Lehrer, Imker, Doktor: Nach der Wende
Freitag, 28. Dezember 2001, 14:21 Uhr
Nordhausen (nnz). Zielgerichtet und stets eifrig, so gestaltet sich das Leben des Nordhäusers Werner Greiner. Jetzt erhielt er sogar noch mit 62 Jahren den Doktorgrad der Philosophie verliehen. Veit Fischer mit dem Versuch eines Porträts von einem erstaunlichen Mann Teil 2.
Als Werner Greiner 1989 gerade im Urlaub im ungarischen Sopron war, erlebte er die erste Flüchtlingswelle. Zu diesem Zeitpunkt öffneten sich für viele hunderte DDR-Bürger die Grenzen nach Österreich. Werner Greiner lachend: Ich bin doch tatsächlich auch nach Österreich gegangen, aber nur ein paar Meter. In Nordhausen warteten die Wohnung, meine Schwiegereltern und die Kinder auf mich, da denkt man nicht einfach an Flucht. Aber eines konnten wir nicht lassen, wir haben ein Stück Stacheldraht mitgenommen. Nach der Wiedervereinigung 1990 engagierte sich Werner Greiner als parteiloser Stadtrat in Nordhausen. Später trat er dann in die CDU ein und nahm an der Landtagswahl teil. Dies jedoch ohne Erfolg.
Vor ein paar Jahren wollte er es noch einmal wissen. Mein Vater hatte immer den Wunsch, dass ich promoviere. Zwar konnte er es nicht mehr miterleben, aber auch ihm zuliebe ging ich 1995 zuerst nach Göttingen und später an die Universität Braunschweig. Philosophie hat mich schon immer interessiert, warum also nicht in meinem Alter einen Doktor machen? Das Zeug dazu hatte er von Anfang an. Mit einem Intelligenzquotienten von 139 und dem entsprechenden Willen sollte sich sein Ziel erfüllen. Nach insgesamt sechs Jahren harter Arbeit erhielt er nun im September diesen Jahres den Doktorgrad der Philosophie. Was denkt Werner Greiner über diese ungewöhnlichen Entscheidung? Für mich ist dies eine Befriedigung. Ich habe mir gesagt 'Mensch, das ist doch ein schöner Abschluss'. Außerdem haben meine Enkel jetzt einen Grund, mir nachzueifern.
Nächstes Jahr wird Werner Greiner in Rente gehen. Dann endet sein Beruf als Lehrer. Doch sein Leben wird keineswegs ruhiger werden. Werner Greiner ist schon seit über 30 Jahren Imker aus Leidenschaft. Der bisher größte Erfolg seines Hobbys erlebte er 1991 in Frankreich. Sein hauseigener Rapshonig hatte es den Juroren angetan, was folgte war eine Auszeichnung. 20 Völker mit rund einer Million Bienen umschwirren ihn. Da steckt eine Menge Arbeit dahinter. Ich vertreibe meinen Honig grundsätzlich nur ab Haus. Er ist natürlich nicht ganz billig, aber Qualität hat eben seinen Preis, sagt Imker Greiner. Ahnenforschung betreibt er obendrein. Seinen Familienzweig konnte er jetzt bis auf das Jahr 1420 zurückverfolgen. Bei all seinen Hobbys fragt man sich, hat Werner Greiner auch noch Zeit für seine Frau? Werner Greiner erleichtert: Ich danke meiner Frau für Alles, was sie mit mir durchgestanden hat und für jede Unterstützung, die sie mir in den über 40 Jahren Ehe gegeben hat. Ohne sie wäre ich nicht der Mann, der ich bin.
Das Leben von Werner Greiner, einem Nordhäuser Berufsschullehrer, ist noch lange nicht vorbei. Wir sind gespannt auf die nächsten Projekte und Überraschungen, die er für uns bereit hält. Ich wünsche ihm auf alle Fälle viel Spaß und vor allem viel Zeit, um Alles unter einen Hut zu bekommen.
Veit Fischer
Autor: nnz
Als Werner Greiner 1989 gerade im Urlaub im ungarischen Sopron war, erlebte er die erste Flüchtlingswelle. Zu diesem Zeitpunkt öffneten sich für viele hunderte DDR-Bürger die Grenzen nach Österreich. Werner Greiner lachend: Ich bin doch tatsächlich auch nach Österreich gegangen, aber nur ein paar Meter. In Nordhausen warteten die Wohnung, meine Schwiegereltern und die Kinder auf mich, da denkt man nicht einfach an Flucht. Aber eines konnten wir nicht lassen, wir haben ein Stück Stacheldraht mitgenommen. Nach der Wiedervereinigung 1990 engagierte sich Werner Greiner als parteiloser Stadtrat in Nordhausen. Später trat er dann in die CDU ein und nahm an der Landtagswahl teil. Dies jedoch ohne Erfolg. Vor ein paar Jahren wollte er es noch einmal wissen. Mein Vater hatte immer den Wunsch, dass ich promoviere. Zwar konnte er es nicht mehr miterleben, aber auch ihm zuliebe ging ich 1995 zuerst nach Göttingen und später an die Universität Braunschweig. Philosophie hat mich schon immer interessiert, warum also nicht in meinem Alter einen Doktor machen? Das Zeug dazu hatte er von Anfang an. Mit einem Intelligenzquotienten von 139 und dem entsprechenden Willen sollte sich sein Ziel erfüllen. Nach insgesamt sechs Jahren harter Arbeit erhielt er nun im September diesen Jahres den Doktorgrad der Philosophie. Was denkt Werner Greiner über diese ungewöhnlichen Entscheidung? Für mich ist dies eine Befriedigung. Ich habe mir gesagt 'Mensch, das ist doch ein schöner Abschluss'. Außerdem haben meine Enkel jetzt einen Grund, mir nachzueifern.
Nächstes Jahr wird Werner Greiner in Rente gehen. Dann endet sein Beruf als Lehrer. Doch sein Leben wird keineswegs ruhiger werden. Werner Greiner ist schon seit über 30 Jahren Imker aus Leidenschaft. Der bisher größte Erfolg seines Hobbys erlebte er 1991 in Frankreich. Sein hauseigener Rapshonig hatte es den Juroren angetan, was folgte war eine Auszeichnung. 20 Völker mit rund einer Million Bienen umschwirren ihn. Da steckt eine Menge Arbeit dahinter. Ich vertreibe meinen Honig grundsätzlich nur ab Haus. Er ist natürlich nicht ganz billig, aber Qualität hat eben seinen Preis, sagt Imker Greiner. Ahnenforschung betreibt er obendrein. Seinen Familienzweig konnte er jetzt bis auf das Jahr 1420 zurückverfolgen. Bei all seinen Hobbys fragt man sich, hat Werner Greiner auch noch Zeit für seine Frau? Werner Greiner erleichtert: Ich danke meiner Frau für Alles, was sie mit mir durchgestanden hat und für jede Unterstützung, die sie mir in den über 40 Jahren Ehe gegeben hat. Ohne sie wäre ich nicht der Mann, der ich bin.
Das Leben von Werner Greiner, einem Nordhäuser Berufsschullehrer, ist noch lange nicht vorbei. Wir sind gespannt auf die nächsten Projekte und Überraschungen, die er für uns bereit hält. Ich wünsche ihm auf alle Fälle viel Spaß und vor allem viel Zeit, um Alles unter einen Hut zu bekommen.
Veit Fischer
