nnz-Forum: Mehr als Sommertheater…
Donnerstag, 17. August 2006, 16:26 Uhr
Nordhausen (nnz). Das Land will die Zuschüsse für das Nordhäuser Theater kürzen. Unverhältnismäßig kürzen. Dazu die Meinung von nnz-Leser Dr. Horst Kox.
Ein einzigartiger Protest der Bürger gegen den Würgegriff an Theater und Orchester in der Region Nordhausen/Sondershausen, das ist das Thema im Sommer 2006. Was am ministeriellen Schreibtisch als Mittelkürzung für Kultur ausgedacht, wird sicherlich zu einem unwillkommenen Test für die Landtagswahl 2009. Der versiegende Geldzufluss zeigt besonders für das Randgebiet des Freistaates eine beängstigende Rigorosität.
Mit solchen Bremsen wird nicht nur die Kulturentwicklung blockiert, sondern auch ein wesentlicher Anreizfaktor für die Wirtschaftsentwicklung. Liegt hier etwa ein konzeptionelles Desaster der Landesregierung vor? Denn kaum jemand lässt sich noch von der angeblichen Geldnot im Landeshaushalt Thüringens täuschen. Dagegen steht die Vergeudung von Fördermitteln (z.B. Spielcasino Erfurt, CD-Fabrik Suhl und Flughafenaffäre). Eine moderne Industriestrategie mit dem Ziel weltmarktfähiger Produkte wurde ohnehin für die abgenabelte Nordregion nicht vorgesehen, und die extremen Verzögerungen am Autobahnbau fast demütig hingenommen. Aber auch die kaum verantwortbaren Höhenflüge mit einem 100-ha Industrieareal Goldene Aue sind aus Sicht der Bündnisgrünen weitestgehend perspektivlos.
Die löbliche Tradition der Nordhäuser Bürgerschaft für eine vorausschauende, sich einander bedingende Industrie- und Kulturentwicklung wird in diesen Tagen gemeinsam mit den Bürgern von Sondershausen in den Medien sichtbar. Selbst die Grausamkeiten des 2. Weltkrieges mit der Beschädigung des Theaters konnten den Willen zu seiner Wiedereröffnung trotz leerer Kassen nicht zerstören. Es zeigte sich besonders deutlich: Kunst ist Gewahrwerden des Menschseins. Schiller entwickelte die Konzeption vom Theater (Schaubühne) als moralische Anstalt.
Nach dem Ende der Tragik des letzten Krieges stand auf vielen halbzerstörten Bühnen Deutschlands Lessings Nathan auf dem Spielplan. Von Thüringen gingen einst die großen Gedanken der Deutschen Klassik aus; dank des Bündnisses zweier Geniegestalten, Schiller und Goethe. In dieser Tradition sollten wir uns mit Stolz eingebunden fühlen. Das finanzielle Konzept des Kultusministeriums kann da nur als tragischer Gegenentwurf verstanden und energisch abgelehnt werden.
Dr. Horst Kox, Sollstedt
Ein einzigartiger Protest der Bürger gegen den Würgegriff an Theater und Orchester in der Region Nordhausen/Sondershausen, das ist das Thema im Sommer 2006. Was am ministeriellen Schreibtisch als Mittelkürzung für Kultur ausgedacht, wird sicherlich zu einem unwillkommenen Test für die Landtagswahl 2009. Der versiegende Geldzufluss zeigt besonders für das Randgebiet des Freistaates eine beängstigende Rigorosität.
Mit solchen Bremsen wird nicht nur die Kulturentwicklung blockiert, sondern auch ein wesentlicher Anreizfaktor für die Wirtschaftsentwicklung. Liegt hier etwa ein konzeptionelles Desaster der Landesregierung vor? Denn kaum jemand lässt sich noch von der angeblichen Geldnot im Landeshaushalt Thüringens täuschen. Dagegen steht die Vergeudung von Fördermitteln (z.B. Spielcasino Erfurt, CD-Fabrik Suhl und Flughafenaffäre). Eine moderne Industriestrategie mit dem Ziel weltmarktfähiger Produkte wurde ohnehin für die abgenabelte Nordregion nicht vorgesehen, und die extremen Verzögerungen am Autobahnbau fast demütig hingenommen. Aber auch die kaum verantwortbaren Höhenflüge mit einem 100-ha Industrieareal Goldene Aue sind aus Sicht der Bündnisgrünen weitestgehend perspektivlos.
Die löbliche Tradition der Nordhäuser Bürgerschaft für eine vorausschauende, sich einander bedingende Industrie- und Kulturentwicklung wird in diesen Tagen gemeinsam mit den Bürgern von Sondershausen in den Medien sichtbar. Selbst die Grausamkeiten des 2. Weltkrieges mit der Beschädigung des Theaters konnten den Willen zu seiner Wiedereröffnung trotz leerer Kassen nicht zerstören. Es zeigte sich besonders deutlich: Kunst ist Gewahrwerden des Menschseins. Schiller entwickelte die Konzeption vom Theater (Schaubühne) als moralische Anstalt.
Nach dem Ende der Tragik des letzten Krieges stand auf vielen halbzerstörten Bühnen Deutschlands Lessings Nathan auf dem Spielplan. Von Thüringen gingen einst die großen Gedanken der Deutschen Klassik aus; dank des Bündnisses zweier Geniegestalten, Schiller und Goethe. In dieser Tradition sollten wir uns mit Stolz eingebunden fühlen. Das finanzielle Konzept des Kultusministeriums kann da nur als tragischer Gegenentwurf verstanden und energisch abgelehnt werden.
Dr. Horst Kox, Sollstedt
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
Autor: nnzDie im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
