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Demo im Landratsamt

Montag, 17. Dezember 2001, 16:13 Uhr
Nordhausen (nnz). Den Montag hätten sich die MitarbeiterInnen des Nordhäuser Landratsamtes anders vorgestellt. Statt vorweihnachtlicher Stimmung wurde die Behörde von einer Demonstration heimgesucht.


Asylbewerber aus Ellrich hatten sich am Vormittag auf den Weg nach Nordhausen gemacht. Ihr Ziel war die Ausländerbehörde des Landratsamtes. Ihr Hintergrund war der Tod des Asylbewerber Achidi John, der in Ellrich untergebracht war (siehe dazu auch im nnz-Archiv). Der Mann aus Kamerun starb nach dem Zwangseinflößen eines Brechmittels durch die Polizei unlängst in Hamburg. Wie die nnz erfuhr, wollten die Ausländer ihren toten Freund noch einmal sehen.

Kurz vor 10 Uhr protestierten rund 12 Asylberber im Landratsamt. Die Verwaltungsspitze als Hausherr informierte daraufhin die Polizei, da die Situation zu eskalieren drohte. Da wurden die Mitarbeiter der Ausländerbehörde mit „Nazi-Deutschland“ beschimpft, nur weil sie nicht sagen konnten, wo sich der Tote befindet. Die Beamten konnten die Ausländer beruhigen, im polizeideutsch heißt das: Deeskalation! Doch die Demonstranten ließen sich nicht abbringen, ein zweiter Einsatz der Polizei folgte. Diesmal erteilten die Beamten Platzverweise, denn der Arbeitsablauf im Bereich der Ausländerbehörde wurde zum Beispiel durch Gesänge und Geschrei der Asylbewerber massiv gestört. Nach nnz-Informationen werden Mitarbeiter der Kreisverwaltung gegen einige Ausländer Anzeige wegen Beleidigung erstatten.

In Gesprächen zwischen Vertretern der Kreisverwaltung und der Gruppe aus Ellrich wurde schließlich ein Kompromiß gefunden. Bis morgen sollen Informationen über den Aufenthaltsort der obduzierten Leiche vorliegen, dann erhalten Freunde und Bekannte von Achidi John einen Urlaubsschein, mit dem sie den Landkreis Nordhausen verlassen dürfen. Allerdings, so die Kreisverwaltung, müssen sie sich bei Entgegennahme der Urlaubsscheine ausweisen können. Nach nnz-Informationen soll sich ein Sprecher der Gruppe inzwischen beim Landratsamt für die „Aussetzer“ seiner Landsleute entschuldigt haben.
Autor: nnz

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