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nnz-Forum: Ein guter Tag

Dienstag, 10. Oktober 2006, 12:15 Uhr
Nordhausen (nnz). Der Samstag in Nordhausen – unter dieser Überschrift berichtete die nnz ausführlich. Im Forum veröffentlichen wir ein Statement der Studentischen Initiative „Machs Jetzt“.


Die studierenden Gruppen, die sich in das Bündnis gegen Rechtsextremismus (BGR) einbrachten, freuen sich über die gelungene und friedliche Veranstaltung gegen die rechtsextreme NPD. Bereits im Rahmen der Hochschulwoche für Weltoffenheit und Toleranz, die vom 02. bis zum 06. Oktober stattfand, machten engagierte Studierende für die Gegendemo am 07.10. mobil.

Die einzelnen Aktionen, die im Rahmen der Hochschulwoche stattfanden, stießen auf großes Interesse, besonders unter den Erstsemestlern. Veranstaltet wurden Vorträge und Filmvorführungen zum Thema des Nationalsozialismus und dessen Folgen, Infoveranstaltungen und Workshops. Auch die „Schnupperparty“ des Studentenklubs stand unter dem Motto der Weltoffenheit und Toleranz.

Durch Plakate machten die studentischen Gruppen auf dem Campus Werbung für die einzelnen Aktionen. Mit Bestürzung mussten die Organisatoren am Freitag der vergangenen Woche jedoch feststellen, dass der Schaukasten vor dem StuRa Haus aufgebrochen wurde und statt dem Aufruf zur friedlichen Gegendemonstration ein Flyer der NPD angeheftet wurde.

Unter dem Motto „Bunt statt Braun“ wurden von Studierenden auf dem Campus und bei den Veranstaltungen der Interkulturellen Woche Papierblumen gebastelt, die am 07.10. in der Rautenstrasse aufgespannt wurden. Beim Zusammenheften der Blumenkette stelle sich heraus, dass einige der Blumen mit Hakenkreuzen versehen waren. Wir waren schockiert und wütend über solche Dreistigkeit. Das zeigt uns Studenten, dass Neo- Nazis mittlerweile den Campus erreicht haben.

Die Veranstaltung des BGR, die um 13.00Uhr am Rathhausplatz ihren Auftakt hatte, wurde zahlreich besucht. Neben der großen Bühne mit Programm, waren noch Informationsstände, Bastelaktionen, Internationale Küche und Puppentheater geboten. Bevor sich die vielen Menschen zum Start der Bündnisdemo versammelten, marschierten die Anhänger der NPD zwei mal an der Veranstaltung am Rathhausplatz vorbei und provozierten, in dem sie die Gegendemonstranten abfilmten und posierten. Die antifaschistischen Gegendemonstranten äußersten ihren Protest hingegen nur durch Pfeifen und Rufen.

Die Bündnisdemo, die von Studierenden in Zusammenarbeit mit der Antifaschistischen Aktion Nordhausen organisiert wurde, startete um 16.00Uhr. Eine Stunde konnten die NPD-Gegner ihrem Protest entschlossen und laut Ausdruck verleihen. Hinter einem Transparent mit der Aufschrift „Nazistrukturen aufdecken und angreifen“ marschierten die friedlichen DemonstrantInnen unter denen sich, neben „Antifas“, Studierenden und NordhäuserInnen auch Stadtpolitiker, die Oberbürgermeisterin und viele Dozenten der FH befanden.

Wir freuen uns sehr, dass wir alle gemeinsam eine so friedliche und entspannte, aber gleichzeitig ausdrucksstarke Demonstration gelaufen sind, deren unterschiedliche Teilnehmer auch den breiten Charakter des Bündnisses widerspiegeln.

Nach Beendigung der Bündnisdemo sorgten ca. 35 gewaltbereite „autonome Nationalisten“ für Aufregung, die sich im Mob auf der Rautenstrasse Richtung Rathhausplatz bewegten. Aufgrund der entschlossenen Gegenwehr engagierter BesucherInnen und dem schnellen Eingreifen der Polizei verlief sich der geplante Angriff der NPD-Anhänger.
Kurz darauf erschütterte eine weitere Meldung die BesucherInnen der „Gegen Rechts“ Veranstaltung. Eine Gruppe militanter Neo-Nazis zog, getarnt mit einer Fahne der Antifaschistischen Aktion, durch die Stadt um alternative Jugendliche zu täuschen und dann anzugreifen.

Wir sind fassungslos über die Zustände in Nordhausen an diesem Tag. Als Antifaschisten getarnte Neo-Nazis und Bürger, die am Straßenrand der NPD zuwinken – das sollte uns zu denken geben und zu weiterem Handeln anregen. Dennoch sind dieser Tag, das bunte Fest auf dem Rathausplatz, die vorangegangenen Aktionen auf dem Campus der FH und die friedliche Bündnisdemo, ein positives Signal für Nordhausen. Besonders die gute Zusammenarbeit der studentischen Gruppen im BGR und die gelungene Demonstration geben politisch engagierten und aktiven Studierenden Auftrieb. Mit zahlreichen geplanten Lesungen und Vorträgen wollen die studentischen Gruppen auch in den kommenden Monaten über Neo- Nazis aufklären und präventiv Arbeit leisten.

Der 7. Oktober hat uns gezeigt, dass es viele Menschen gibt, die bereit sind sich gegen Nazis und deren Einschüchterungen zu wehren. Es hat uns aber auch gezeigt, dass wir noch viel daran arbeiten müssen um Rassismus und Nationalismus aus den Köpfen der Menschen zu verbannen.
Studentische Initiative „Machs Jetzt“
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
Autor: nnz

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