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Masern auf dem Vormarsch

Montag, 03. Juli 2006, 14:52 Uhr
Nordhausen (nnz). In vielen Ländern tritt seit geraumer Zeit eine Infektionskrankheit wieder verstärkt auf, die Masern. Auch Deutschland ist davon betroffen. Die Gesundheitsämter warnen vor Sorglosigkeit und raten zu dringendem Impfschutz.

Wie jetzt der Fachbereich Gesundheit des Landkreises Nordhausen mitteilt, erkrankten in diesem Jahr in Nordrhein-Westfalen 1406 und in Baden Württemberg 86 Personen. Bei 190 dieser Patienten war ein schwerer Verlauf zu beobachten. Drei Betroffene erlitten eine Gehirnentzündung. Auch aus anderen Ländern, so aus Dänemark, Griechenland, Großbritannien, Schweden und Spanien wurden Erkrankungsfälle gemeldet. Unter den 4.000 in Rumänien gezählten Betroffen waren 10 Todesfälle zu beklagen, in der Ukraine wurden 19.000 Erkrankungen registriert. Ein hohes Infektionsrisiko besteht ebenso in beliebten Reiseländern wie z. B. Kenia, wo bisher 1.400 Erkrankungen und 27 Todesfälle auftraten.

Ursache solcher Epidemien und Erkrankungshäufungen waren wesentlich zu niedrige Durchimpfungsraten. Das heißt: Die Gefahr von Masern-Epidemien besteht überall dort, wo nicht 95 bis 97 Prozent aller Kinder und Jugendlichen zweifach gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) geimpft sind. Durch die Einschleppung von Masernerkrankungen aus dem Ausland bzw. aus anderen Bundesländern besteht nach wie vor auch in Thüringen für nicht geimpfte Personen das Risiko einer Ansteckung.

Wenngleich in den ersten fünf Monaten diesen Jahres im Freistaat Thüringen bisher lediglich fünf Erkrankungen erfasst wurden, gibt es keinen Grund zur Sorglosigkeit. Denn das Masernvirus breitet sich schnell aus. Es wird durch Tröpfcheninfektion, zum Beispiel beim Husten oder Niesen, übertragen. Schon ein Aufenthalt in der Nähe eines Erkrankten kann eine Ansteckung hervorrufen. Zwischen der Infektion und dem Auftreten der ersten Krankheitszeichen vergehen 9 bis 12 Tage. Masern beginnen zunächst mit hohem Fieber, Reizhusten, Schnupfen und Bindehautentzündung, etwas später ist ein rötlicher Hautausschlag zu beobachten.

Masern werden auch heute noch vielfach unterschätzt, sie sind aber keine harmlose Kinderkrankheit! Sie bergen schwere Risiken in sich, wie Mittelohrentzündung, Bronchitis oder Lungenentzündung. Eine sehr schwere Komplikation bei Masern ist die Gehirnentzündung, die in vielen Fällen zum Tod führt.

Das Risiko einer Gehirnentzündung ist bei älteren Kindern und Jugendlichen 10-fach höher als bei Kleinkindern. Wird auf 1.000 Masernerkrankungen bei Teenagern eine Gehirnentzündung festgestellt, tritt dies bei Kleinkindern bei jeder 10.000 Erkrankung auf. Jeder fünfte Erkrankte behält mehr oder minder schwere Dauerschäden, wie z. B. einen Hörverlust oder eine geistige Behinderung zurück. Diese Zahlen verdeutlichen, wie gefährlich sogenannte Masernpartys, die gelegentlich von Impfgegnern empfohlen werden, sein können.

Diese Tatsachen sollten gerade vor der jetzt beginnenden Reisesaison Anlass sein, den Impfstatus, insbesondere der MMR-Impfung, bei allen Kindern und Jugendlichen noch einmal genau zu überprüfen. Während der Ferien und vor allem bei Reisen kommt es zu vielfältigen Kontakten. Damit besteht auch ein deutlich höheres Infektionsrisiko. Noch ist Zeit, verpasste Impfungen nachzuholen bzw. die Wiederholungsimpfung vom Hausarzt bzw. Kinderarzt vornehmen zu lassen.

Da ein optimaler Schutz erst nach der zweimaligen Impfung mit dem Kombinationsimpfstoff gegen Masern-Mumps-Röteln (MMR) besteht; sollten fehlende Impfungen schnellstmöglich nachgeholt werden. Der Schutz setzt 10 - 14 Tage nach der Immunisierung ein. Die Impfung ist aber auch vor einer kurzfristigen Abreise sinnvoll, da sie selbst nach unmittelbar erfolgter Infektion noch wirksam wird bzw. einen abgeschwächten Krankheitsverlauf bewirken kann. Eltern aller Dritt- bis Zwölfklässler des Landkreises Nordhausen erhalten in den nächsten Tagen durch den Fachbereich Gesundheit Informationsbriefe, in denen um Überprüfung und evtl. Nachholen des Impfschutzes gebeten wird.

Ebenso sollten vor Reisen auch die anderen, nach dem Impfkalender notwendigen Impfungen gegen Tetanus, Diphtherie, Kinderlähmung, Keuchhusten und Hepatitis B kontrolliert und ggf. nachgeholt, bzw. aufgefrischt werden.

Im Zusammenhang mit Reisen können auch andere Erkrankungen eine Gefahr darstellen, gegen die eine Schutzimpfung möglich ist, wie z. B. Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME), Hepatitis A, Meningokokken-Infektionen und Gelbfieber. Hausärzte und das Gesundheitsamt des Landkreises bieten umfassende Beratungen zu allen Schutzimpfungen und anderen Gesundheitsfragen im Zusammenhang mit Reisen. Weitere Infos erhält man unter Tel. 03631/911170.
Autor: nnz

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