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Meine Meinung:

Am Tag danach

Montag, 24. Februar 2025, 08:30 Uhr
Der Kampf ist vorbei, der Show erster Teil auch. Die Stimmen sind gezählt, die Diskussionen ebben ab und irgendwann wird man in diesem Land sich auf das besinnen müssen, wofür man sich hat wählen lassen...


Das wird nach dem moderaten Wahlkampf im Norden unseres Freistaates hoffentlich bald sein, obwohl diese Wahl und deren Ausgang eine Zäsur darstellt.

Zum ersten Mal nach der Wende hat die CDU es nicht geschafft, ihren Direktkandidaten "durchzubringen". Seit 1990 hatten die beiden Kandidaten des schwarzen Eichsfelds, Reddemann und Grund, die Dauerkarten für ein Mandat gezogen und das mit durchaus respektablen bis grandiosen Erfolgen.

Der Politikneuling David Gregosz wird dennoch seinen Arbeitssitz nach Berlin verlegen können, er kommt über die Liste in den Bundestag. Schaden kann das für Nordthüringen nicht. Aber mit welcher politischen Kraft er da ausgestattet werden wird, darüber wird vermutlich in CDU-Kreisen noch lange zu diskutieren sein. Denn: Was ist von der einstigen Partei der absoluten Mehrheit übriggeblieben? Wurden nach der Wende, zum Beispiel 1990 und 1994, noch alle Wahlkreise in Thüringen von den CDU-Kandidaten gewonnen, so gehen die Christdemokraten in diesem Jahr leer aus.

Mal gerade vier Listenmandate, darunter auch der Nordthüringer, stehen nach diesem Wahlkampf auf der Haben-Seite. Eigentlich müsste das zu denken geben. Vermutlich allerdings reicht das aus, um beim Regieren in Berlin mitzuhelfen. Wie geschrieben: Jeder Abgeordnete, jede Abgeordnete aus der Region mehr in Berlin ist gut für die Region.

Diese Verantwortung nimmt auch Politikneuling Christopher Drößler mit nach Berlin. Im politischen Gepäck hat er knapp 40 Prozent aller abgegebenen Erststimmen. Das ist um so bemerkenswerter wenn man bedenkt, dass die wenigsten Wähler der AfD davon ausgegangen sind, dass ihre Partei in irgendeiner Weise an der politischen Entscheidungsgewalt beteiligt sein wird. Die obskure Brandmauer wird die Partei auch in den kommenden (?) Jahren von Regierungsverantwortung fernhalten. Das kann man bedauern oder begrüßen.

Bleibt doch die Frage nach dem Motiv der 510519 Wählerinnen und Wähler im Freistaat, die trotzdem ihre Zweitstimme dieser Partei gegeben hatten? Nach der Lesart von Links und Grün sind das alles Nazis und/oder Faschisten. Aber gerade dieses Stigmatisieren durch das linksgrüne Milieu ist ein Teil des Erfolges der "Blauen". Der mehr als einer halben Million AfD-Stimmen stehen 115.915 (8.8%) aus dem Lager der SPD, 200.691 (15,2%) der Linken oder 56.084 (4,2%) der Grünen gegenüber.

Ich kann mich noch an den Ausgang der Wahl 2021 erinnern, als die Parteien der "Nationalen Front", also der Ampel und der christdemokratischen Scheinopposition, kundtaten, dass sie durch eine Superpolitik zum Wohle aller die AfD halbieren wollten. Scheinbar hatten einige der Propheten in Mathematik nicht aufgepasst, denn aus der Halbierung ist eine Verdopplung der Stimmen geworden.

Noch ein Wort zur SPD. Die kann einem eigentlich nur noch Leid tun: In Berlin, in Erfurt und im Norden dieses Freistaates. Das Dilemma dieser Partei, die einst als Arbeiterpartei im Westen und nach der Wende auch im Osten galt, ist an Personen und Ergebnissen auszumachen. Zu den Personen: wenn zu Wahlen überhaupt Kandidaten aufgestellt werden, dann solche, die sich - objektiv betrachtet - überhaupt keine Sorgen hinsichtlich eines Wahlerfolges machen müssen. So leid es mir tut, aber sie lassen sich verheizen. Siehe die zurückliegenden Landtagswahlen.

Die Ergebnisse sehen ähnlich aus, wenn man sich in Nordthüringen die drei Kreisstädte herauspickt. In Sondershausen machten 1.187 Menschen ihr Kreuz hinter der SPD, für die AfD votierten 5.290. Ähnlich in Nordhausen mit 2.503 Stimmen für die SPD und 8.977 für die AfD. Manchmal, eben auch an dieser Stelle, frage ich mich, was dieser Spruch "Ganz Nordhausen hasst die AfD" eigentlich für einen tieferen Sinn hat? Gebrüllt wird er vorzugsweise von linken und grünen Anhängern. Für SPD, Linke und Grüne zusammen votierten 17 Prozent der Nordhäuser Bevölkerung.

Jede Wahl, ist sie noch so "groß" oder noch so "klein" an Bedeutung, hat ein Ziel und hat einen Auftrag an die Gewählten. Sie sollen sich in den kommenden Jahren eigentlich nur für das Wohl des gesamten Volkes einsetzen. Sie sollen das Land wirtschaftlich und politisch stark machen, sollen sich um den Wohlstand der Menschen kümmern und sollen das Vertrauen rechtfertigen, das man ihnen mit den zwei Kreuzen auf dem Wahlschein mitgegeben hat. Das alles kann doch nicht so schwer sein, wenn man den Willen dazu hat.

Ein wenig könnte man da schon über den großen Teich schauen. Warum soll es nicht mal aus dem Bundestag, über dem der Claim "Dem deutschen Volke" prangt, zu hören sein: "Jawohl, wir kümmern uns jetzt endlich mal um unser Land, um unser Deutschland!" Warum nicht: "Germany first!"?
Peter-Stefan Greiner
Autor: psg

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