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Mit am höchsten

Mittwoch, 02. August 2006, 10:45 Uhr
Nordhausen (nnz). In den zurückliegenden Tagen wurde viel über das Geld für die Thüringer Theaterlandschaft diskutiert. Wie viel Geld der Freistaat im Jahr 2003 für Kultur ausgegeben hat, das haben jetzt findige Statistiker herausgefunden.


Mit 111 Euro je Einwohner im Jahr 2003 gehört Thüringen nach Berlin, Sachsen, Bremen und Hamburg zu den Bundesländern mit den höchsten Kulturausgaben pro Kopf der Bevölkerung. Im Durchschnitt beliefen sich die Kulturausgaben der Länder auf rund 86 Euro je Einwohner. Im Vergleich zu 1995 sind die Thüringer Ausgaben allerdings um 6,4 Prozent zurückgegangen, während die Ausgaben der Länder im Bundesdurchschnitt einen Zuwachs von 8,7 Prozent aufwiesen.

Im Verhältnis der öffentlichen Kulturausgaben zur Wirtschaftskraft liegt Thüringen mit einem Anteil von 0,61 Prozent am Bruttoinlandsprodukt über dem Durchschnitt aller Länder (0,33 Prozent).

Diese und eine Fülle anderer detaillierter Informationen offenbart der Kulturfinanzbericht 2006 der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder. Auf der Basis der Jahresrechnungsstatistik für das Jahr 2003 werden Strukturen und Entwicklungen transparent und unter den Bundesländern vergleichbar gemacht. So wird deutlich, dass Länder und Gemeinden die Kulturausgaben mit jeweils knapp 44 Prozent nahezu zu gleichen Teilen tragen, während der Bund 12,5 Prozent beiträgt. Insgesamt stellten die öffentlichen Haushalte mit rund 8,1 Milliarden Euro 1,75 Prozent ihres Gesamtetats zur Verfügung: Für Thüringen bedeuteten 264,8 Millionen Euro an Kulturausgaben 2,68 Prozent vom Gesamthaushalt.

Der Kulturbereich Theater und Musik band in Thüringen - wie in allen anderen Ländern - den größten Teil der öffentlichen Kulturausgaben. Im Jahr 2003 waren es 50,7 Prozent aller Kulturausgaben; das war der höchste Wert aller Länder (allerdings weisen acht weitere Länder ebenfalls vergleichbar hohe Anteile zwischen 45 und 48,7 Prozent auf). Weitere 14,8 Prozent flossen in die Finanzierung von Museen, Sammlungen und Ausstellungen.

Für Denkmalschutz und Denkmalpflege wurden im Freistaat 7,3 Prozent aufgewandt. Hier weisen nur Brandenburg und Sachsen mit 12,4 bzw. 11,5 Prozent einen höheren Anteil auf, während Rheinland-Pfalz und Bayern mit 7,3 bzw. 7,1 Prozent gleichauf liegen.

Mit dem Kulturfinanzbericht 2006 legen die Statistischen Ämter des Bundes und der Länder in Zusammenarbeit mit der Kultusministerkonferenz, der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und dem Deutschen Städtetag nach 2001 und 2003 zum dritten Mal einen umfassenden Bericht über die öffentliche Kulturfinanzierung vor. Dem Kulturbereich werden hierfür die Aufgabenbereiche Theater, Musikpflege, wissenschaftliche und nichtwissenschaftliche Bibliotheken und Museen, Denkmalschutz, auswärtige Kulturpolitik und sonstige Kulturpflege, Kunsthochschulen sowie die Verwaltung für kulturelle Angelegenheiten zugeordnet. Diese Definition orientiert sich an den Abgrenzungen der Europäischen Union und ermöglicht in Zukunft auch internationale Ausgabenvergleiche.

Als Neuerung im jetzt vorgelegten Bericht ist die ergänzende Darstellung des Bereichs Filmförderung hervorzuheben. Für die Filmförderung wurde im Jahr 2003 von Bund und Ländern ein Betrag von rund 161 Millionen Euro aufgewendet. Auf Thüringen entfielen davon 2,5 Millionen Euro, was fast exakt einem Euro pro Einwohner entspricht. Im Durchschnitt der Länder lag dieser Wert bei anderthalb Euro.
Autor: nnz

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