Zum Neuen Jahr: Es wird nicht besser!
Dienstag, 01. Januar 2002, 12:09 Uhr
Nordhausen (nnz). Mit einem Neuen Jahr verbinden die Menschen nicht nur viele Grüße und Wünsche. Sie gehen auch davon aus, dass manches besser wird. Dazu folgende nnz-Betrachtung.
Politiker nutzen die letzten Tage eines Jahres, um ihre Grußbotschaften loszuwerden. Sie wenden sich ans Volk und machen größtenteils auf Erreichtes aufmerksam. Sie äußern aber auch ihre Sorge, vor allem um Arbeitsplätze. Verbunden ist dies im Landkreis und in der Stadt Nordhausen mit der Hoffnung auf das künftige Industriegebiet vor den Toren der Stadt, mitten in der Goldenen Aue.
Den kommunalen Politikern bleibt schließlich nicht viel mehr als die Hoffnung. Das, was sich auf dem Arbeitsmarkt in den zurückliegenden Monaten und Jahren abzeichnete, das verdeutlichen allerdings die nüchternen Zahlen der Arbeitsämter. Nehmen wir da mal die Statistiken der vergangenen Jahre. Im November 1999 verzeichnete der Landkreis Nordhausen 8.463 Arbeitslose, das machte damals eine Quote von 18,3 Prozent. Im November 2000 waren es schon 9.258 Menschen (19,5 Prozent), die ohne Job waren. Im November 2001 stieg die Quote schließlich auf 20,1 Prozent an. Eine unheilvolle Entwicklung im Landkreis, an deren Ende 9.350 Menschen standen, die keine Arbeit hatten. Wir wollen uns nicht einmal die Mühe machen und die Menschen hinzu addieren, die im zweiten Arbeitsmarkt untergebracht waren oder die in der offiziellen Statistik der Arbeitsämter überhaupt nicht (mehr) auftauchen.
In diesem Jahr wird sich dieser Trend in Nordthüringen fortsetzen. Sicher wird es im Wahljahr 2002 das eine oder anderen Programm der Bundesregierung geben, um die Zahlen freundlicher aussehen zu lassen, doch Arbeitsplätze werden damit nicht geschaffen. Wo sollen sie auch herkommen? Aus den Worten der Politiker ist herauszulesen, dass die noch vorhandenen Plätze gesichert werden müssen: In Nordhausen, in Thüringen und der Bundesrepublik. Die Politik jedoch hat mittlerweile jeglichen Einfluß auf das Geschehen in der Wirtschaft verloren. Sicher wird es immer wieder punktuelle Erfolge wie BMW in Leipzig oder DaimlerChrysler in Kölleda geben, doch die Eigendymanik der Wirtschaft läuft in anderen Bahnen. Wissenschaft, Technik und Forschung laufen den Menschen und ihren grundlegenden Bedürfnissen davon. Sie sind vermutlich nicht mehr aufzuhalten.
Erinnern wir uns, was die Geschichte des Computers mit sich brachte? Millionen Arbeitsplätze gehören der Vergangenheit an. Wurden annähernd soviel neue Arbeitsplätze geschaffen? Tausende hochausgebildete Banker verloren in den letzten Monaten ihren Job. Sollen sie sich jetzt alle der Altenpflege oder dem Verkauf von Versicherungen widmen? Wie kann ein gesellschaftliches System noch als Korrektiv eingreifen, wenn schließlich nur der Gewinn der Aktionäre zählt? Wann wird es die künstliche Intelligenz geben, wann wird der erste Mensch als Klon das Licht dieser Erde erblicken? Wie teuer wird die genetische Struktur der Menschen sein, wenn heute schon einzelne Gene patentiert werden? Warum aber fahren Autos heute noch mit dem gleichen Antriebsprinzip wie vor mehr als 100 Jahren?
Die Politik rennt dieser wirtschaftlichen Entwicklung meilenweit hinterher, der Abstand wird immer größer. Voraussetzungen und Regularien sollte einst die Politik schaffen, geblieben ist hier im Landkreis Nordhausen einzig die Hoffnung auf ein Industriegebiet. Auch wenn es erschlossen ist, wer wird sich ansiedeln? Bereits vor einem Jahr und wieder vor einigen Tagen machten es selbst die Herren der Landesentwicklungsgesellschaft deutlich: Es wird schwer sein, einen Investor für Nordthüringen oder für Nordhausen überhaupt zu interessieren. Die Giganten und ihre verschachtelten Ableger, die gehen dahin, wo der Mitbewerber vielleicht schon Flagge zeigt. Es ist nicht nur chic, sich in Berlin, München oder vielleicht noch in Jena anzusiedeln, es rechnet sich einfach. Eine Ansiedlung in der Nähe von Nordhausen lohnt sich nur noch bedingt, wenn überhaupt. Eine Autobahn von West nach Ost ist da gerade ein Baustein in den logistischen Planungen von West nach Fern-Ost. Experten in den Kammern und Ministerien gehen schon seit einiger Zeit davon aus, dass die A 38 bei aller verkehrlichen Entlastung für die Kommunen vorrangig als Durchfahrtspiste genutzt werden könnte.
Immer weniger Menschen werden künftig immer mehr herstellen können, neue Technologien machen es möglich. Doch diese Technologien werden nicht im Landkreis Nordhausen entwickelt, Maschinen werden nicht im Landkreis Nordhausen gebaut. Was den Menschen im Landkreis Nordhausen übrig bleiben wird, das ist der Konsum. Neue Einkaufsmärkte werden wieder ihre Türen öffnen, für den sozialen Geldnachschub sorgt die Gesellschaft, sorgt der Staat. Der aber steht aufgrund seiner immer geringer werdenden Einnahmen auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene irgendwann vor dem Kollaps. Vielleicht sollten unsere Spitzenpolitiker darüber mal nachdenken? Wenn überhaupt - dann wird ab dem Jahr 2003 nachgedacht. In diesem Jahr wird erst mal gewählt. Bleibt zum Schluß wieder eine Hoffnung: Das all das Geschilderte vielleicht nicht eintreten wird!
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnzPolitiker nutzen die letzten Tage eines Jahres, um ihre Grußbotschaften loszuwerden. Sie wenden sich ans Volk und machen größtenteils auf Erreichtes aufmerksam. Sie äußern aber auch ihre Sorge, vor allem um Arbeitsplätze. Verbunden ist dies im Landkreis und in der Stadt Nordhausen mit der Hoffnung auf das künftige Industriegebiet vor den Toren der Stadt, mitten in der Goldenen Aue.
Den kommunalen Politikern bleibt schließlich nicht viel mehr als die Hoffnung. Das, was sich auf dem Arbeitsmarkt in den zurückliegenden Monaten und Jahren abzeichnete, das verdeutlichen allerdings die nüchternen Zahlen der Arbeitsämter. Nehmen wir da mal die Statistiken der vergangenen Jahre. Im November 1999 verzeichnete der Landkreis Nordhausen 8.463 Arbeitslose, das machte damals eine Quote von 18,3 Prozent. Im November 2000 waren es schon 9.258 Menschen (19,5 Prozent), die ohne Job waren. Im November 2001 stieg die Quote schließlich auf 20,1 Prozent an. Eine unheilvolle Entwicklung im Landkreis, an deren Ende 9.350 Menschen standen, die keine Arbeit hatten. Wir wollen uns nicht einmal die Mühe machen und die Menschen hinzu addieren, die im zweiten Arbeitsmarkt untergebracht waren oder die in der offiziellen Statistik der Arbeitsämter überhaupt nicht (mehr) auftauchen.
In diesem Jahr wird sich dieser Trend in Nordthüringen fortsetzen. Sicher wird es im Wahljahr 2002 das eine oder anderen Programm der Bundesregierung geben, um die Zahlen freundlicher aussehen zu lassen, doch Arbeitsplätze werden damit nicht geschaffen. Wo sollen sie auch herkommen? Aus den Worten der Politiker ist herauszulesen, dass die noch vorhandenen Plätze gesichert werden müssen: In Nordhausen, in Thüringen und der Bundesrepublik. Die Politik jedoch hat mittlerweile jeglichen Einfluß auf das Geschehen in der Wirtschaft verloren. Sicher wird es immer wieder punktuelle Erfolge wie BMW in Leipzig oder DaimlerChrysler in Kölleda geben, doch die Eigendymanik der Wirtschaft läuft in anderen Bahnen. Wissenschaft, Technik und Forschung laufen den Menschen und ihren grundlegenden Bedürfnissen davon. Sie sind vermutlich nicht mehr aufzuhalten.
Erinnern wir uns, was die Geschichte des Computers mit sich brachte? Millionen Arbeitsplätze gehören der Vergangenheit an. Wurden annähernd soviel neue Arbeitsplätze geschaffen? Tausende hochausgebildete Banker verloren in den letzten Monaten ihren Job. Sollen sie sich jetzt alle der Altenpflege oder dem Verkauf von Versicherungen widmen? Wie kann ein gesellschaftliches System noch als Korrektiv eingreifen, wenn schließlich nur der Gewinn der Aktionäre zählt? Wann wird es die künstliche Intelligenz geben, wann wird der erste Mensch als Klon das Licht dieser Erde erblicken? Wie teuer wird die genetische Struktur der Menschen sein, wenn heute schon einzelne Gene patentiert werden? Warum aber fahren Autos heute noch mit dem gleichen Antriebsprinzip wie vor mehr als 100 Jahren?
Die Politik rennt dieser wirtschaftlichen Entwicklung meilenweit hinterher, der Abstand wird immer größer. Voraussetzungen und Regularien sollte einst die Politik schaffen, geblieben ist hier im Landkreis Nordhausen einzig die Hoffnung auf ein Industriegebiet. Auch wenn es erschlossen ist, wer wird sich ansiedeln? Bereits vor einem Jahr und wieder vor einigen Tagen machten es selbst die Herren der Landesentwicklungsgesellschaft deutlich: Es wird schwer sein, einen Investor für Nordthüringen oder für Nordhausen überhaupt zu interessieren. Die Giganten und ihre verschachtelten Ableger, die gehen dahin, wo der Mitbewerber vielleicht schon Flagge zeigt. Es ist nicht nur chic, sich in Berlin, München oder vielleicht noch in Jena anzusiedeln, es rechnet sich einfach. Eine Ansiedlung in der Nähe von Nordhausen lohnt sich nur noch bedingt, wenn überhaupt. Eine Autobahn von West nach Ost ist da gerade ein Baustein in den logistischen Planungen von West nach Fern-Ost. Experten in den Kammern und Ministerien gehen schon seit einiger Zeit davon aus, dass die A 38 bei aller verkehrlichen Entlastung für die Kommunen vorrangig als Durchfahrtspiste genutzt werden könnte.
Immer weniger Menschen werden künftig immer mehr herstellen können, neue Technologien machen es möglich. Doch diese Technologien werden nicht im Landkreis Nordhausen entwickelt, Maschinen werden nicht im Landkreis Nordhausen gebaut. Was den Menschen im Landkreis Nordhausen übrig bleiben wird, das ist der Konsum. Neue Einkaufsmärkte werden wieder ihre Türen öffnen, für den sozialen Geldnachschub sorgt die Gesellschaft, sorgt der Staat. Der aber steht aufgrund seiner immer geringer werdenden Einnahmen auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene irgendwann vor dem Kollaps. Vielleicht sollten unsere Spitzenpolitiker darüber mal nachdenken? Wenn überhaupt - dann wird ab dem Jahr 2003 nachgedacht. In diesem Jahr wird erst mal gewählt. Bleibt zum Schluß wieder eine Hoffnung: Das all das Geschilderte vielleicht nicht eintreten wird!
Peter-Stefan Greiner
