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Wasser und Gebietsreform (2)

Donnerstag, 19. Oktober 2006, 07:43 Uhr
Nordhausen (nnz). Es ist zwar noch ein paar Jahre hin, doch spätestens im 2010 wird es eine neue Landkreisstruktur im Freistaat geben. Bis dahin müssen die Claims abgesteckt sein...


Es gilt fast als sicher, dass aus den derzeit 17 Landkreisen im Freistaat deutlich weniger werden, vielleicht vier, vielleicht fünf. Fast sicher ist, dass es einen Nordthüringer Landkreis geben wird. Und da bleibt die alles entscheidende Frage: Welche Stadt kann für sich den Kreissitz beanspruchen? Im Rennen könnten – aufgrund ihrer Größe – eigentlich nur Mühlhausen und Nordhausen sein.

Während man sich im Unstrut-Hainich-Kreis sehr selbstbewusst gibt, ist davon im Landkreis Nordhausen nichts zu verspüren. Da gibt es in der jetzigen Kreisstadt Mühlhausen intensive Bemühungen, in den nächsten Jahren so viele Kommunen einzugemeinden wie möglich. Die Messer sind gewetzt, die Mühlhäuser können sogar auf hoheitliche Unterstützung rechnen. Der dortige Landrat spinnt die Fäden. Harald Zanker hatte in den zurückliegenden Jahren die Landes-SPD gemieden, wieder Teufel das Weihwasser, dafür hatte er den in diesem Jahr leider zu früh verstorbenen Eckhardt Ohl. Seit dem wird er sogar in diversen kommunalpolitischen Zirkeln und anderen sozialdemokratischen Gemeinschaften gesichtet.

Über so viel Beistand würden sich auch die Verantwortlichen der Stadt Nordhausen freuen. Das Gegenteil ist eher der Fall. Im Landratsamt wird ausgesessen. Schlimmer noch – es werden Briefe geschrieben. Zum Beispiel nach Görsbach. Dort wird Bürgermeister Junker gerügt, dass er wohlwollend einer Eingemeindung seines Dorfes nach Nordhausen gegenüber stehen würde. Er würde damit nicht nur die Verwaltungsgemeinschaft Goldene Aue, sondern auch den Landkreis Nordhausen „zerstören“, schreibt Joachim Claus, seines Zeichens Landrat. Im Umkehrschluss könnte das bedeuten, dass der christdemokratische Kommunalpolitiker auch während und nach einer Gebietsreform im Land Thüringen vom Fortbestand des Landkreises Nordhausen ausgeht. Das könnte ein Trugschluss sein.

Also käme es doch auch für die Regierenden im Landkreis darauf an, alles für die Stärkung der Kreisstadt zu tun. Was den Nordhäusern einen immensen, nicht zu umgehenden Vorsprung gegenüber Mühlhausen verschaffen würde, das wäre die Einwohnerzahl.

Experten wissen – 50.000 Einwohner müssen es sein, neben Stempeda und Rodishain müssen sich weitere Kommunen auf die Seite der Rolandstadt schlagen. Das Störfeuer jedoch, das in den kommenden Monaten zu erwarten ist, wird nicht von Pappe sein. Typisch für die Verhältnisse in diesem Landkreis. Der Unfrieden könnte jedoch zerstörerische Ausmaße annehmen.

In den nächsten Monaten müssen Gespräche geführt werden. Der Landkreis Nordhausen kann nicht zerstört werden, er wird sich auflösen. Was bleibt, das ist die Kreisstadt, der Hauptsitz der Verwaltung. Und: Was für die Stadt Nordhausen im großen gilt, dass müsste auch für Bleicherode im kleinen gelten. Das Modell der erfüllenden Gemeinde ist Geschichte, und selbst Sollstedt müsste auf der Einkaufsliste des Frank Rostek stehen.

Ein Schmankerl noch zum Schluß: Sollte die Stadt Nordhausen durch mehrere Orte in der Goldenen Aue über die 50.000er-Marke bei den Einwohnern kommen, dann könnte ein dritter hauptamtlicher Beigeordneter seinen Dienst im Rathaus antreten. Und der könnte durchaus eine CDU-Parteibuch in seiner Tasche und in der Goldenen Aue seine Heimat haben. Das sind doch rosige Perspektiven, geht es doch beim Buhlen um „Eingemeindung ja oder nein“ auch immer um das Abstecken und die künftige Größe der persönlichen Claims der Handelnden.
Autor: nnz

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