nnz-Forum: Wüstung Nordthüringen
Freitag, 28. Juli 2006, 17:52 Uhr
Nordhausen (nnz). Der Streit um die Kürzung der Theaterzuschüsse für Nordhausen und Sondershausen scheint nur eine Seite der Ungleichbehandlung der Thüringer Regionen zu sein. nnz-Leser Klaus-Uwe Koch hat ein weiteres Beispiel gefunden.
Die vorgesehene Radikaleinsparung des Theaters in Nordhausen hat deutlich gemacht, welchen Stellenwert unsere Region Nordthüringen bei den Verantwortlichen der Landesregierung genießt. Nämlich gar keinen.
Es gibt eine neuerliche Zumutung, die diesen Eindruck verstärkt: der neue FamilienFreizeitatlas der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit der Thüringer Staatskanzlei. Versehen mit einem ausführlichen Vorwort des Herrn Ministerpräsidenten, dass der Atlas durch Thüringen führe und zeige, was Familien im Freistaat gemeinsam unternehmen können. Heraus kommt jedenfalls, dass sie im Landkreis Nordhausen im Teichtal in Hainrode, im Rabensteiner Stollen bei Netzkater, beim Lama-Trekking in Sophienhof und auf dem Färberhof Ilfeld etwas unternehmen können.
Die Aufzählung ist abschließend, aber immerhin schon etwas. Natürlich muss jede Auswahl beschränkt sein. Die Verfasserin verweist extra auf die Unvollständigkeit der Angaben. In der Stadt Nordhausen jedenfalls sind der Tabakspeicher und das Tiergehege im Park aufgeführt. Ebenfalls abschließend. War da aber nicht noch etwas? Nun, in Erfurt scheint das Theater Nordhausen schon geschlossen. Auch das Loh-Orchester Sondershausen findet nirgends eine Erwähnung. Dafür aber das Bratwurstmuseum in Holzhausen. Klar, was macht wohl die Thüringer Kultur im Wesen ihres Herzens aus: natürlich die Bratwurst. Der Trost: Pullman City II wurde in unserer Region mit aufgeführt. Auch wenn das bei Hasselfelde und damit in Sachsen-Anhalt liegt. Danke, liebe Staatskanzlei!
Ich muss zugeben, dass ich mich über die Richtung dieser Publikation doch schon gewaltig geärgert habe: Ganz Nordthüringen – Eichsfeld, Nordhausen und der größte Teil des Kyffhäuserkreises bekamen fünf Seiten mit insgesamt 20 beschriebenen Ausflugszielen (einschließlich von Pullman City) zugestanden. Die anderen, in insgesamt acht Regionen aufgeteilten Standorte Thüringens kommen, wen das Kleingedruckte interessiert, da schon deutlich besser weg:
- Mühlhausen, Bad Salzungen, Eisenach: 18 Seiten, 68 Einträge;
- Bad Frankenhausen, Sömmerda, Erfurt, Gotha, Arnstadt: 18 Seiten, 65 Einträge;
- Apolda, Weimar, Jena: 16 Seiten, 55 Einträge;
- Altenburg, Gera, Greiz: 9 Seiten, 36 Einträge;
- Schmalkalden, Meiningen: 8 Seiten, 27 Einträge;
- Oberhof, Ilmenau, Suhl, Sonneberg: 20 Seiten; 72 Einträge;
- Rudolstadt, Saalfeld, Schleiz: 8 Seiten, 27 Einträge.
Erbsenzählerei? Kaum. Die augenscheinlich gewollte Unverhältnismäßigkeit der Einträge bezüglich Nordthüringens ist methodisch. Es drängt sich der Eindruck auf, hier wurde von der Staatskanzlei schon nach Gewinn- und Verlustzonen im Lande selektiert. Und wir werden eindeutig den kapitalen Verlierern zugeordnet.
Ich erwarte von unseren regionalen Politikern in Nordhausen, Heiligenstadt und Sondershausen eine entsprechende Reaktion und Antwort auf dieses in der Frage der Gleichbehandlung der Thüringer interessante Werk aus dem Hause des Herrn Althaus, darauf, wie man gedenkt, zukünftig die regionale Ausgewogenheit - nicht nur für den touristischen Bereich - im Freistaat zu wahren. Die Tendenz, die im FamilienFreizeitatlas der Staatskanzlei subtil untergeschoben wird – Im Norden nix los! - lässt mich für unsere Zukunft in Nordthüringen wenig Gutes ahnen. Zumindest, wenn es nach einigen Damen und Herren in der Landeshauptstadt geht. Aber das hängt auch davon ab, ob wir uns das gefallen lassen.
Klaus-Uwe Koch, Nordhausen
Die vorgesehene Radikaleinsparung des Theaters in Nordhausen hat deutlich gemacht, welchen Stellenwert unsere Region Nordthüringen bei den Verantwortlichen der Landesregierung genießt. Nämlich gar keinen.
Es gibt eine neuerliche Zumutung, die diesen Eindruck verstärkt: der neue FamilienFreizeitatlas der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit der Thüringer Staatskanzlei. Versehen mit einem ausführlichen Vorwort des Herrn Ministerpräsidenten, dass der Atlas durch Thüringen führe und zeige, was Familien im Freistaat gemeinsam unternehmen können. Heraus kommt jedenfalls, dass sie im Landkreis Nordhausen im Teichtal in Hainrode, im Rabensteiner Stollen bei Netzkater, beim Lama-Trekking in Sophienhof und auf dem Färberhof Ilfeld etwas unternehmen können.
Die Aufzählung ist abschließend, aber immerhin schon etwas. Natürlich muss jede Auswahl beschränkt sein. Die Verfasserin verweist extra auf die Unvollständigkeit der Angaben. In der Stadt Nordhausen jedenfalls sind der Tabakspeicher und das Tiergehege im Park aufgeführt. Ebenfalls abschließend. War da aber nicht noch etwas? Nun, in Erfurt scheint das Theater Nordhausen schon geschlossen. Auch das Loh-Orchester Sondershausen findet nirgends eine Erwähnung. Dafür aber das Bratwurstmuseum in Holzhausen. Klar, was macht wohl die Thüringer Kultur im Wesen ihres Herzens aus: natürlich die Bratwurst. Der Trost: Pullman City II wurde in unserer Region mit aufgeführt. Auch wenn das bei Hasselfelde und damit in Sachsen-Anhalt liegt. Danke, liebe Staatskanzlei!
Ich muss zugeben, dass ich mich über die Richtung dieser Publikation doch schon gewaltig geärgert habe: Ganz Nordthüringen – Eichsfeld, Nordhausen und der größte Teil des Kyffhäuserkreises bekamen fünf Seiten mit insgesamt 20 beschriebenen Ausflugszielen (einschließlich von Pullman City) zugestanden. Die anderen, in insgesamt acht Regionen aufgeteilten Standorte Thüringens kommen, wen das Kleingedruckte interessiert, da schon deutlich besser weg:
- Mühlhausen, Bad Salzungen, Eisenach: 18 Seiten, 68 Einträge;
- Bad Frankenhausen, Sömmerda, Erfurt, Gotha, Arnstadt: 18 Seiten, 65 Einträge;
- Apolda, Weimar, Jena: 16 Seiten, 55 Einträge;
- Altenburg, Gera, Greiz: 9 Seiten, 36 Einträge;
- Schmalkalden, Meiningen: 8 Seiten, 27 Einträge;
- Oberhof, Ilmenau, Suhl, Sonneberg: 20 Seiten; 72 Einträge;
- Rudolstadt, Saalfeld, Schleiz: 8 Seiten, 27 Einträge.
Erbsenzählerei? Kaum. Die augenscheinlich gewollte Unverhältnismäßigkeit der Einträge bezüglich Nordthüringens ist methodisch. Es drängt sich der Eindruck auf, hier wurde von der Staatskanzlei schon nach Gewinn- und Verlustzonen im Lande selektiert. Und wir werden eindeutig den kapitalen Verlierern zugeordnet.
Ich erwarte von unseren regionalen Politikern in Nordhausen, Heiligenstadt und Sondershausen eine entsprechende Reaktion und Antwort auf dieses in der Frage der Gleichbehandlung der Thüringer interessante Werk aus dem Hause des Herrn Althaus, darauf, wie man gedenkt, zukünftig die regionale Ausgewogenheit - nicht nur für den touristischen Bereich - im Freistaat zu wahren. Die Tendenz, die im FamilienFreizeitatlas der Staatskanzlei subtil untergeschoben wird – Im Norden nix los! - lässt mich für unsere Zukunft in Nordthüringen wenig Gutes ahnen. Zumindest, wenn es nach einigen Damen und Herren in der Landeshauptstadt geht. Aber das hängt auch davon ab, ob wir uns das gefallen lassen.
Klaus-Uwe Koch, Nordhausen
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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