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Weg durchs Oberlicht

Dienstag, 29. August 2006, 16:05 Uhr
Nordhausen/Mühlhausen (nnz). Die nnz hatte am Morgen über den Ausbruch von zwei Gefangenen aus der geschlossenen Abteilung des Ökumenischen Hainich-Klinikums in Mühlhausen berichtet. Jetzt liegen erste Einzelheiten vor.


Die Männer sind 31 bzw. 22 Jahre alt. Sie waren wegen verschiedener Gewaltdelikte in Mühlhausen untergebracht. Der Ältere der beiden war 1997 aus der Unterbringung in Stadtroda nach Mühlhausen verlegt worden, nachdem er mit einem Mitpatienten zusammen dort Mitarbeiter des Nachtdienstes als Geisel genommen hatte, um eine Flucht zu erzwingen. Er befand sich seither auf der geschlossenen Station des Maßregelvollzugs in Mühlhausen, das heißt für ihn galt die zweithöchste Sicherheitsstufe. Der andere Mann befand sich seit Juni 2005 wegen mehrfacher Körperverletzungsdelikte ebenfalls im selben Zimmer der gleichen Station der Einrichtung.

Die Patienten sind am frühen Morgen des 29. August nach Aushebelung eines Oberlichtes in ihrem Patientenzimmer des Hauses 15 entwichen. Das Patientenzimmer liegt im erhöhten Erdgeschoss. Die Patienten sind offenbar unter Zuhilfenahme von drei Stangen, die aus den Kleiderschränken stammen, zunächst über einen vier Meter hohen Zaun, der zudem mit Stacheldraht gesichert ist, und dann über einen zweiten fünf Meter hohen Zaun geklettert.

Ein dritter ebenfalls im Zimmer befindlicher Patient hat nach eigenen Angaben zur Tatzeit geschlafen und die Flucht, die etwa um 1.25 Uhr stattgefunden haben muss, nicht bemerkt. Bei einem um 1.15 Uhr durchgeführten Kontrollgang waren alle drei Patienten in ihrem Zimmer noch schlafend vorgefunden worden.

Der Ausbruch wurde gegen 1.35 Uhr von dem dritten Patienten festgestellt. Die Polizei wurde umgehend benachrichtigt, entsprechende Fahndungsunterlagen wurden durch die Klinik zur Verfügung gestellt. Eine bundesweite Fahndung wurde unmittelbar nach der Flucht ausgelöst. Bereits in der Nacht wurden die notwendigen kriminaltechnischen Untersuchungen am Tatort durchgeführt. Die von der Polizei eingesetzten Hunde konnten die Spur der Männer bis zu einem ca. 1 km entfernt gelegenen Parkplatz verfolgen. Daraus ergibt sich die Vermutung, dass dort möglicherweise ein Fahrzeug bereit stand.

Die zuständigen Mitarbeiter der Gesundheitsabteilung des Thüringer Sozialministeriums besichtigten heute Vormittag den Tatort und ließen sich über den Tathergang und alle eingeleiteten Maßnahmen durch die verantwortliche Klinikleitung informieren. Danach steht fest, dass die Flucht der beiden Männer nicht im Zusammenhang mit derzeit stattfindenden Baumaßnahmen an der Klinik steht. Derzeit entsteht auf dem Klinikgelände ein moderner Neubau mit einem Investitionsvolumen von 22 Millionen Euro, der im Sommer 2007 fertig gestellt werden wird. Die derzeitige Unterbringung von Patienten ist durch diese Baumaßnahmen nicht berührt.

In der Einrichtung sind 85 Patienten untergebracht, auch in Drei-Bett-Zimmern.
Das Thüringer Ministerium für Soziales, Familie und Gesundheit wird die laufenden Untersuchungen in der Klinik verfolgen und überwachen. Die Klinik hat als sofortige Sicherheitsmaßnahme bereits veranlasst, dass die Oberlichter in den Patientenzimmern sicher geschlossen gehalten bleiben. Das Thüringer Sozialministerium hat eine zusätzliche sofortige Sicherheitsüberprüfung in den drei Thüringer Maßregelkrankenhäusern in Stadtroda, Hildburghausen und Mühlhausen angeordnet.
Autor: nnz

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