Zweimal B
Donnerstag, 17. August 2006, 16:23 Uhr
Nordhausen (nnz). Im Sommer 1956 starben in Berlin zwei der bedeutendsten Lyriker des 20. Jahrhunderts, am 7. Juli Gottfried Benn in Westberlin und am 14. August Bertolt Brecht in Ostberlin. Ihnen wird Ende August in Limlingerode gehuldigt.
Zwei Welten in einer geteilten Stadt künden aus einem Mund von der Zerrissenheit der Welt: janusköpfig – zwiespältig – genial. Benn starb auf der Höhe seines Ruhmes als Repräsentant der Adenauer-Ära, Brecht als Verkörperung des idealen Staatsdichters der DDR.
Noch heute begegnet man Brecht im Westen eher mit Misstrauen, was gewiss daran liegt, dass man ihn trotz, oder gerade wegen seiner großen Popularität nicht gut genug kennt. Ähnliches gilt für Benn. Seine vergleichbar fehlende Popularität erleichtert oft paradoxerweise seine Akzeptanz.
Beide Dichter verbindet die Tatsache der offensichtlichen Antipodenschaft: wenige Ähnlichkeiten, dafür die gemeinsame Radikalität der jeweiligen Standpunkte. Während Brecht den Menschen als ein geschichtliches Wesen begreift, verachtet Benn jegliche Geschichtlichkeit. Für ihn ist das Nichts die formfordernde Gewalt, wobei er einen archaischen Idealzustand beschwört, dessen Rekonstruktion in der zerfallenden Gegenwart nur noch im Gedicht möglich scheint. Das Wort des Lyrikers ist Existenz an sich.
Ganz anders Brecht: Für ihn ist Lyrik niemals bloßer Ausdruck. Die gängige Kritik neigt deshalb dazu, Benn als Ästhetiker und Brecht als Politisierer zu pauschalisieren. Da ist was dran, aber es stimmt nicht. Wir wollen die Dichter in ihren Gedichten selbst zu Worte kommen lassen. Ein kleiner Ausschnitt aus dem, was das Werk eines jeden auszeichnet, wird Ihnen eine Epoche aus sehr verschiedenen Sichten beleuchten, die sich zueinander verhalten wie zwei Seiten einer Münze.
Brecht und Benn begegneten sich nur sehr selten und in den letzten 25 Lebensjahren gar nicht mehr. Gewisse zwischenzeitliche Animositäten jedoch waren am Ende nichtig. Man akzeptierte einander in stiller Bewunderung der künstlerischen Größe des jeweils anderen . Als Beweis dafür mag ein Gedichtentwurf gelten, den Brecht 1956 Benn sandte:
In diesem Sinne seien Sie herzlich willkommen in der Dichterstätte. Wir freuen uns auf Ihren Besuch. (HausArt: Herrliche Papiere von Sarah Kirsch und Brigitte Fiß).
Autor: nnzZwei Welten in einer geteilten Stadt künden aus einem Mund von der Zerrissenheit der Welt: janusköpfig – zwiespältig – genial. Benn starb auf der Höhe seines Ruhmes als Repräsentant der Adenauer-Ära, Brecht als Verkörperung des idealen Staatsdichters der DDR.
Noch heute begegnet man Brecht im Westen eher mit Misstrauen, was gewiss daran liegt, dass man ihn trotz, oder gerade wegen seiner großen Popularität nicht gut genug kennt. Ähnliches gilt für Benn. Seine vergleichbar fehlende Popularität erleichtert oft paradoxerweise seine Akzeptanz.
Beide Dichter verbindet die Tatsache der offensichtlichen Antipodenschaft: wenige Ähnlichkeiten, dafür die gemeinsame Radikalität der jeweiligen Standpunkte. Während Brecht den Menschen als ein geschichtliches Wesen begreift, verachtet Benn jegliche Geschichtlichkeit. Für ihn ist das Nichts die formfordernde Gewalt, wobei er einen archaischen Idealzustand beschwört, dessen Rekonstruktion in der zerfallenden Gegenwart nur noch im Gedicht möglich scheint. Das Wort des Lyrikers ist Existenz an sich.
Ganz anders Brecht: Für ihn ist Lyrik niemals bloßer Ausdruck. Die gängige Kritik neigt deshalb dazu, Benn als Ästhetiker und Brecht als Politisierer zu pauschalisieren. Da ist was dran, aber es stimmt nicht. Wir wollen die Dichter in ihren Gedichten selbst zu Worte kommen lassen. Ein kleiner Ausschnitt aus dem, was das Werk eines jeden auszeichnet, wird Ihnen eine Epoche aus sehr verschiedenen Sichten beleuchten, die sich zueinander verhalten wie zwei Seiten einer Münze.
Brecht und Benn begegneten sich nur sehr selten und in den letzten 25 Lebensjahren gar nicht mehr. Gewisse zwischenzeitliche Animositäten jedoch waren am Ende nichtig. Man akzeptierte einander in stiller Bewunderung der künstlerischen Größe des jeweils anderen . Als Beweis dafür mag ein Gedichtentwurf gelten, den Brecht 1956 Benn sandte:
In diesem Sinne seien Sie herzlich willkommen in der Dichterstätte. Wir freuen uns auf Ihren Besuch. (HausArt: Herrliche Papiere von Sarah Kirsch und Brigitte Fiß).
