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Positives herausstellen

Dienstag, 10. Oktober 2006, 09:32 Uhr
Nordhausen (nnz). Die so genannte Thüringer Familienoffensive soll durch ein Volksbegehren gekippt werden. Dagegen wird sich (vermutlich) die Landesregierung mittels Klage wehren. Was die Thüringer Wirtschaft dazu meint, das hat jetzt die nnz erfahren.


Anlässlich des angekündigten Volksbegehrens gegen die Thüringer Familienoffensive hat der Erfurter IHK-Präsident Niels Lund Chrestensen dazu aufgerufen, die positiven Aspekte des Regierungsprogramms stärker herauszustellen. „Leider wird in der gesamten Diskussion viel zu wenig darüber gesprochen, welche Bedeutung der erweiterte Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie hat und dass Eltern die Kinder künftig am Ort ihrer Wahl betreuen lassen können“, erklärte Chrestensen. Damit sei eine frühzeitigere Rückkehr in den Beruf möglich und die Kinder gegebenenfalls am Arbeitsort in der Nähe der Eltern in Betreuung, lobt der IHK-Präsident wichtige Aspekte der Thüringer Familienoffensive.

Die Forderung des Volksbegehrens, den Rechtsanspruchs auf einen Kindergartenplatz auf ein Jahr herabzusetzen und eine kostenfreie Betreuung im letzten Jahr vor der Schule zu gewährleisten, sei in seinen Augen unrealistisch und angesichts des angespannten Landeshaushaltes nicht zu finanzieren. Man müsse sich schließlich auf das Machbare konzentrieren.

Auch die Diskussion darüber, ob man zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr eines Kindes das Erziehungsgeld in Anspruch nimmt oder das Kind in einer Tagesstätte betreuen lässt, ist für ihn nicht nachvollziehbar. Mündige Bürger sollten mit einer solchen Wahlfreiheit umgehen können.

Zudem gelte diese Regelung ausschließlich ein Jahr, so dass danach immer noch drei Jahre Kindergarten und die damit verbundene Frühförderung möglich sind. IHK-Präsident Chrestensen lobt gleichzeitig das Elterngeld, welches auf Bundesebene ab 1. Januar 2007 eingeführt werden soll und den letzten Nettoverdienst für 12 bis 14 Monate immerhin zu 67 Prozent ersetzt. Mit diesem Modell habe man in den skandinavischen Ländern sehr gute Erfahrungen gemacht.

Allerdings sollte dies tatsächlich nur auf diesen Zeitraum beschränkt werden, um eine frühzeitige Rückkehr in den Beruf anzuregen. Und letztlich werde dieses Instrument nur greifen und zu mehr Nachwuchs in Deutschland führen, wenn gleichzeitig die Kinderbetreuung gut ausgebaut und bezahlbar ist.
Autor: nnz

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