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Neun oder elf Drogentote?

Sonntag, 30. Dezember 2001, 09:43 Uhr
Nordhausen/Erfurt (nnz). In Thüringen sind in diesem Jahr neun Menschen an den Folgen ihrer Drogensucht gestorben. Nach den vorläufigen Ergebnissen ist die Zahl der Todesopfer damit im Vergleich zum Vorjahr stabil geblieben. Und trotzdem gibt es Ungereimtheiten.


Das Innenministerium berichtet dagegen von elf polizeilich erfassten Drogentoten im Jahr 2001, hat also zwei mehr gezählt. Seit der Wende steigt die Zahl der Todesopfer langsam aber stetig. „Die Anpassung der Lebensverhältnisse“ an die alten Bundesländer, nannte ein Ministeriumssprecher von Pietzsch als Ursache.

Wie schon im Jahr 2000 waren die Drogentoten im Durchschnitt um die 20 Jahre alt. Sie kamen meist in den größeren Städten entlang den Autobahnen ums Leben. Nicht in allen Fällen sei eine Überdosis Heroin die Todesursache gewesen. Einige Opfer hätten sich einen wahren Drogencocktail zugemutet, mit Amphetaminen, Haschisch, Opiaten, Schlaftabletten und Alkohol. Als Drogentoter gilt auch, wer sich mit Lachgas betäubt, aus dem Fenster fällt und sich das Genick bricht.

Die Zahl der Drogenkonsumenten steigt, wo Geld ist, sind auch Drogen. Offensichtlich hätten Jugendliche in Thüringen Geld, „woher auch immer“. Das wüssten dann schnell auch die Dealer. Das gefürchtete Crack ist zumindest nach den vorläufigen Erkenntnissen dieses Jahr in Thüringen noch nicht in größeren Mengen aufgetaucht. Crack ist chemisch behandeltes Kokain, das mit Backpulver und Wasser erhitzt wird. Die Süchtigen nehmen einen unkalkulierbaren Chemikalien-Cocktail zu sich, der Wirkstoff gelangt über die Schleimhäute blitzschnell ins Blut und ins Gehirn, wirkt stärker als Kokain, macht aggressiv und sehr schnell süchtig. Im Gegensatz zum Methadon beim Heroin gibt es für Crack keine Ersatzdroge. Es ist in westdeutschen Großstädten auf dem Vormarsch.

In Thüringen ist der Anteil der so genannten harten Drogen Heroin und Kokain an den Rauschgiftdelikten im Jahr 2001 nach Angaben des Innenministeriums leicht gestiegen. Die Polizei stellte rund 70 Kilo Haschisch und 1,2 Kilo Heroin sicher. Außerdem wurden 2240 Cannabis-Pflanzen und rund 18.000 Ecstasy-Tabletten konfisziert. Die Zahl der registrierten Straftaten im Zusammenhang mit Drogen stieg um rund 1.000 Fälle auf fast 4.800. Auch die Zahl der festgenommenen Verdächtigen stieg um fast ein Viertel auf 4.300.
Autor: nnz

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