Zeit für diesen Film
Montag, 11. September 2006, 14:56 Uhr
Nordhausen (nnz). Die Vorpremiere des Films Mittelbau-Dora - Erinnerungen an die Hölle stand gestern Abend im Mittelpunkt eines Empfanges der Stadt Nordhausen für Überlebende des KZ Mittelbau Dora, zu dem die Stadt Nordhausen ins Theater eingeladen hatte. Anlass des Empfanges war die Eröffnung der neuen Dauerausstellung in der KZ-Gedenkstätte.
Zeit für diesen Film (Foto: nnz)
Für den Film hat uns noch ein Großteil des Geldes gefehlt - doch wir konnten nicht mehr warten, wir mussten ihn jetzt drehen, denn die Überlebenden - unsere Zeitzeugen - sterben sagte Film-Regisseur Eberhard Görner (Foto) im Theater. Der Film schildere Entstehung und Geschichte des Lagers und seiner Außenstelle auf zwei Ebenen: Aus Sicht der Opfer anhand von Interviews und Szene aus historischen Dokumentar- und Spielfilmszenen einerseits und andererseits anhand der Geschichte des Schauspielers Rolf Hoppe, der in der Südharzstadt Ellrich geboren wurde, aufwuchs und seine Jugend verbrachte.
Ellrich war Standort eines großen und besonders brutalen Dora-Außenlagers. Hoppe schildert in Interview-Sequenzen sein persönliches Erleben des Lagers in seiner unmittelbaren Nachbarschaft. Der Film soll im kommenden Jahr im mdr gezeigt werden.
In ihrer Ansprache mahnte Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD) zur erinnernden Solidarität mit den Opfern des KZ, mit- und auch von dem Nordhausen gelebt hat. Konkret heißt das und mit Blick auf die neue Dauerausstellung ganz eindeutig: Wer Dora betritt, darf dies nur auf jenem Wege tun, den die Häftlinge beschritten haben. Er darf es nicht tun über den Weg, der die Raketentechniker hierher geführt hat. Wer Dora betritt, hat den gesamten Weg zu gehen, will er das Ausmaß des Unglaublichen begreifen - entlang des Stacheldrahtes, vorbei und hinein zu den Plätzen des Leidens, zu den Baracken, zum Krematorium ja, auch hinein in den Stollen - nicht, um dort die Fragmente der Raketen zu bewundern, sondern mit dem Willen zumindest annähernd nachzuempfinden, was Arbeiten-, Überleben- und Sterbenmüssen hier im Berg wirklich bedeutet hat.
Wer den Stollen verlässt und wem dann klar geworden ist, dass die hier produzierten so genannten `Vergeltungswaffen´ in jeder nur möglichen Hinsicht tatsächlich Waffen des Angriffs waren, der ist hier richtig gewesen. Dies ist die Botschaft all jener, die die Lager überlebt haben, sie ist das Testament jener, die sie nicht lebend verlassen konnten. Darum bin ich auch dankbar für die neue Ausstellung, die uns nachdrücklich deutlich macht: Dora ist keine Pilgerstätte für Technik-Fans und Wernher-von-Braun-Jüngern, nein, Dora ist in erster Linie ein Friedhof, auf dem jene begraben sind, die mit ihrem Tod den Flug zum Mond bezahlt haben.
Den Film, den wir nun sehen, wird dies auf nachdrückliche Weise deutlich machen - und für die Ewigkeit dokumentieren. Die Oberbürgermeisterin bedauerte zugleich, dass es jüngst für die von weither angereisten Zwangsarbeiterinnen nicht möglich gemacht worden sei, den Betrieb zu besuchen, in dem sie während des 2. Weltkrieges arbeiten mussten.
Mit Blick auf die für den 7. Oktober angekündigte Demonstration der NPD sagte Frau Rinke, Es bedrückt uns, dass gerade auf dem Boden unserer Stadt diese Leute aufmarschieren. Wir müssen friedlich - aber unmissverständlich - sagen, dass sie hier nicht gewünscht sind. Das sind wir vor allem den Opfern und Überlebenden des Konzentrationslagers schuldig.
Autor: nnz
Zeit für diesen Film (Foto: nnz)
Für den Film hat uns noch ein Großteil des Geldes gefehlt - doch wir konnten nicht mehr warten, wir mussten ihn jetzt drehen, denn die Überlebenden - unsere Zeitzeugen - sterben sagte Film-Regisseur Eberhard Görner (Foto) im Theater. Der Film schildere Entstehung und Geschichte des Lagers und seiner Außenstelle auf zwei Ebenen: Aus Sicht der Opfer anhand von Interviews und Szene aus historischen Dokumentar- und Spielfilmszenen einerseits und andererseits anhand der Geschichte des Schauspielers Rolf Hoppe, der in der Südharzstadt Ellrich geboren wurde, aufwuchs und seine Jugend verbrachte. Ellrich war Standort eines großen und besonders brutalen Dora-Außenlagers. Hoppe schildert in Interview-Sequenzen sein persönliches Erleben des Lagers in seiner unmittelbaren Nachbarschaft. Der Film soll im kommenden Jahr im mdr gezeigt werden.
In ihrer Ansprache mahnte Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD) zur erinnernden Solidarität mit den Opfern des KZ, mit- und auch von dem Nordhausen gelebt hat. Konkret heißt das und mit Blick auf die neue Dauerausstellung ganz eindeutig: Wer Dora betritt, darf dies nur auf jenem Wege tun, den die Häftlinge beschritten haben. Er darf es nicht tun über den Weg, der die Raketentechniker hierher geführt hat. Wer Dora betritt, hat den gesamten Weg zu gehen, will er das Ausmaß des Unglaublichen begreifen - entlang des Stacheldrahtes, vorbei und hinein zu den Plätzen des Leidens, zu den Baracken, zum Krematorium ja, auch hinein in den Stollen - nicht, um dort die Fragmente der Raketen zu bewundern, sondern mit dem Willen zumindest annähernd nachzuempfinden, was Arbeiten-, Überleben- und Sterbenmüssen hier im Berg wirklich bedeutet hat.
Wer den Stollen verlässt und wem dann klar geworden ist, dass die hier produzierten so genannten `Vergeltungswaffen´ in jeder nur möglichen Hinsicht tatsächlich Waffen des Angriffs waren, der ist hier richtig gewesen. Dies ist die Botschaft all jener, die die Lager überlebt haben, sie ist das Testament jener, die sie nicht lebend verlassen konnten. Darum bin ich auch dankbar für die neue Ausstellung, die uns nachdrücklich deutlich macht: Dora ist keine Pilgerstätte für Technik-Fans und Wernher-von-Braun-Jüngern, nein, Dora ist in erster Linie ein Friedhof, auf dem jene begraben sind, die mit ihrem Tod den Flug zum Mond bezahlt haben.
Den Film, den wir nun sehen, wird dies auf nachdrückliche Weise deutlich machen - und für die Ewigkeit dokumentieren. Die Oberbürgermeisterin bedauerte zugleich, dass es jüngst für die von weither angereisten Zwangsarbeiterinnen nicht möglich gemacht worden sei, den Betrieb zu besuchen, in dem sie während des 2. Weltkrieges arbeiten mussten.
Mit Blick auf die für den 7. Oktober angekündigte Demonstration der NPD sagte Frau Rinke, Es bedrückt uns, dass gerade auf dem Boden unserer Stadt diese Leute aufmarschieren. Wir müssen friedlich - aber unmissverständlich - sagen, dass sie hier nicht gewünscht sind. Das sind wir vor allem den Opfern und Überlebenden des Konzentrationslagers schuldig.
