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Symposium im Südharz

Montag, 04. September 2006, 07:22 Uhr
Nordhausen/Ilfeld (nnz). Unter Schirmherrschaft des Thüringer Ministers für Soziales, Familie und Gesundheit, Dr. Klaus Zeh veranstalten heute der Deutsche Pflegeverband und die Neanderklinik Harzwald GmbH in der von beiden getragenen Akademie für Gesundheits- und Pflegeberufe das 1. Thüringer Pflegesymposium. Weitere Einzelheiten mit einem einzigen Klick.


Zu dieser Veranstaltung sind mehr als 100 Pflegefachkräfte aus Thüringen, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Niedersachsen angemeldet. Der Sozialminister wird im Rahmen der Eröffnung sprechen und würdigt in seinem Grußwort die Veranstaltung als Sicherung und Weiterentwicklung der hohen Standards in der Pflege. Dieses sei besonders wichtig Angesichts der demographischer Veränderungen, die der Pflege einen immer höheren Stellenwert gäben. Diesem müsse auch durch Fort- und Weiterbildung Rechnung getragen werden. Er stellt fest, dass künftig immer mehr Menschen pflegebedürftig werden und darunter die Qualität der Versorgung nicht leiden dürfe. Besondere Komponenten seien hierbei das Spannungsfeld zwischen Ethik, Qualität und Wirtschaftlichkeit.

Rolf Höfert, Geschäftsführer des Deutschen Pflegeverbandes (DPV) e.V. zeigt die derzeitige Spannung zwischen realer pflegerischer Herausforderung der Pflegefachkräfte und gesetzlicher Rahmenbedingungen auf. Dringlich ist die Reform der Pflegeversicherung, die nun mehr seit 10 bzw. 11 Jahren keine Anpassung an die steigende Pflegebedürftigkeit, insbesondere die hohe Anzahl der Versorgung demenzkranker Bürger bietet. Die zur Zeit diskutierte Gesundheitsreform dürfe sich nicht nur an finanziellen, sondern muss sich an Qualitätskomponenten für die Versorgung der Kranken orientieren.

Jürgen Brüggemann aus Essen, Fachgebietsleiter Pflege im Qualitätsmanagement im Medizinischen Dienstes der Spitzenverbände der Krankenkassen und Pflegekassen (MDS), wird über die Sicherung und Qualität der Pflege aus der Sicht des MDK berichten. Schwerpunkt ist hier die seit 01.01.2006 gültige Prüfrichtlinie für die ambulante und stationäre pflegerische Versorgung. Seit 2005 besteht ein nationaler Expertenstandard „Förderung der Harnkontinenz in der Pflege“. Frau Daniela Haider, Pflegewissenschaftlerin aus Witten/Herdecke, wird die Möglichkeiten zur Verbesserung der Versorgung von Patienten mit Inkontinenz vorstellen. Hieraus ergeben sich viele pflegerische Tipps bzw. Verbindlichkeiten.

Martina Röder, Heimleitung und Pflegedienstleitung der Neanderklinik Harzwald GmbH sowie stellvertr. Vorsitzende des Deutschen Pflegeverbandes und Nadine Einbock, Pflegeexpertin für Dekubitus und Wundmanagement aus der Neanderklinik Harzwald GmbH, vermittelten die Ergebnisse der Umsetzung des Nationalen Expertenstandards „Dekubitusprophylaxe“, der inzwischen seit 5 Jahren Verbindlichkeit für alle Pflegeeinrichtungen und Pflegenden in Deutschland hat. Zur Vorbeugung dieses Wundliegegeschwürs sind Faktoren wie Risikoerfassung, Bewegungsförderung, Einsatz und Kriterien von Lagerungshilfsmitteln sowie Ernährung und Hautpflege wesentlich. Jährlich sind in Deutschland mehr als 800.000 Menschen von einem Druckgeschwür betroffen.

Im Sinne eines modernen Wundmanagements bei chronischen Wunden werden die Ursachen, Risikofaktoren, Behandlungsmöglichkeiten und die Wundheilungsstörungen von den Referentinnen aufgezeigt. Wichtig sind in dem Zusammenhang des Wundmanagements eine gute Dokumentation bezüglich des Verlaufs und der Ergebnisse sowie die Verbindlichkeit von Pflegestandards unter strafrechtlichen und zivilrechtlichen Aspekten.

Die Fixierung von Patienten und Bewohnern unter betreuungsrechtlichen Aspekten zeigt Rechtsanwalt Stefan Kreuels aus Münster auf. Bedingt durch die ansteigende Zahl von Demenzerkrankungen mit Patienten und Bewohnern die zur Weglauf-Tendenz neigen, ergibt sich für die Pflegenden ein Spannungsfeld im Umgang mit freiheitsentziehenden Maßnahmen ( Fixierung). Wichtig sind bei notwendigen längerfristigen Maßnahmen der Fixierung die vormundschaftsrechtliche Zustimmung und jeweils die Anordnung des Arztes.

Rolf Höfert, Geschätfsführer und Experte für Pflegerecht, verdeutlicht die Wichtigkeit von Standards in der Pflege unter rechtlichen Aspekten. Die Nutzung von Standards trägt aber auch zu einer Entbürokratisierung im Pflegealltag bei.

Die Veranstaltung gehört zu der Fortbildungsreihe, die von der Akademie für Gesundheits- und Pflegeberufe angeboten wird. Die Akademie wurde im Dezember 2005 durch den Deutschen Pflegeverband (DPV) e.V. und die Neanderklinik Harzwald GmbH gegründet. Ab November 2006 wird dort die erste staatlich anerkannte Weiterbildungsmaßnahme zur Gerontopsychiatrischen Fachkraft stattfinden.
Autor: nnz

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