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Leiden erträglich machen

Samstag, 09. September 2006, 13:56 Uhr
Nordhausen (nnz). Angst vor dem Tod hat wohl jeder. Vor allem das Sterben, umgeben von medizinischen Geräten statt der eigenen Familie ist für viele eine Horrorvorstellung. Doch der Tod kann auch in Würde und ohne Schmerzen gelebt werden. Heute informierte dazu das Krankenhaus.

Leiden erträglich machen (Foto: nnz) Leiden erträglich machen (Foto: nnz)

Würdevolles, schmerzfreies Sterben ist das Anliegen der Palliativstation im Südharzkrankenhaus. Hierher kommen Menschen, die unheilbar krank sind und nicht mehr lange zu leben haben. Auf zwei Jahre intensiver Arbeit blickt die Station inzwischen zurück.

Da Tod und Sterben nach wie vor gesellschaftliche Tabuthemen sind, wollte der Förderverein der Palliativstation heute mit den Menschen ins Gespräch kommen. Fachvorträge im Seminarraum des Südharzkrankenhauses boten einen Einblick in die Arbeit der Station und informierten über moderne Behandlungsmethoden für Todkranke.

Niemand müsse heutzutage Schmerzen erleiden, auch wenn das in unserem Kulturkreis als Bewährungsprobe gelte, so Stationsärztin Grafe in ihrem Vortrag. Sie informierte über unterschiedliche Schmerztherapien und Medikamente und räumte mit alten Vorurteilen auf. 85 bis 90 Prozent aller unter Schmerzen leidenden Patienten könne man heutzutage komplett oder zumindest weitgehend frei davon bekommen. Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Verstopfung lassen sich in den Griff kriegen und sich kein Grund eine wirksame Therapie abzubrechen.

Pünktlich zu diesem Informationstag hat die Palliativstation ein neues Infoheft herausgegeben. Darin stellt sich das Personal der Station vor und erläutert die Angebote, die schwerkranken Menschen gemacht werden. Schmerzbehandlung ist davon nur ein Teil. Ernährungsberatung, Physiotherapie, psychologische Betreuung und Beistand christlicher Seelsorger werden auf Wunsch angeboten. Mit jedem Kranken und seiner Familie wird überdies ganz ehrlich über die Krankheit gesprochen. Wer um seinen Zustand wirklich bescheid weiß, kann bessere Entscheidungen bezüglich seiner Behandlung treffen. Das ist das Wichtigste in der Station, daß auf den Willen der Patienten großen Wert gelegt wird und er bis zuletzt als Persönlichkeit akzeptiert wird.

Ein Hospiz sei man übrigens nicht, auch wenn das zuweilen verwechselt wird. Ziel ist es, die Kranken so gesund wie noch möglich zu machen und sie wieder nach hause zu entlassen, wo sie unter fachkundiger Betreuung vielleicht im Kreis der Familie sterben können. Natürlich ist es möglich bei Verschlechterung der Erkrankung wieder in die Station zurückzukehren und dort auch zu sterben. In den drei Einzelzimmern ist es für Angehörige möglich beim Patienten zu übernachten. Außerdem gehören drei Doppelzimmer, ein Speiseraum und ein Wohnzimmer zur Station. Das ist ein beliebter Treffpunkt, denn dort befindet sich das Aquarium. Chefärztin Dr. Sabine Schnohr berichtet wie viel Lebensfreude die Kranken beim Beobachten der Fische tanken. Von der Dankbarkeit der Patienten ist sie immer wieder überwältigt. Das beweist, daß es wichtig war, diese Station vor zwei Jahren eingerichtet zu haben.
Autor: wf

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