JS-Special: Schlechte Noten für Eltern
Freitag, 21. Dezember 2001, 09:59 Uhr
Nordhausen (nnz). In einem Beitrag beschäftigte sich nnz u.a. mit der Schulleistungsstudie Pisa, deren Ergebnis ja inzwischen auf breiter Ebene diskutiert wird. Am vergangenen Sonntag wurde in Paris ein weiteres Ergebnis vorgestellt, das auf einer Schülerbefragung basiert und der Beachtung wert ist.
Pisa als Schulleistungsstudie ist ja nun seit ihrer Veröffentlichung in Deutschland von vielen Seiten beleuchtet und nach Konsequenzen abgeklopft worden. Neben eigenen Beiträgen kamen im regionalen Bereich inzwischen auch die IHK Erfurt und der derzeitige Beiratsvorsitzende des Arbeitsamtes, DGB-Kreisvorsitzender Ulrich Hannemann, auf diesen Seiten zu Wort. Jeder beleuchtete die Situation aus seiner Sicht und kam zu Ergebnissen, die eben nur Resultat jener Bildungsmisere sind, die durch jene Schulleistungsstudie so offensichtlich wurden, dass niemand mehr diese Problematik abwiegeln oder vor sich herschieben kann. Und wenn allein das Arbeitsamt Nordhausen in seinem Einzugsgebiet Millionenbeträge einsetzt, um jene Defizite auszugleichen, dann ist das anzuerkennen, stellt indessen nur die Behebung von Symptomen dar, ohne die Ursachen auch nur zu berühren.
Bei einem Blick ins weite Rund der Experten, die sich inzwischen äußerten, fällt nun auf, dass so gut wie keine Stimmen aus jenen Kreisen dabei sind, die bei jeder Gelegenheit zu hören sind, wenn es darum geht, Forderungen an den Staat, die Schulen und die Lehrerschaft zu stellen: die Elternvertreter nämlich. Alle von ihnen vorgebrachten Forderungen mögen ja noch so berechtigt sein, nur wäre es an der Zeit, auch die Eltern selbst und deren Vertretungen daran zu erinnern, dass zunächst einmal sie es sind, die in der Pflicht stehen und an die Wahrnehmung ihrer Aufgaben als Eltern oder Erziehungsberechtigte erinnert werden sollten. Warum nur tut man es nicht in der gebotenen Dringlichkeit?
Und weil sich die Einsicht in derartige Notwendigkeiten offenbar erst auf Grund von Gutachten und Studien ergibt, sei auf das Ergebnis der Schülerbefragung innerhalb dieser Pisa Studie hingewiesen, welche die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am vergangenen Sonntag in Paris veröffentlichte. Danach sind die schlechten Bildungsergebnisse bei den deutschen Schülern im Grunde nur Ergebnis der mangelnden Zuwendung, die viele der Kinder im Elternhaus erfahren: Nur etwas mehr als 40 Prozent der deutschen Eltern reden danach regelmäßig mit ihren Kindern über die schulischen Leistungen. In den Niederlanden sind es dagegen gut 60 Prozent, in Italien sogar über 80 Prozent. Ähnlich sieht es bei der Frage aus, ob Eltern regelmäßig Zeit für persönliche Gespräche mit ihrem Nachwuchs finden. Dabei scheinen mit 86 Prozent in Italien die Familienbande noch am festesten zu sein, gefolgt von den Niederlanden (69,5 Prozent) und Großbritannien (61,7). In Deutschland bescheinigen dies nur 41,2 Prozent der 15- Jährigen ihren Eltern. Während sich zugleich mehr als jedes dritte Elternteil in Japan, Großbritannien oder Italien mehrmals in der Woche die Zeit nimmt, mit dem Schüler über Bücher, Filme und TV zu reden, sind dies in Deutschland nur 16,2 Prozent der Eltern.
Der Pädagogische Berater des Landesschulamtes Berlin, Andreas Pochert, forderte in einem Interview der Berliner Morgenpost", die Eltern sehr viel stärker in die schulische Arbeit einzubeziehen. Berlin bilde bei jenen Ergebnissen keine Ausnahme. Auch dort würden immer mehr Eltern der Vorbildfunktion für ihre Kinder nicht mehr gerecht. Nun kann es aber wohl nicht so sein wie Die Tageszeitung (taz) in einem außerordentlich ausführlichen Bericht u.a. schreibt: ...man kann das Wirksamste aus drei Jahrzehnten Pädagogikdebatte nutzen. Hinzu kommen neuere Verfahren aus der Psychotherapie, alte Methoden vom Militär, und wer will, kann selbst neue Tricks erfinden. Belohnen, verhandeln, erpressen, befehlen, herumtricksen - Eltern sind Führungskräfte, die ihren Nachwuchs möglichst nervenschonend und effektiv managen müssen... Muss man also die Erziehungsaufgabe und pflicht der Eltern derart hochstilisieren? Kinder wollen einfach das Gefühl haben, von ihren Eltern geliebt, zumindest akzeptiert zu werden; mit ihnen reden zu können und von ihnen verstanden zu werden. Und es gehört auf dem Bildungssektor offenbar wirklich eine bessere Abstimmung mit den Schulen dazu.
Solange Eltern oder deren Vertreter nur versuchen, erzieherische Defizite auf die Schulen abzuschieben, die ihrerseits dann den Arbeitsämtern, Lehrherren oder berufsbildenden (privaten) Schulen den Bildungspart zuschieben, der sie überhaupt erst befähigt, ins Berufsleben mit Hoffnung auf eine solide Perspektive eintreten zu können, wird es keine befriedigenden Ergebnisse geben. Und demzufolge auch keine homogene und systematische Beseitigung jenes Bildungsnotstandes.
Autor: nnzPisa als Schulleistungsstudie ist ja nun seit ihrer Veröffentlichung in Deutschland von vielen Seiten beleuchtet und nach Konsequenzen abgeklopft worden. Neben eigenen Beiträgen kamen im regionalen Bereich inzwischen auch die IHK Erfurt und der derzeitige Beiratsvorsitzende des Arbeitsamtes, DGB-Kreisvorsitzender Ulrich Hannemann, auf diesen Seiten zu Wort. Jeder beleuchtete die Situation aus seiner Sicht und kam zu Ergebnissen, die eben nur Resultat jener Bildungsmisere sind, die durch jene Schulleistungsstudie so offensichtlich wurden, dass niemand mehr diese Problematik abwiegeln oder vor sich herschieben kann. Und wenn allein das Arbeitsamt Nordhausen in seinem Einzugsgebiet Millionenbeträge einsetzt, um jene Defizite auszugleichen, dann ist das anzuerkennen, stellt indessen nur die Behebung von Symptomen dar, ohne die Ursachen auch nur zu berühren.
Bei einem Blick ins weite Rund der Experten, die sich inzwischen äußerten, fällt nun auf, dass so gut wie keine Stimmen aus jenen Kreisen dabei sind, die bei jeder Gelegenheit zu hören sind, wenn es darum geht, Forderungen an den Staat, die Schulen und die Lehrerschaft zu stellen: die Elternvertreter nämlich. Alle von ihnen vorgebrachten Forderungen mögen ja noch so berechtigt sein, nur wäre es an der Zeit, auch die Eltern selbst und deren Vertretungen daran zu erinnern, dass zunächst einmal sie es sind, die in der Pflicht stehen und an die Wahrnehmung ihrer Aufgaben als Eltern oder Erziehungsberechtigte erinnert werden sollten. Warum nur tut man es nicht in der gebotenen Dringlichkeit?
Und weil sich die Einsicht in derartige Notwendigkeiten offenbar erst auf Grund von Gutachten und Studien ergibt, sei auf das Ergebnis der Schülerbefragung innerhalb dieser Pisa Studie hingewiesen, welche die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am vergangenen Sonntag in Paris veröffentlichte. Danach sind die schlechten Bildungsergebnisse bei den deutschen Schülern im Grunde nur Ergebnis der mangelnden Zuwendung, die viele der Kinder im Elternhaus erfahren: Nur etwas mehr als 40 Prozent der deutschen Eltern reden danach regelmäßig mit ihren Kindern über die schulischen Leistungen. In den Niederlanden sind es dagegen gut 60 Prozent, in Italien sogar über 80 Prozent. Ähnlich sieht es bei der Frage aus, ob Eltern regelmäßig Zeit für persönliche Gespräche mit ihrem Nachwuchs finden. Dabei scheinen mit 86 Prozent in Italien die Familienbande noch am festesten zu sein, gefolgt von den Niederlanden (69,5 Prozent) und Großbritannien (61,7). In Deutschland bescheinigen dies nur 41,2 Prozent der 15- Jährigen ihren Eltern. Während sich zugleich mehr als jedes dritte Elternteil in Japan, Großbritannien oder Italien mehrmals in der Woche die Zeit nimmt, mit dem Schüler über Bücher, Filme und TV zu reden, sind dies in Deutschland nur 16,2 Prozent der Eltern.
Der Pädagogische Berater des Landesschulamtes Berlin, Andreas Pochert, forderte in einem Interview der Berliner Morgenpost", die Eltern sehr viel stärker in die schulische Arbeit einzubeziehen. Berlin bilde bei jenen Ergebnissen keine Ausnahme. Auch dort würden immer mehr Eltern der Vorbildfunktion für ihre Kinder nicht mehr gerecht. Nun kann es aber wohl nicht so sein wie Die Tageszeitung (taz) in einem außerordentlich ausführlichen Bericht u.a. schreibt: ...man kann das Wirksamste aus drei Jahrzehnten Pädagogikdebatte nutzen. Hinzu kommen neuere Verfahren aus der Psychotherapie, alte Methoden vom Militär, und wer will, kann selbst neue Tricks erfinden. Belohnen, verhandeln, erpressen, befehlen, herumtricksen - Eltern sind Führungskräfte, die ihren Nachwuchs möglichst nervenschonend und effektiv managen müssen... Muss man also die Erziehungsaufgabe und pflicht der Eltern derart hochstilisieren? Kinder wollen einfach das Gefühl haben, von ihren Eltern geliebt, zumindest akzeptiert zu werden; mit ihnen reden zu können und von ihnen verstanden zu werden. Und es gehört auf dem Bildungssektor offenbar wirklich eine bessere Abstimmung mit den Schulen dazu.
Solange Eltern oder deren Vertreter nur versuchen, erzieherische Defizite auf die Schulen abzuschieben, die ihrerseits dann den Arbeitsämtern, Lehrherren oder berufsbildenden (privaten) Schulen den Bildungspart zuschieben, der sie überhaupt erst befähigt, ins Berufsleben mit Hoffnung auf eine solide Perspektive eintreten zu können, wird es keine befriedigenden Ergebnisse geben. Und demzufolge auch keine homogene und systematische Beseitigung jenes Bildungsnotstandes.
