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Der erste Waldkontakt

Donnerstag, 10. August 2006, 14:14 Uhr
Nordhausen (nnz). Nur vereinzelt berichtet die nnz aus dem Nachbarlandkreis Eichsfeld. Doch heute wollen wir auf ein tierisches Ereignis hinweisen, das seinesgleichen in diesen Breitengraden sucht. Mehr dazu mit nur einem Klick.


Am kommenden Sonnabend (12. August), wird Bär Mario in die Freianlage des Alternativen Bärenparks Worbis entlassen. Um 12 Uhr sollen sich die Schieber der Quarantänestation für den Schweizer öffnen und sich hinter ihm für immer schließen. Mario wird dann in einem Wald leben, mit Artgenossen und Nahrungskonkurrenten, ohne Stall und ohne Schutz vor Wind und Wetter, aber dafür wie ein „echter Bär in einem echten Wald“.

Während Bären in freier Wildbahn perfekte Jäger und Sammler sind und ein Leben im Wald eine Selbstverständlichkeit ist, wird der 23-jährige Mario nach lebenslanger Gefangenschaft und eben so langer Leidenszeit vermutlich sehr ängstlich und skeptisch den Wald betreten. Vorerst werden ihm allein 7 000 m² zur Verfügung gestellt, so dass er die Möglichkeit hat, seinen neuen Wald ohne Artgenossen zu erkunden.

Einige Tage später wird er dann nach und nach Bekanntschaft mit den anderen Bären und dem Wolfsrudel machen und die gesamte Freianlage kennen lernen. Ein Wohlfühlen wird es erst nach Tagen, vielleicht sogar nach Wochen geben.

„Wie wir Menschen verarbeiten auch Tiere aus vormals tierquälerischer Haltung ihre Erlebnisse unterschiedlich,“ so Uwe Lagemann, Leiter des Bärenpark. „Ich habe Bären erlebt, die in den ersten Wochen den neuen Wald am liebsten wieder gegen den tristen Käfig zurückgetauscht hätten, aber es gab auch Bären, die den Wald sehr neugierig, sehr aufgeregt gleich in den ersten Stunden erforscht haben. Letztendlich haben es aber alle unsere Bären geschafft, den Wald zu genießen.“

Nach Jahren sehr „vielseitiger“ Gefangenschaft - beginnend von der Privathaltung für den Zirkus über die Betongrube bis hin zur Zwingerhaltung – konnte Bär Mario im Juli 2006 endlich von der Organisation VIER PFOTEN Schweiz – Stiftung für Tierschutz befreit und in den Bärenpark Worbis verbracht werden. Nach einer vierwöchigen Quarantäne, der notwendigen Zahn-OP und der Kastration ist Mario endlich dort angekommen, wo ihn die Tierfreunde von VIER PFOTEN Schweiz und der Stiftung für Bären erleben wollen: in einer der Art entsprechenden, naturbelassenen, großzügigen Freianlage, die sich Bären und Wölfe teilen.

Die Entlassung in die Freianlage und das neugierige oder ängstliche Verhalten des Bären kann von den Besuchern beobachtet werden und wird zudem für diese an der Freianlage kommentiert.
Autor: nnz

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