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Kahlschlag und vergifteter Boden

Donnerstag, 21. September 2006, 09:56 Uhr
Nordhausen (nnz). Am Montag gab es weitere Gespräche der Nordthüringer Theatermacher, und der Gesellschafter mit Vertretern des Kultusministerium. Arbeitsgespräche nennen das die Fachleute. Ergebnise gab es nicht, dafür aber Erkenntnisse der Nordhäuser Oberbürgermeisterin.


Nordhausens Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD) warnt vor den Folgen der angekündigten überproportionalen Kürzungen der Landesmittel für die Nordthüringer Theater- und Orchester GmbH. „Das könnte unsere politische Kultur gefährden. Mit Blick auf die Ergebnisse der Rechtsparteien bei den jüngsten Landtagswahlen appelliere ich an alle Verantwortlichen und Entscheidungsträger: Es darf keinen kulturellen Kahlschlag im Norden des Freistaates geben. Die angekündigten der Landesmittel um 70 Prozent bedeutet die krasse Vernachlässigung einer ganzen Region, und wird von den Bürgern hier als große Ungerechtigkeit empfunden. Sollte es bei dieser Entscheidung bleiben, könnte damit die Axt auch an die Wurzeln der Demokratie gelegt werden, weil Populisten dieses Themas besetzen werden. Erste konkrete Anzeichen dafür gibt es. Was nach dem möglichen Kahlschlag nachwächst, kann den Boden dauerhaft vergiften. Wir müssen die Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern als Fanal verstehen!“, sagte Frau Rinke nach der jüngsten Sitzung von Aufsichtsräten und Gesellschaftern der Nordthüringer Theater- und Orchester GmbH in Sondershausen. Einziges Thema im Gespräch mit den Vertretern des Kultusministeriums waren die geplanten drastischen Kürzungen der Landes-Zuschüsse.

Das Resultat der Gespräche beschreibt die Oberbürgermeisterin als „ergebnisoffen.“ Sowohl Gesellschafter als auch Aufsichtsräte hätten sich geschlossen für den Erhalt eines „produzierenden Nordthüringer Theater- und Orchesterstandortes“ ausgesprochen. „Und ich habe aus den Worten der Ministeriumsvertreter zumindest zwischen den Zeilen herausgehört, dass man dort inzwischen nicht mehr davon ausgeht, den Standort Nordthüringen aufzugeben. Doch letztlich entscheiden die Zahlen, und die sind nicht genannt worden.“

Am kommenden Mittwoch werde es ein weiteres Treffen von Intendant und Ministeriumsmitarbeitern geben. Die Gesellschafter hätten vereinbart, sowohl auf fachlicher- als auch auf politischer Ebene weiter zuarbeiten. „So wird derzeit im Theater der Finanzbedarf für verschiedenen strukturelle Varianten der Theater- und Orchester GmbH gerechnet, wo bei auch die Vernetzung mit anderen Häusern einkalkuliert wird. Darüber hinaus wird jeder kommunale Gesellschaftervertreter das Gespräch mit den Landtagsabgeordneten seiner Partei suchen. Denn letztlich werden allein die Abgeordneten im Thüringer Landtag über das Schicksal unserer GmbH entscheiden“, so Frau Rinke.

„Ich mahne alle: Die Zeit drängt. Es geht in erster Linie um Kultur, um die Frage, warum Nordthüringen die Hauptlast der Kürzungen bei den Theatern tragen soll? In zweiter Linie geht es aber um Gerechtigkeit und damit um das Grundverständnis von Demokratie. Und ich prophezeie - wenn ich beispielsweise auf die Argumente sehe, mit denen die Rechtsparteien den Einzug in den Schweriner Landtages geschafft haben -, dass sehr schnell jenen die Frage nach der Gerechtigkeit beantworten werden, denen es weder um Kultur noch um Gerechtigkeit geht, sondern nur um Populismus.

Und werden deren Ansichten auch hier bei uns weiter um sich greifen, werden wir uns eines Tages mit ganz anderen Fragen beschäftigen müssen als dem Erhalt eines Theaterstandortes. Und das wird uns dann allen teuer zu stehen kommen. Teurer als den Erhalt der Thüringer Kulturlandschaft in seiner bisherigen Form.“
Autor: nnz

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