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Mehr als nur Sprüche

Donnerstag, 03. August 2006, 07:41 Uhr
Nordhausen (nnz). Joschka Fischer war noch kein hessischer Turnschuh- und schon gar kein Bundesaußenminister - von Princeton ganz zu schweigen -, und Helmut Kohl verhalf gerade dem Pfälzer Saumagen durch konstruktives Misstrauensvotum zu nationaler Berühmtheit. Und genau aus dieser Zeit ist jetzt ein Buch mit Sprüchen erschienen. Die nnz stellt es vor.


Es waren die frühen achtziger Jahre, als Vito von Eichborn, der damalige Verleger des gleichnamigen Verlagshauses, durch Frankfurts Straßen ging und nach Sprüchen suchte, die frei nach dem Motto "Ich kam, sah und sprühte" als alternative Spaß-Parolen auf Häuser- und Klowänden verewigt wurden.

Zwischen absurden Atomkraftgegnern "Lieber Fußpilz als Atompilz" und unbewaffneten Umweltaktivisten "Gewaltlos sind wir den Wald los" wurde Eichborn fündig. Von philosophischen Beischläfern lernte er das "Coitus ergo sum", von libidinösen Lebenskünstlern "Lieber ne gesunde Verdorbenheit als ne verdorbene Gesundheit" und von chaotischen Kapitalisten "Kommunismus ist, wenn jeder von jedem genug hat".

Die schier unendliche Fülle an Lebensweisheiten, der er begegnete, schrieb Vito von Eichborn nieder und legte so den Grundstein für sechs überaus erfolgreiche Sammlungen der "Sponti-Sprüche": "Ich geh kaputt - gehst Du mit" (1981), "Es wird Zeit, dass wir lieben" (1982), "Nimm's leicht, nimm mich!" (1983), "Ohne Dings kein Bums" (1984), "Lieber intim als in petto" (1985) und "Lieber sauweich als eberhard" (1986).

Zum 26jährigen Jubiläum des Eichborn Verlags und zum 25jährigen Jubiläum der dort verlegten Sponti-Sprüche erfreut jetzt eine sorgsam edierte Ausgabe, gedruckt auf liebevoll aufgerautem Papier mit leicht grauer Schattierung die interessierte Leserschaft. "Das goldene Album der Sponti-Sprüche" verspricht eine politische und lebensweltliche Zeitreise, mal amüsant, mal unheimlich, manchmal erhellend - und manchmal auch ziemlich albern.

Den Leser versetzt dieses Werk in eine Phase deutscher Befindlichkeit, in der man noch "Ora et deflora" skandierte, "Monatskarten für den Puff" forderte und mit "Hämorrhoiden für
den Frieden" eintrat.
Autor: nnz

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