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Vom Marktflecken zum Luftkurort Neustadt - Ortsgeschichte beleuchtet

Dienstag, 31. Oktober 2000, 16:53 Uhr
Nordhausen (nnz) In diesem Monat wurde in das Nordhäuser Vereinshaus zu einem interessanten Vortrag eingeladen. Unter dem Motto: "Vom Marktflecken zum Luftkurort" berichtete Helmut Mund über die Geschichte der Südharzgemeinde. nnz-Mitarbeiter Reiner Hellberg hat genau zugehört:
"In Deutschland gibt es 36 Orte mit dem Namen Neustadt. Zu ihnen gehört der Luftkurort am Rande des Südharzes. Das Wachsen und Werden der 1372 erstmals urkundlich erwähnten Gemeinde ist eng mit der über 140 m über dem Ort liegenden Burg Hohnstein verbunden, die im Kirchenbuch von Woffleben 1130 bereits namentlich genannt wird. Fast 300 Jahre war sie Residenz der mächtigen Grafen von Hohnstein, deren Blütezeit ihrer Herrschaft im 13. Jahrhundert lag. Erbaut wurde die imposante Anlage vermutlich zwischen 1120 und 1125. Am Fuße der mächtigen Burg bestanden Siedlungen, deren Menschen für die Grafen von Hohnstein arbeiteten mußten. Auf einer der ältesten Karten des Harzes aus dem Jahre 1589 ist der Ort als ,Die neue Stadt' erwähnt", so Helmut Mund in seinem überaus lebendigen Vortrag im Geschichts- und Altertumsverein Nordhausen im Vereinshaus "Thomas Mann".
Der bekannte Heimatforscher und Wanderführer berichtete ausführlich über die Neustädter Schicksalsjahre. So führte ein familiärer Streit 1412 zum sogenannten "Fleglerkrieg", bei dem mehr als zehn Dörfer des Amtes Hohnstein verwüstet wurden und der auch zum Ende der Herrschaft der Grafen von Hohnstein führte und die Stolberger Grafen in den Besitz von Burg und Amt Hohnstein brachte (1417). Unter ihrer Herrschaft erhielt der Flecken Neustadt weitere Privilegien und durfte sich 1485 ein Rathaus bauen. Neben Markt- und Braurecht verfügte man über eine eigene Gerichtsbarkeit und als Zeichen dafür einen Roland aufstellen. Im Dreißigjährigen Krieg belegten kaiserliche Truppen Burg und Amt Hohnstein. Am 10. Juli 1627 wurde die Burg zerstört. Ein Großfeuer vernichtete im September 1678 den Flecken Neustadt. Bis auf drei Häuser wurden alle Gebäude zerstört. Wertvolle und wichtige Urkunden und Dokumente gingen verloren.
Als Ersatz für die vernichtete Burg ließen die Stolberger Grafen 1744 das "Neue Schloß zu Neustadt" bauen. Es wurde Sitz der Verwaltung des Amtes Hohnstein, des Gerichts, dem Konsistorium und einer Revierförsterei. Auch fünf Handwerkerinnungen des Amtes Hohnstein bekamen ihren Sitz in Neustadt. Nach dem Krieg zwischen Preußen und Hannover wurde der Ort in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts preußisch, verlor alle seine Ämter und wurde dem Kreis Ilfeld zugeordnet. Ein nächtlicher Versuch, den Roland von Neustadt zu entwenden und nach Ilfeld zu bringen, wurde von engagierten Einwohnern mit "schlagkräftigen Argumenten" verhindert...
Ausführlich erläuterte Helmut Mund auch die wirtschaftlichen Entwicklung, berichtete vom Bergbau und dem Bau des ersten Sanatoriums und über die nachfolgende positive Entwicklung des Kurwesens in Neustadt. Der kurzweilige und informative Vortrag wurde mit zahlreichen Abbildungen und Dokumenten untermauerte.
Autor: nnz

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