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Ich war immer mal gerne weit weg - aber:

Heimat ist Heimat

Mittwoch, 05. März 2025, 08:00 Uhr
Wer ihn kennt, bekommt schnell den Eindruck, dass er mit seinem Leben zufrieden ist. Es war - bis dato - alles andere als langweilig. Das, was in den zurückliegenden Jahrzehnten passierte, hat er aufgesogen. Er war mittendrin, statt nur dabei. Heute wird er 65. Na und? sagt er im Gespräch mit der nnz…

Jürgen Rennebach zum 65. (Foto: privat) Jürgen Rennebach zum 65. (Foto: privat)
Jürgen Rennebach ist in seinem Leben viel herumgekommen. Nach den Kinder- und Jugendjahren folgte er dem eindringlichen Bitten seines Vaters und erlernte den Beruf eines Gebrauchswerbers. “Lerne was Handfestes, studieren kannst du später immer noch”.

Er gehorchte, lernte aus und gestaltete Schaufenster des damaligen Konsums in Nordhausen und Volksfeste. Aber: es gab in dieser Stadt ein Theater, das brauchte Kulissen. Hier konnte er sein Talent das erste Mal mit dem erworbenen Wissen ausleben, nebenbei gestaltete er Bühnenbilder. Doch in ihm drin, da schrie es nach mehr, nach einem Studium.

Mit 25 bewarb er sich an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden, das Abitur hatte er in der Tasche. Jürgen Rennebach erinnert sich: “Es gab damals 160 Bewerber, 14 davon wurden eingeladen, vier angenommen. Die Nachricht der Eignung erhielt ich zu meinem 26. Geburtstag. Das Leben schafft schon manchmal Zufälle und ich fühlte, dass die Welt eigentlich auf mich gewartet hatte…”

Fünf Jahre war Günter Hornig nicht nur sein Professor, sondern Mentor und Freund. Er war auch Halt in einer Zeit, da aus der DDR der Osten der BRD wurde. Mit dem Diplom in der Hand ging es nicht etwa in die nun weite Welt, sondern zurück nach Nordhausen. Ans Theater, wo er ein Jahr als Ausstatter arbeitete. Dann führte ihn der Weg nach Bochum, in den Ruhrpott. “Endlich arbeitete ich in der Bundesliga, jedenfalls der des Theaters”, erinnert er sich. Mit der Referenz aus Bochum zog es den Nordhäuser in die weite deutsche Theaterwelt: Halle, Schwerin, Gera/Altenburg, Senftenberg.

Sesshaft wurde er dort nie, 80.000 bis 90.000 Kilometer pro Jahr rannen auf den Tachos seiner vierrädrigen Untersätze runter. Nordhausen war immer Ruhepunkt oder Fluchtpunkt, je nach Blickrichtung. Die Jahre vergingen wie im Flug, sie waren so vielfältig, dass auch heute noch eine vernünftige, exakte Einordnung in den Lauf der 65 Lebensjahre schwerfällt. Ist vielleicht auch gut so, wenn man immer mittendrin statt nur dabei sein will.
Dann der Cut in seiner Umtriebigkeit: Es war 2005, da bekam er aus seiner Heimat das Angebot, den Tabakspeicher neu zu konzipieren und umzugestalten. Angebot angenommen, Auftrag erfüllt. So gut, dass er 2006 auch die Flohburg übernahm. Diese Episode endete 2013. Die damalige Rathausspitze hatte eine ehemalige Gedenkstättenleiterin und städtische Amtsleiterin mit einem neuen Job zu versorgen.
20 Jahre später sitzt er immer noch in diesem kleinen Hinterzimmer in der Bäckerstraße, was er als Büro bezeichnet. Da ist nicht einmal Platz für den heute obligatorischen Kaffeeautomat.

Trotz einer millionenschweren Erneuerung der Flohburg, ist der Tabakspeicher auch heute noch das Museum mit den meisten Besucherzahlen der städtischen musealen Einrichtungen. Und das ist - wie die Nordhäuser zu schätzen wissen - auch dem kreativen Kopf des Jürgen Rennebach zu verdanken. Der Tabakspeicher ist unter seiner Leitung mehr als nur Museum, mehr als nur Aufbewahrungsort von Historie. Er ist Ort von Tradition, Handwerk, Technik, Kunst, Bildung in einer schier unglaublichen Vielfalt.

Aber kann sich dort, in diesem kleinen Büro die Kreativität eines Künstlers entfalten? “Ich hatte das Glück, mir ein Atelier einrichten zu können, sozusagen meine zweite Wirkungsstätte. Und ich durfte im Jahr 2012 nicht nur meine zauberhafte Frau heiraten, sondern sie schenkte mir auch einen Sohn und eine Tochter.”

Die Malerei betreibt er seit 25 Jahren intensiv, die Liste seiner Ausstellungen in Deutschland, Frankreich und Polen ist ziemlich lang. Bleibende “Dinge” schuf er in Nordhausen. Eine Plastikgruppe, zwei Skulpturen und eine Brunnenfigur zusammen mit seinem Freund, dem viel zu früh verstorbenen Lothar Rechtacek.

Zu seinem 65. Geburtstag macht sich Jürgen Rennebach mit drei parallel zu sehenden Ausstellungen selbst ein Geschenk. Zu sehen sind seine Werke, Zeugnisse seiner "gesunden Besessenheit”, im Kunsthaus (ab 29.3.), in der Galerie der Kreissparkasse (ab 8.4.) und in Warschau (ab 9.5.).

Der abstrahierende Realist wirkt mit sich zufrieden, mit seinem privaten Umfeld, mit den Ergebnissen seiner Besessenheit und mit dem Rest der Welt. Für ihn ist das die Basis für ein weiteres - hoffentlich noch langes und gesundes - Leben und Schaffen. Herzlichen Glückwunsch, Jürgen Rennebach
Peter-Stefan Greiner
Autor: psg

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