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Super-Job zu haben

Freitag, 21. Juli 2006, 11:16 Uhr
Nordhausen (nnz). In diesem Sommer wird Dietrich Beyse seinen Schreibtisch im Rathaus verlassen. Nach 16 Jahren verabschiedet sich der christdemokratische Kommunalpolitiker in den Ruhestand. Morgen soll die Stellenausschreibung für den gut dotierten Dezernenten-Job veröffentlicht werden. Die nnz geht auf Kandidatensuche.


Eigentlich sind bei derartigen Ausschreibungen die Texte so formuliert, dass die Auswahl der Bewerber begrenzt wird. Da gab es schon in der Kreisverwaltung mal Ausschreibungen, die so maßgeschneidert waren, dass sich nur eine einzige Person dafür bewerben konnte. In der Stadtverwaltung Nordhausen ist das vermutlich nicht anders, hier wird nach nnz-Informationen ein Platz im Bereich Kultur zu besetzen sein. Irgendwann wird der auch besetzt, der Familienname des heißen Kandidaten könnte – so wird zum Beispiel im Kunsthaus Meyenburg geflüstert – mit einem R beginnen.

Kommen wir zur aktuellen Ausschreibung. Die ist so pauschal gehalten, dass der Eindruck entsteht, es könnten Bewerber außerhalb der Stadt wirklich eine Chance haben. Letztlich aber werden sie die nicht wirklich haben, da der Stadtrat wählt. Und da muss man sich an politische Versprechen halten, wie zwischen CDU und SPD, als Matthias Jendricke (SPD) überraschend eindeutig zum Bürgermeister gewählt worden war. Also ist die CDU dran. Die einigte sich schnell auf Inge Klaan, die daraufhin von der Sympathisantin zum Mitglied der Christdemokratischen Union mutierte.

Aber es gibt, wie bei vielen Personalien auch Gerüchte. So wurde mal hinter vorgehaltener Hand der Name Niels Neu ins Spiel gebracht. Der aufstrebende Nachwuchspolitiker, der unverkennbar von Egon Primas gefördert wird, könnte sich vielleicht dafür bewerben, auch wegen seiner wirtschaftsjuristischen Ausbildung. Macht er aber nicht, wie die nnz erfuhr. „Mein Spielfeld ist die freie Wirtschaft, jeder der mich kennt weiß, dass ich mich nicht in die schwerfälligen Abläufe einer Verwaltung mit langen Entscheidungswegen einfügen kann“. Neu, der mit Inge Klaan befreundet ist, plädiert für die Amtsleiterin. „Inge Klaan hat als Geschäftsführerin der Landesgartenschau bewiesen, das sie wirtschaftlich denken und arbeiten kann und somit die besten Voraussetzungen für diesen Job hat.“

Dieser Job ist durchaus als lukrativ einzuordnen, wenn man einen Blick in die Besoldungstabelle wirft. Die A 16 beginnt bei 4.127,57 Euro und endet bei 5.246,49 Euro, je nach dem, wie lange man durchhält. Hinzu kommen noch diverse Aufwandsentschädigungen. Wenn man schon bei den „Peanuts“ hängen bleibt, dann sollte der Vollständigkeit halber der „Sold“ der Oberbürgermeisterin und des Bürgermeisters mit dargestellt werden. Laut Bundesbesoldungsordnung B gibt es da 6.529,83 Euro, bzw. 5.798,27 Euro Grundgehalt.

Doch zurück zur Nachfolge von Dietrich Beyse: Ein Satz in der eher austauschbaren Stellenausschreibung sollten sich die Bewerber merken. „Erwartet werden auch die Bereitschaft und die Fähigkeit zur vertrauensvollen Zusammenarbeit mit der Oberbürgermeisterin und den gesamten Stadtrat“. Den Insidern ist bekannt, dass die Chemie zwischen Inge Klaan und Barbara Rinke nicht immer die beste war. Vielleicht liegt das an den gleichen Geschlechtschromosomen, vielleicht aber auch an der Zähigkeit der Inge Klaan beim Verfolgen eigener Vorstellungen, die mitunter eingefahrene Rituale verlassen. Die hatte auch einmal, Mitte der 90er Jahre Dietrich Beyse verlassen und war prompt von OB Rinke in den unfreiwilligen Urlaub geschickt worden. Seit dem gilt der Mann als sehr loyal gegenüber seiner Dienstherrin.

Die Arbeitszeit von Beyse endet am 30. September, seine Nachfolgeschaft soll auf der Stadtratssitzung am 20. September „geregelt“ werden.
Autor: nnz

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