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Einmischung?

Montag, 24. Juli 2006, 11:45 Uhr
Nordhausen/Erfurt (nnz). Normalerweise ist die Bildung in Thüringen Sache des Kultusministeriums. Jetzt aber „mischt“ sich Wirtschaftsminister Jürgen Reinholz (CDU) in das Ressort seines Kollegen Goebel ein. Die nnz mit den Einzelheiten.


Anlässlich des Schuljahresendes hat Thüringens Wirtschaftsminister Jürgen Reinholz (CDU) an die Unternehmen im Freistaat appelliert, verstärkt Lehrstellen anzubieten. „Der Fachkräftebedarf von morgen kann nur dadurch gedeckt werden, dass heute mit Volldampf ausgebildet wird“, sagte Reinholz. Er verwies auf die aktuelle Fachkräftestudie, der zufolge in Thüringen bis zum Jahr 2013 zwischen 110 000 und 130 000 neue Fachkräfte gebraucht werden.

Die größte Nachfrage – mit einem Bedarf von jeweils mehr als 7 000 Stellen – ergibt sich dabei in den Ingenieur-, Metall- und Technikerberufen, Büroberufen, Gesundheitsdienstleistungen, Handelsberufen, Reinigungs- und Entsorgungsberufen sowie sozialpflegerischen Berufen. Auf diese Tätigkeiten entfällt die Hälfte des gesamten Neubedarfs an Fachkräften. Fast 90% des Neubedarfs entstehen, weil Stellen älterer Beschäftigter, die aus dem Erwerbsleben ausscheiden, neu besetzt werden müssen. Rund 10% der Nachfrage ergeben sich aus dem Beschäftigungszuwachs vor allem im verarbeitenden Gewerbe.

Reinholz machte deutlich, dass sich im Vorhersagezeitraum der Fachkräftestudie bis 2013 kein generelles Defizit an Fachkräften in Thüringen ergibt. So steht zur Deckung der Gesamtnachfrage in Thüringen ein großes Reservoir an Absolventen der beruflichen Ausbildung oder eines Studiums, an Berufspendlern und Arbeitslosen zur Verfügung, das quantitativ über dem prognostizierten Einstellungsbedarf der Unternehmen liegt.

Dennoch können sich in Teilbereichen des Arbeitsmarktes Fachkräftedefizite entwickeln. Das betrifft insbesondere die Ingenieur- und Technikerberufe sowie verschiedene qualifizierte Facharbeiterberufe. Problematisch seien in diesem Zusammenhang auch die weiterhin drastisch sinkenden Schülerzahlen. Nach Schätzungen der Bundesagentur für Arbeit (BA) wird die Zahl der Schulabgänger in Thüringen von knapp 32 500 in diesem Jahr auf weniger als 17 000 im Jahr 2013 sinken. „Darauf müssen sich die Unternehmen durch Ausbildung, Personalplanung und eine angemessene Lohnpolitik frühzeitig einstellen“, forderte der Minister.

„Es besteht die Gefahr, dass Angebot und Nachfrage nach Fachkräften weiter auseinanderdriften“, so Reinholz. So werde in einigen Bereichen – z.B. den Bauberufen – derzeit noch über den zu erwartenden Bedarf hinaus ausgebildet, während in einigen Dienstleistungsberufen zu wenig qualifiziertes Personal zur Verfügung steht. „Die wichtigste Aufgabe von Politik und Wirtschaft muss es daher sein, durch geeignete Aus- und Weiterbildungsangebote und eine bessere Berufswahlvorbereitung die Lücke zwischen Fachkräfteangebot und nachfrage zu schließen“, so der Wirtschaftsminister.

Dazu leistet im Rahmen des Thüringer Ausbildungspakts auch die Thüringer Landesregierung einen erheblichen Beitrag – von der Förderung von Ausbildungsplätzen und Qualifizierungsmaßnahmen über die Unterstützung einer möglichst frühzeitigen Berufswahlvorbereitung in den Schulen und die Informationskampagne „thueringenperspektiv.de“ bis hin zur Förderung sogenannter Qualifizierungsberater, die die Unternehmen in Fragen der beruflichen Aus- und Weiterbildung beraten. Insgesamt gibt der Freistaat in diesem Jahr rund 43 Millionen Euro für diesen Zweck aus.

Die Studie „Entwicklung des Fachkräftebedarfs in Thüringen 2006“ ist eine Fortschreibung der erstmals im Jahr 2002 aufgelegten Fachkräftestudie und beschreibt die gegenwärtige und zukünftige Entwicklung des Arbeits- und Fachkräftebedarfs in den einzelnen Berufsgruppen und in den vier Thüringer Planungsregionen. Derzeit liegen erste Ergebnisse der Studie vor, die am 13. September 2006 veröffentlicht wird.
Autor: nnz

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