Offene Werkstatt
Samstag, 04. November 2006, 22:32 Uhr
Nordhausen (nnz). Menschen mit Behinderung brauchen sich nicht zu verstecken. Ihre Arbeit ist anders als von Normalos, kann sich aber sehen lassen. Die Werkstätten der Nordthüringer Lebenshilfe öffneten heute für Gäste, die sich davon überzeugen konnten. Auch nnz hat sich ein Bild gemacht.
Offene Werkstatt (Foto: nnz)
René zerlegt einen alten Kopierer, damit die Einzelteile recycelt werden können. Der junge Mann ist einer von rund 460 Beschäftigen der Nordthüringer Lebenshilfe. Menschen mit geistiger oder seelischer Behinderung finden hier in den Werkstätten eine sinnvolle Arbeit. Die Aufgaben sind so vielfältig daß sich für jeden eine passende Arbeit finden läßt. Seit langem werden Aufträge für Nordbrand Nordhausen ausgeführt. Spirituosenflaschen sind in die beliebten Vogelhäuschen zu packen, für eine Weihnachtsaktion werden Mützen auf Rumflaschen befestigt. In sieben Wochen sollen 130.000 Flaschen fertiggemacht werden. Werkstattleiter Hankel weiß, daß das klappt, denn geistig Behinderte sind motiviert und wollen arbeiten. Nur muß der Job zu ihnen passen und ihre Fähigkeiten berücksichtigen. Eigentlich sei es ja Aufgabe der Werkstatt, die Leute fit zu machen für eine Arbeit in der freien Wirtschaft, aber angesichts der aktuellen Lage sei das nur in zwei, drei Fällen gelungen, berichtet Hankel.
Der Werkstattleiter zeigt ein Luftbild vom Gelände. Groß ist es in den letzten Jahren geworden. Auch 2006 wurde einiges neu geschaffen. Der Speiseraum wurde erweitert. Im Förderbereich entstanden vier zusätzliche Plätze, 24 schwerst-mehrfach Behinderte können jetzt tagsüber betreut werden. Hier werden sie individuell gefördert, damit sie wenigstens einige alltägliche Kleinigkeiten lernen, beispielsweise selbst zu essen. Von einer Arbeit sind sie weit entfernt.
In drei Wohnheimen können rund 100 der Beschäftigten unterkommen. Nur wer in den Werkstätten arbeitet, kann einen Platz bekommen. Behinderte, die schon recht selbstständig sind, haben eigene, allerdings betreute Wohnungen in der Stadt. Mitarbeiter der Lebenshilfe sehen nach dem rechten und helfen bei Problemen. So gibt es auch keine Schwierigkeiten mit den nichtbehinderten Nachbarn. Es ist eines unserer Ziele, die Beschäftigten zum Leben in einer eigenen Wohnung zu befähigen. Sage Hankel.
Die Zahl der geistig Behinderten habe sich inzwischen stabilisiert. Deshalb wird aktuell nicht an eine Erweiterung der Werkstatt gedacht. Die andere Werkstatt für seelisch Behinderte hingegen ist grade erst erweitert worden. Die Räume in der Hesseröder Straße reichten schon lange nicht mehr aus. Der Zuwachs an seelisch kranken Menschen ist stark. Viele kommen mit dem Streß und der modernen Zeit nicht klar. So der Werkstattleiter. Für Plätze gibt es eine Warteliste. Kontakte zwischen den Bereichen existieren kaum, zu unterschiedlich sind die Behinderungen.
Für die Beschäftigten selbst ist der Tag der offenen Tür jedes Jahr ein schönes Erlebnis. Sie können ihre Arbeit der Öffentlichkeit präsentieren, so wie Maik, der Etiketten auf Flaschen klebt. Ihm macht die Aufgabe Spaß. Das ist schon ein guter Job. Sagt er. Jede Woche stellt er gemeinsam mit seinen Kollegen 22.000 Stück fertig. Diese Spirituosen werden dann von Nordbrand nach Italien oder Großbritannien exportiert, und das geht nur mit den Steuerbanderolen, welche in der Lebenshilfe über die Verschlüsse geklebt werden.
Selbst wenn Sie noch nie in den Lebenshilfe-Werkstätten waren, einige Produkte nutzen auch Sie, ganz unbewußt. Deckel für den Kühlflüssigkeitstank und Lautsprecher für Alarmanlagen in Autos werden in Nordhausen gefertigt. Falls Sie in Mifa-Fahrrad haben, wurde das hier montiert. Und wer demnächst Fernseher oder Computer loswerden möchte, kann diesen ganz einfach mit der Sperrabfallkarte in der Lebenshilfe abgeben.
Autor: wf
Offene Werkstatt (Foto: nnz)
René zerlegt einen alten Kopierer, damit die Einzelteile recycelt werden können. Der junge Mann ist einer von rund 460 Beschäftigen der Nordthüringer Lebenshilfe. Menschen mit geistiger oder seelischer Behinderung finden hier in den Werkstätten eine sinnvolle Arbeit. Die Aufgaben sind so vielfältig daß sich für jeden eine passende Arbeit finden läßt. Seit langem werden Aufträge für Nordbrand Nordhausen ausgeführt. Spirituosenflaschen sind in die beliebten Vogelhäuschen zu packen, für eine Weihnachtsaktion werden Mützen auf Rumflaschen befestigt. In sieben Wochen sollen 130.000 Flaschen fertiggemacht werden. Werkstattleiter Hankel weiß, daß das klappt, denn geistig Behinderte sind motiviert und wollen arbeiten. Nur muß der Job zu ihnen passen und ihre Fähigkeiten berücksichtigen. Eigentlich sei es ja Aufgabe der Werkstatt, die Leute fit zu machen für eine Arbeit in der freien Wirtschaft, aber angesichts der aktuellen Lage sei das nur in zwei, drei Fällen gelungen, berichtet Hankel. Der Werkstattleiter zeigt ein Luftbild vom Gelände. Groß ist es in den letzten Jahren geworden. Auch 2006 wurde einiges neu geschaffen. Der Speiseraum wurde erweitert. Im Förderbereich entstanden vier zusätzliche Plätze, 24 schwerst-mehrfach Behinderte können jetzt tagsüber betreut werden. Hier werden sie individuell gefördert, damit sie wenigstens einige alltägliche Kleinigkeiten lernen, beispielsweise selbst zu essen. Von einer Arbeit sind sie weit entfernt.
In drei Wohnheimen können rund 100 der Beschäftigten unterkommen. Nur wer in den Werkstätten arbeitet, kann einen Platz bekommen. Behinderte, die schon recht selbstständig sind, haben eigene, allerdings betreute Wohnungen in der Stadt. Mitarbeiter der Lebenshilfe sehen nach dem rechten und helfen bei Problemen. So gibt es auch keine Schwierigkeiten mit den nichtbehinderten Nachbarn. Es ist eines unserer Ziele, die Beschäftigten zum Leben in einer eigenen Wohnung zu befähigen. Sage Hankel.
Die Zahl der geistig Behinderten habe sich inzwischen stabilisiert. Deshalb wird aktuell nicht an eine Erweiterung der Werkstatt gedacht. Die andere Werkstatt für seelisch Behinderte hingegen ist grade erst erweitert worden. Die Räume in der Hesseröder Straße reichten schon lange nicht mehr aus. Der Zuwachs an seelisch kranken Menschen ist stark. Viele kommen mit dem Streß und der modernen Zeit nicht klar. So der Werkstattleiter. Für Plätze gibt es eine Warteliste. Kontakte zwischen den Bereichen existieren kaum, zu unterschiedlich sind die Behinderungen.
Für die Beschäftigten selbst ist der Tag der offenen Tür jedes Jahr ein schönes Erlebnis. Sie können ihre Arbeit der Öffentlichkeit präsentieren, so wie Maik, der Etiketten auf Flaschen klebt. Ihm macht die Aufgabe Spaß. Das ist schon ein guter Job. Sagt er. Jede Woche stellt er gemeinsam mit seinen Kollegen 22.000 Stück fertig. Diese Spirituosen werden dann von Nordbrand nach Italien oder Großbritannien exportiert, und das geht nur mit den Steuerbanderolen, welche in der Lebenshilfe über die Verschlüsse geklebt werden.
Selbst wenn Sie noch nie in den Lebenshilfe-Werkstätten waren, einige Produkte nutzen auch Sie, ganz unbewußt. Deckel für den Kühlflüssigkeitstank und Lautsprecher für Alarmanlagen in Autos werden in Nordhausen gefertigt. Falls Sie in Mifa-Fahrrad haben, wurde das hier montiert. Und wer demnächst Fernseher oder Computer loswerden möchte, kann diesen ganz einfach mit der Sperrabfallkarte in der Lebenshilfe abgeben.
