nnz-online

Spurensuche 20

Freitag, 29. September 2006, 11:58 Uhr
Nordhausen (nnz). Bewahrenswerte Spuren der jüngeren deutschen Geschichte sind noch an den Außenwänden von Gebäuden im IFA-Industriepark zu finden. Davon konnte sich heute auch Landrat Joachim Claus (CDU) bei einem Besuch im Unternehmen überzeugen.

Spurensuche 20  (Foto: nnz) Spurensuche 20 (Foto: nnz)

Unter einer Nummer 20, Ecke Montaniastrasse, sind offenbar aus Anlass des 20. Jahrestags der DDR Parolen wie: „Frieden“, „Wohlstand“, „Aufbau“ zu finden, über die Jahre etwas vergilbt, aber gut zu erkennen. Darunter ein Feuermelder, von scharfsinnigen und mutigen Zeitgenossen zugleich umrahmt mit einem Einfahrtverbotschild, direkt darunter. Ausdruck des proletarischen sozialistischen Realismus?

Nein, wohl eher Zynismus zu Verhältnissen zum 20. Jahrestag der DDR, meint der Autor dieses Beitrages, der das Plakat fotografiert und aus Anlass des Besuchs von Landrat Joachim Claus in der GAIA an den Nordhäuser Landrat übergeben hat. Dies wurde mit der Bitte an den Landrat verbunden prüfen zu lassen, ob man dieses Plakat nicht sichert, damit auch künftige Generationen sich davon noch ein anschauliches Bild machen können.

Denn es handelt sich um ein unwiederbringliches Dokument einer vergangenen Zeit, an die sich heute kaum noch jemand erinnern mag. Als die DDR 1969 20 Jahre alt wurde, war man vergleichsweise weit davon entfernt, ein echtes Wirtschaftswunder geschaffen zu haben. Aber dennoch, der Lebensstandard für die Deutschen in der DDR, im Westen „Springers Gänsefüsschenland zwischen Elb- und Oderstrand“ genannt, hatte sich spürbar verbessert.

Durch die Konsumgenossenschaften war man bemüht, die Versorgung der Bevölkerung gut zu sichern. 1970 besaßen in der DDR fast 70 % der Haushalte auch einen Fernseher. Pikanterweise führte am Rande der offiziellen Staatsfeierlichkeiten zum 20. DDR Geburtstag das Gerücht, die Rolling Stones würden auf dem Dach des Springer Hochhauses, unweit der Berliner Mauer, ein Rockkonzert geben, zu gewissen „antisozialistischen“ Tumulten unter der DDR Jugend.

In Nordhausen ist es wohl eher beschaulicher zugegangen, die Arbeiterschaft vor Ort, hat den kritischen Zeitgeist plakativ ausgedrückt. Ein Dokument, historisch und bewahrenswert zugleich.
Tim Schäfer
Autor: nnz

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 nnz-online.de