Asylbewerber aus Ellrich tot
Donnerstag, 13. Dezember 2001, 17:20 Uhr
Nordhausen (nnz). Die Fragwürdigkeit von diversen Polizeimaßnahmen steht seit langem in der Kritik der Öffentlichkeit und selbst der Justiz. Jetzt gab es einen Toten. nnz informiert Sie über einen tragischen Fall.
Asylbewerber Achidi John (19) war schon öfter nach Hamburg gefahren, um Drogengeschäfte zu tätigen. Wie so viele glaubte er, damit sein Taschengeld aufbessern zu können. Der Kameruner, welcher einen Asylantrag gestellt hatte, war dem Landkreis Nordhausen unterstellt und lebte seit Mai letzten Jahres im Asylbewerberheim in Ellrich. Dort war er als Problemfall bekannt, drogenauffällig wurde er aber nie. Weder den Zuständigen vom hiesigen Landkreis noch anderen Behörden lag etwas gegen ihn vor. Zwar wurde gegen ihn einmal ein Bußgeld angeordnet, weil er sich unerlaubt außerhalb des Landkreises aufhielt. Doch die Staatsanwaltschaft musste bis jetzt nicht bemüht werden.
Am vergangenen Sonntag war es wieder einmal soweit. Achidi John fährt nach Hamburg, verschafft sich Drogen und will sie anschließend verkaufen. Daraus wird nichts, die Polizei macht ihm einen Strich durch die Rechnung. Auf frischer Tat ertappt, wird er auf Drogen untersucht. Jacke, Hose, Taschen, alles wird gefilzt - man findet nichts. Die Routine der Beamten lässt erahnen, wo die Drogen versteckt sind - und zwar im Magen. Was die Polizei jetzt unternimmt, soll sich später als fataler Fehler herausstellen. Zur Beweissicherung zwingt man ihn gewaltsam, unter ärztlicher Aufsicht ein Brechmittel einzunehmen. Doch diese Maßnahme läuft alles andere als vorgesehen.
Der junge Mann wehrt sich heftig gegen den Einsatz des sogenannten Ipecacuanha-Sirup - er hat keine Chance. Mit einer Magensonde gelingt es den Ärzten beim dritten Anlauf, ihm den Brechwurzelsaft einzuflößen. Dann plötzlich, Achidi John bekommt einen Anfall und liegt ohnmächtig auf dem Boden. Drei Minuten später stellt der Arzt einen Herzstillstand fest. Die sofortige Einlieferung auf die Intensivstation der Klinik kann ihm nicht mehr helfen, er fällt ins Koma. Gestern starb er gegen halb drei nachmittags am Hirntod. Die Ärzte konnten zu diesem Zeitpunkt weder Hirnströme noch andere Aktivitäten messen. Ihnen blieb nichts weiter übrig, als die Geräte abzustellen.
Eine anschließende Obduktion ergab, dass Achidi John 41 Crackkügelchen im Magen hatte. Alle Kugeln waren intakt und führten nicht zu einer Vergiftung. Allerdings ging zu diesem Zeitpunkt eine nicht unerhebliche medizinische Gefahr von den Drogen aus, sie hätten epileptische Krampfanfälle auslösen können.
Autor: vfAsylbewerber Achidi John (19) war schon öfter nach Hamburg gefahren, um Drogengeschäfte zu tätigen. Wie so viele glaubte er, damit sein Taschengeld aufbessern zu können. Der Kameruner, welcher einen Asylantrag gestellt hatte, war dem Landkreis Nordhausen unterstellt und lebte seit Mai letzten Jahres im Asylbewerberheim in Ellrich. Dort war er als Problemfall bekannt, drogenauffällig wurde er aber nie. Weder den Zuständigen vom hiesigen Landkreis noch anderen Behörden lag etwas gegen ihn vor. Zwar wurde gegen ihn einmal ein Bußgeld angeordnet, weil er sich unerlaubt außerhalb des Landkreises aufhielt. Doch die Staatsanwaltschaft musste bis jetzt nicht bemüht werden.
Am vergangenen Sonntag war es wieder einmal soweit. Achidi John fährt nach Hamburg, verschafft sich Drogen und will sie anschließend verkaufen. Daraus wird nichts, die Polizei macht ihm einen Strich durch die Rechnung. Auf frischer Tat ertappt, wird er auf Drogen untersucht. Jacke, Hose, Taschen, alles wird gefilzt - man findet nichts. Die Routine der Beamten lässt erahnen, wo die Drogen versteckt sind - und zwar im Magen. Was die Polizei jetzt unternimmt, soll sich später als fataler Fehler herausstellen. Zur Beweissicherung zwingt man ihn gewaltsam, unter ärztlicher Aufsicht ein Brechmittel einzunehmen. Doch diese Maßnahme läuft alles andere als vorgesehen.
Der junge Mann wehrt sich heftig gegen den Einsatz des sogenannten Ipecacuanha-Sirup - er hat keine Chance. Mit einer Magensonde gelingt es den Ärzten beim dritten Anlauf, ihm den Brechwurzelsaft einzuflößen. Dann plötzlich, Achidi John bekommt einen Anfall und liegt ohnmächtig auf dem Boden. Drei Minuten später stellt der Arzt einen Herzstillstand fest. Die sofortige Einlieferung auf die Intensivstation der Klinik kann ihm nicht mehr helfen, er fällt ins Koma. Gestern starb er gegen halb drei nachmittags am Hirntod. Die Ärzte konnten zu diesem Zeitpunkt weder Hirnströme noch andere Aktivitäten messen. Ihnen blieb nichts weiter übrig, als die Geräte abzustellen.
Eine anschließende Obduktion ergab, dass Achidi John 41 Crackkügelchen im Magen hatte. Alle Kugeln waren intakt und führten nicht zu einer Vergiftung. Allerdings ging zu diesem Zeitpunkt eine nicht unerhebliche medizinische Gefahr von den Drogen aus, sie hätten epileptische Krampfanfälle auslösen können.
