"Jahresendfigur mit Flügeln?"
Donnerstag, 20. Dezember 2001, 11:25 Uhr
Nordhausen (nnz). Kennen Sie die Jahresendfigur mit Flügeln? Diese sprachliche Entgleisung der DDR-Wortschöpfung als Ausstellungstitel soll zu einer Exposition ins Nordhäuser Meyenburg-Museum animieren. nnz mit einem Einblick in die Welt der Engel.
Die sprachliche Entgleisung `Jahresendfigur mit Flügeln`, eine DDR-Wortschöpfung zur Bezeichnung von dekorativen Weihnachtsengeln, soll als Ausstellungstitel provozieren und neugierig machen, stimmt die Museumsleiterin Claudia Ehser die Besucher der Ausstellung ein. Engel kommen in den Mythen und Religionen aller Kulturen vor. Meist werden sie als Gesandte Gottes beschrieben und sind fester Bestandteil des Alten und Neuen Testaments. Engel gibt es natürlich auch im Zeitalter der Marktwirtschaft. Sie scheinen seit einiger Zeit überall präsent zu sein: als dekorative Weihnachtsaccessoires, als Motive der Werbung, auf Verpackungen und als Buch-, Song- und Filmtitel. Engel boomen.
Die am häufigsten benutzten Vorlagen für diese Dekorationsengel stammen aus der Zeit der Renaissance und des Barock. Sie gehen auf Kunstwerke von Donatello, Bernini oder Raffael zurück. Die drollig verspielten Engelchen öffnen das Herz des Betrachters, was sich durchaus verkaufsfördernd auswirkt. Von ihrer eigentlichen Bestimmung ist in diesem Zusammenhang wenig zu spüren. Unsere Ausstellung zeigt einige dieser kitschigen Engelfigürchen, Drucke und eine Computergrafik. Ihre Vorbilder gehen meist auf die Zeit des Barock zurück, so Claudia Ehser. Im 17. Jahrhundert setzten Bernini, Donatello und Raffael Maßstäbe in der Darstellung von Engeln. Sie schienen gleichermaßen von himmlischer Freude und irdischem Schmerz erfüllt. Das Museum zeigt aus dieser Zeit barocke Putti und einen Taufengel aus der Region.
Ganz anders, nämlich expressiv, gingen Künstler wie Ernst Barlach oder HAP Grieshaber an das Thema heran, von ihnen sind Originale in der Ausstellung präsent. Auch die Entwürfe von Prof. Martin Domke für die Bleiglasfenster der St. Blasii-Kirche gehören dazu. Sie zeigen Engel in Szenen zum Weihnachts- und Osterfest. Bei der Realisierung der Fenster sind die Engel weggelassen worden und so erfährt der Besucher etwas über die Meinung der evangelischen Kirche zu den Himmelsboten vor ca. 50 Jahren. Auch Gemälde und Grafiken gegenwärtiger Künstler sind zu diesem Thema im Museum zu sehen. Sie machen deutlich, dass es auch im 21. Jahrhundert mit seinen wissenschaftlichen Erkenntnissen, dem technischen Fortschritt und der scheinbar unbegrenzten Kommunikationsmöglichkeiten noch Fragen und Sehnsüchte gibt. Die Kunstwerke russischer Künstler und Ikonen können im Museum käuflich erworben werden, informiert Claudia Ehser in diesem Zusammenhang.
Autor: nnzDie sprachliche Entgleisung `Jahresendfigur mit Flügeln`, eine DDR-Wortschöpfung zur Bezeichnung von dekorativen Weihnachtsengeln, soll als Ausstellungstitel provozieren und neugierig machen, stimmt die Museumsleiterin Claudia Ehser die Besucher der Ausstellung ein. Engel kommen in den Mythen und Religionen aller Kulturen vor. Meist werden sie als Gesandte Gottes beschrieben und sind fester Bestandteil des Alten und Neuen Testaments. Engel gibt es natürlich auch im Zeitalter der Marktwirtschaft. Sie scheinen seit einiger Zeit überall präsent zu sein: als dekorative Weihnachtsaccessoires, als Motive der Werbung, auf Verpackungen und als Buch-, Song- und Filmtitel. Engel boomen.
Die am häufigsten benutzten Vorlagen für diese Dekorationsengel stammen aus der Zeit der Renaissance und des Barock. Sie gehen auf Kunstwerke von Donatello, Bernini oder Raffael zurück. Die drollig verspielten Engelchen öffnen das Herz des Betrachters, was sich durchaus verkaufsfördernd auswirkt. Von ihrer eigentlichen Bestimmung ist in diesem Zusammenhang wenig zu spüren. Unsere Ausstellung zeigt einige dieser kitschigen Engelfigürchen, Drucke und eine Computergrafik. Ihre Vorbilder gehen meist auf die Zeit des Barock zurück, so Claudia Ehser. Im 17. Jahrhundert setzten Bernini, Donatello und Raffael Maßstäbe in der Darstellung von Engeln. Sie schienen gleichermaßen von himmlischer Freude und irdischem Schmerz erfüllt. Das Museum zeigt aus dieser Zeit barocke Putti und einen Taufengel aus der Region.
Ganz anders, nämlich expressiv, gingen Künstler wie Ernst Barlach oder HAP Grieshaber an das Thema heran, von ihnen sind Originale in der Ausstellung präsent. Auch die Entwürfe von Prof. Martin Domke für die Bleiglasfenster der St. Blasii-Kirche gehören dazu. Sie zeigen Engel in Szenen zum Weihnachts- und Osterfest. Bei der Realisierung der Fenster sind die Engel weggelassen worden und so erfährt der Besucher etwas über die Meinung der evangelischen Kirche zu den Himmelsboten vor ca. 50 Jahren. Auch Gemälde und Grafiken gegenwärtiger Künstler sind zu diesem Thema im Museum zu sehen. Sie machen deutlich, dass es auch im 21. Jahrhundert mit seinen wissenschaftlichen Erkenntnissen, dem technischen Fortschritt und der scheinbar unbegrenzten Kommunikationsmöglichkeiten noch Fragen und Sehnsüchte gibt. Die Kunstwerke russischer Künstler und Ikonen können im Museum käuflich erworben werden, informiert Claudia Ehser in diesem Zusammenhang.
