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Widerstand auf breiter Basis

Dienstag, 19. September 2006, 17:04 Uhr
Nordhausen (nnz). In Nordhausen hat sich ein Bürgerbündnis gegen Rechtsextremismus (BGR) gebildet. Was die Bündnismacher an diesem Tag planen, das hat jetzt die nnz erfahren.


· „In der Kulturstadt Nordhausen wende ich mich gegen die Unkultur der Ausgrenzung, Einschüchterung und Intoleranz“ (Wolfgang Schwerdtfeger, Theater / Orchester GmbH)
· „Hochschulstadt Nordhausen bedeutet für mich Weltoffenheit, Internationalität und Respekt vor kultureller Vielfalt“ (Prof. Dr. Jörg Wagner, Fachhochschule Nordhausen)
· „Wir wollen nicht, dass Menschen mit intolerantem und ignorantem Gedankengut ungehindert durch unsere Stadt marschieren.“ (Machs Jetzt – Studentische Initiative gegen Rechte Gewalt)
· „Die Frage, wem die Menschen glauben schenken können, braucht eine überzeugende Antwort: statt auf die Demagogie der neualten Nazis zu hören, sollten wir unsere Courage für Menschenwürde aus der Botschaft des Evangeliums entwickeln, nicht nur in der Kirche" (Peter Kube, Pfarrer der ev. Kirche)
· „In dieser Stadt, mit Ihrer ganz speziellen Geschichte hat rechtes Gedankengut keinen Platz – dafür stehe ich als Bürgerin und Stadträtin“ (Barbara Schenke, Linkspartei.PDS)
· „Nicht - Wissen führt zu Unsicherheit, zu Angst, zu Hass und letztendlich zu Rassismus und Gewalt. Weil wir das Wissen über fremde Kulturen und Toleranz essentiell ist, stehen wir am 07.10. gegen die Rechtsextremisten auf der Strasse.“ (Miteinander – studentische Initiative für Integration)
· „Wir, vom Studentenrat der FHN sind gegen Gewalt jeglicher Art und dulden keine braunen Ideologien an der Fachhochschule, sowie in der Stadt Nordhausen.“ (Max und Schirin, Mitglieder des Studendenrates der Fachhochschule Nordhausen)
· „Zu Gast in Nordhausen heißt zu Gast bei Freunden. Rechtsextremisten und ihre Einschüchterungen haben hier keinen Platz“ (Franka Hitzing; FDP Kreistagsfraktion)
· Jede Art von Extremismus ist für mich menschenfeindlich. Deshalb arbeite ich mit dem Bündnis gegen Rechtsextremismus.“ (Richard Hentrich, Pfarrer am Dom)


Diese und ähnliche Aussagen stehen für die zentrale Botschaft der Vereine, Initiativen und Parteien, die sich im „Bündnis gegen Rechtsextremismus“ (BGR) engagieren und spiegeln die Vielfalt persönlicher Gründe wider, zunehmendem Rechtsextremismus in Nordhausen entgegenzutreten. Auslöser ist die für den 7. Oktober in Nordhausen geplante Veranstaltung der rechtsextremen NPD. Bereits zum vierten Mal hat sich jetzt das „Bündnis gegen Rechts“ getroffen um zu besprechen, wie man durch eine Gegenkundgebung und eine Reihe anderer Aktivitäten die Ablehnung der rechtsradikalen Partei zum Ausdruck bringen kann.
Aber auch ein Fortbestehen der Initiative über diesen konkreten Anlass hinaus war ein Thema der Zusammenkünfte.

Nach derzeitiger Planung will das Bündnis für den 7. Oktober zu einer Veranstaltung mit anschließender Bündnisdemo auf dem Rathausplatz einladen. Unter dem Motto „Gemeinsam sind wir stark gegen rechts!“ soll zum Ausdruck gebracht werden, dass für die große Mehrheit der Bürger, Nordhausen eine gastfreundliche, friedliche und solidarische Stadt ist, in der es „für das schleichende Gift rechtsextremer Ideologie keinen Raum gibt.“

Diese Haltung teilt auch der Stadtrat, der in der kommenden Sitzung eine gemeinsame Willensbekundung gegen den NPD Aufmarsch abgeben will. Dies kündigten Mitglieder verschiedener Fraktionen des Stadtrats an, die im Bündnis mitarbeiten.

Das Bürgerbündnis wird unter anderem getragen von allen Parteien der Stadt und des Landkreises Nordhausen, den christlichen Kirchen, der jüdischen Gemeinde, den studentischen Initiativen „Miteinander“ und „Machs Jetzt!“, von VertreterInnen des Studentenrats, der Antifaschistischen Aktion Nordhausen, dem DGB, dem „Schrankenlos e.V.“, dem Theater Nordhausen / Loh-Orchester Sondershausen, von den örtlichen Landtagsabgeordneten und Vertretern weiterer Initiativen, Institutionen und Gruppen, darunter der Gedenkstätte Mittelbau Dora, dem „Jugend für Dora e.V.“, MOBIT und anderen.

„Das Gewicht und die Glaubwürdigkeit unseres Bündnisses liegen nicht zuletzt im breiten Spektrum der beteiligten Gruppen und Institutionen“, heißt es in der Pressemitteilung.

Als weitere Aktionen im Vorfeld und am Kundgebungstag wurden unter anderem vorgeschlagen: Schulbesuche zum Thema Rechtsradikalismus am Weltkindertag, eine Kollekte in den Kirchen für die Opfer fremdenfeindlicher Straftaten, Musikbeiträge, eine „Zitatenstrasse“ an der Rathausfassade, eine Fahrrad-Sternfahrt, eine Lichterkette, eine Filmvorführung in der Gedenkstätte Mittelbau Dora am 06.10.06 uvm.

„Wir möchten durch vielfältige Aktivitäten möglichst viele Menschen erreichen und in den Protest mit einbinden. Weitere kreative Ideen und Beiträge für den 06. und 07. Oktober werden erwartet.“ Kündigt die Pressemeldung an.

Die Gegendemonstration des Bündnisses ist bereits angemeldet, um den Bürgern Nordhausens die Möglichkeit zu geben, sich vernehmbar und bunt gegen die Rechtsextremisten auszusprechen. Eine Teilnehmerin des Vorbereitungstreffens „Wir wollen nicht wegschauen und ignorieren, wir wollen keine Nazis in unserer Stadt.“

Das Bürgerbündnis ruft alle Nordhäuserinnen und Nordhäuser auf, sich an den in Kürze verbindlich fest stehenden Veranstaltungen und der Kundgebung des Bürgerbündnisses zu beteiligen und damit „ein Zeichen für Verständigung und Toleranz zu setzen und gegen den nationalistischen Extremismus, wie er durch die NPD verkörpert wird“.
Autor: nnz

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