Deutliche Worte
Montag, 17. Juli 2006, 07:59 Uhr
Nordhausen (nnz). Das Handwerk in Nordthüringen befindet sich in einer ausgesprochen komplizierten Ausbildungslage. Während eine Spitzensitzung wurde deutlich, dass es nach wie vor in vielen Betrieben keine ausreichende Stabilität gibt, um die Ausbildungszahlen zu erhöhen. Die Forderungen der Handwerker gibt es mit einem Klick auf MEHR.
Die immer noch mangelnde Eigenkraft ist die eine Seite der Medaille. Auf der anderen Seite bleiben Ausbildungsplätze insbesondere in den technischen Berufen aufgrund fehlender Qualifikation der Bewerber unbesetzt. Hier wird kritisiert, dass viele neu gefassten Ausbildungsordnungen ein Niveau voraussetzen, das von vielen Bewerbern nicht erreicht wird. Die Geschäftsführer appellierten an die zuständigen Gremien, das notwendig hohe Ausbildungsniveau einer Gesellenausbildung auf der einen Seite beizubehalten, für Lernschwächere andererseits mehr Möglichkeiten der Stufenausbildung zu schaffen. In einigen Berufen gibt es bereits Formen der Stufenausbildung, die sich in der Praxis hervorragend bewähren. Um die Zugangsvoraussetzungen für den Einstieg in die Ausbildung zu erweitern, sollte die Stufenausbildung stärkeren Einzug in die handwerkliche Berufsausbildung finden.
Weiterer Kritikpunkt war die zum Teil sehr statische Ausrichtung in den Agenturen für Arbeit und den Arbeitsgemeinschaften. Projekte und Modellvorhaben dürften nicht an Agenturgrenzen enden oder an einer fehlenden Kommunikation zwischen den Arbeitsgemeinschaften. Beispielsweise hätte es im Handwerkskammer-Projekt Tandem große Probleme gegeben, alle Plätze mit geeigneten Bewerbern zu besetzen. In dem Projekt erhalten 16 jugendliche Arbeitslose betriebliche Ausbildungsplätze sowie 16 Langzeitarbeitslose über 50 Jahre einen Arbeitsplatz; jeweils im Tandem. Da die Förderung der über 50-jährigen über die Arge Erfurt erfolgt, können interessierte Betriebe oder auch Arbeitslose außerhalb der Landeshauptstadt nicht daran teilnehmen.
Um die Ausbildungsfähigkeit zu erhöhen, setzt das Handwerk auf eine bessere Einbeziehung der allgemeinbildenden Schulen in der beruflichen Orientierung und Vorbereitung. Das Projekt Berufsstart wird noch bis 2007 gefördert. Da es sich aus Sicht des Handwerks bewährt, sollte das Land unbedingt die Fortsetzung der Förderung garantieren. Darüber hinaus regten die Handwerksvertreter an, den technisch-praktischen Unterricht der Schulen in Zusammenarbeit mit den Bildungseinrichtungen zu erweitern.
An das Land gerichtet ging ebenfalls die Forderung, mit der Berufsschulplanung und einem hohen Unterrichtsniveau die betriebliche Ausbildung zu unterstützen. Dies bedeutet , dass bei der Bildung von Landesfachklassen oder sogar Fachklassen von mehreren Bundesländern eine finanzielle Unterstützung der Lehrlinge für Fahrt- und Unterkunftskosten so geregelt sein muss, dass der Lehrling nicht finanziell überfordert wird.
Außerdem kritisierten die Vertreter von Kammer und Kreishandwerkerschaften den zu hohen Stundenausfall an berufsbildenden Schulen. Hohe Durchfallquoten insbesondere im fachtheoretischen Teil der Gesellenprüfungen sollten für die Schulverwaltung ein deutliches Alarmsignal sein, den Unterricht besser abzusichern.
Eine wichtige Bremse in der Ausbildungsbereitschaft sind die zum Teil sehr hohen Lehrlingsentgelte. In diesem Zusammenhang plädierten die Geschäftsführer an die Tarifvertragsparteien, zu bezahlbaren Entgelten zu kommen. Der dramatische Rückgang beispielsweise in der Bauausbildung ist nicht ausschließlich in der anhaltend schlechten Konjunktur zu sehen, sondern auch in den hohen Lehrlingsvergütungen.
Ein eindringlicher Appell zur Bereitstellung von Ausbildungsplätzen wurde an die Betriebe gerichtet. Für die Entwicklung eines Betriebes ist die Heranbildung eines eigenen Fachkräftenachwuchses immer noch die beste und zielsicherste Möglichkeit. Vorausschauende Personalpolitik lässt außerdem nicht außer Acht, dass die Zahl junger Menschen in den nächsten Jahren dramatisch sinken wird. Als eine der ersten Branchen wird dies das Handwerk spüren. Deshalb muss jetzt ausgebildet werden.
Handwerkskammer und Kreishandwerkerschaften werden in den kommenden Wochen verstärkt jene Betriebe aufsuchen und ansprechen, die zwar über eine Ausbildungsberechtigung verfügen, aber nicht ausbilden.
Autor: nnzDie immer noch mangelnde Eigenkraft ist die eine Seite der Medaille. Auf der anderen Seite bleiben Ausbildungsplätze insbesondere in den technischen Berufen aufgrund fehlender Qualifikation der Bewerber unbesetzt. Hier wird kritisiert, dass viele neu gefassten Ausbildungsordnungen ein Niveau voraussetzen, das von vielen Bewerbern nicht erreicht wird. Die Geschäftsführer appellierten an die zuständigen Gremien, das notwendig hohe Ausbildungsniveau einer Gesellenausbildung auf der einen Seite beizubehalten, für Lernschwächere andererseits mehr Möglichkeiten der Stufenausbildung zu schaffen. In einigen Berufen gibt es bereits Formen der Stufenausbildung, die sich in der Praxis hervorragend bewähren. Um die Zugangsvoraussetzungen für den Einstieg in die Ausbildung zu erweitern, sollte die Stufenausbildung stärkeren Einzug in die handwerkliche Berufsausbildung finden.
Weiterer Kritikpunkt war die zum Teil sehr statische Ausrichtung in den Agenturen für Arbeit und den Arbeitsgemeinschaften. Projekte und Modellvorhaben dürften nicht an Agenturgrenzen enden oder an einer fehlenden Kommunikation zwischen den Arbeitsgemeinschaften. Beispielsweise hätte es im Handwerkskammer-Projekt Tandem große Probleme gegeben, alle Plätze mit geeigneten Bewerbern zu besetzen. In dem Projekt erhalten 16 jugendliche Arbeitslose betriebliche Ausbildungsplätze sowie 16 Langzeitarbeitslose über 50 Jahre einen Arbeitsplatz; jeweils im Tandem. Da die Förderung der über 50-jährigen über die Arge Erfurt erfolgt, können interessierte Betriebe oder auch Arbeitslose außerhalb der Landeshauptstadt nicht daran teilnehmen.
Um die Ausbildungsfähigkeit zu erhöhen, setzt das Handwerk auf eine bessere Einbeziehung der allgemeinbildenden Schulen in der beruflichen Orientierung und Vorbereitung. Das Projekt Berufsstart wird noch bis 2007 gefördert. Da es sich aus Sicht des Handwerks bewährt, sollte das Land unbedingt die Fortsetzung der Förderung garantieren. Darüber hinaus regten die Handwerksvertreter an, den technisch-praktischen Unterricht der Schulen in Zusammenarbeit mit den Bildungseinrichtungen zu erweitern.
An das Land gerichtet ging ebenfalls die Forderung, mit der Berufsschulplanung und einem hohen Unterrichtsniveau die betriebliche Ausbildung zu unterstützen. Dies bedeutet , dass bei der Bildung von Landesfachklassen oder sogar Fachklassen von mehreren Bundesländern eine finanzielle Unterstützung der Lehrlinge für Fahrt- und Unterkunftskosten so geregelt sein muss, dass der Lehrling nicht finanziell überfordert wird.
Außerdem kritisierten die Vertreter von Kammer und Kreishandwerkerschaften den zu hohen Stundenausfall an berufsbildenden Schulen. Hohe Durchfallquoten insbesondere im fachtheoretischen Teil der Gesellenprüfungen sollten für die Schulverwaltung ein deutliches Alarmsignal sein, den Unterricht besser abzusichern.
Eine wichtige Bremse in der Ausbildungsbereitschaft sind die zum Teil sehr hohen Lehrlingsentgelte. In diesem Zusammenhang plädierten die Geschäftsführer an die Tarifvertragsparteien, zu bezahlbaren Entgelten zu kommen. Der dramatische Rückgang beispielsweise in der Bauausbildung ist nicht ausschließlich in der anhaltend schlechten Konjunktur zu sehen, sondern auch in den hohen Lehrlingsvergütungen.
Ein eindringlicher Appell zur Bereitstellung von Ausbildungsplätzen wurde an die Betriebe gerichtet. Für die Entwicklung eines Betriebes ist die Heranbildung eines eigenen Fachkräftenachwuchses immer noch die beste und zielsicherste Möglichkeit. Vorausschauende Personalpolitik lässt außerdem nicht außer Acht, dass die Zahl junger Menschen in den nächsten Jahren dramatisch sinken wird. Als eine der ersten Branchen wird dies das Handwerk spüren. Deshalb muss jetzt ausgebildet werden.
Handwerkskammer und Kreishandwerkerschaften werden in den kommenden Wochen verstärkt jene Betriebe aufsuchen und ansprechen, die zwar über eine Ausbildungsberechtigung verfügen, aber nicht ausbilden.
