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Drüber hinweg

Mittwoch, 14. Juni 2006, 11:07 Uhr
Nordhausen/Ellrich (nnz). 54 zu 28 – das waren zwei Zahlen, die dem (Noch)-Bürgermeister von Ellrich am Abend des 7. Mai 2006 einen Schock versetzten. Jetzt – mit dem Abstand von mehr als einem Monat – kann Gerald Schröder damit umgehen und erzählt im nnz-Gespräch über Frust, Lust und seine Zukunft.


Mit 53 will er noch zehn Jahre arbeiten. Sechs davon wäre er wohl gern noch Bürgermeister der Einheitsgemeinde Ellrich gewesen. Doch das Wahlvolk im Südharz sah das anders und wählte Gerald Schröder nicht nur ab, es strafte ihn ab. 28 Prozent der abgegebenen Stimmen, „für mich war das entsetzlich. Mit allem hätte ich gerechnet, mit diesem Ergebnis nicht“.

Schröder glaubt nicht, dass ihn seine Sympathie für die CDU viele Stimmen gekostet haben könnte. Er habe eher im Wahlkampf nichts versprochen wie sein designierter Nachfolger, er habe auf die leeren Kassen hingewiesen. Dabei hätte ein Schröder mit 16jähriger kommunaler Erfahrung doch wissen müssen, dass mit Ehrlichkeit ein Wahlkampf am schwersten zu gewinnen ist. Und: „Die CDU und ich haben den Populismus der Einheitstruppe von FDP, PDS und Bürgerbewegung nicht ernst genommen.“

Gerald Schröder hätte gerne weitergemacht. Dementsprechend war er in ein Loch gefallen, nach diesem 7. Mai. Jetzt kann er „gut damit umgehen“ und hat diverse Bewerbungen abgeschickt. Vielleicht wieder ein Job als Berufsschullehrer, aber nicht 40 Stunden in der Woche. Vorstellen könne sich der Mann auch eine beratende Tätigkeit, die begonnenen Projekte mit der Nordhäuser Fachhochschule (nnz berichtete mehrfach) wolle er zu Ende bringen und vielleicht fortsetzen.

Die Niederlage hat der bekennende Biker verarbeitet, er sieht sie auch als einen kleinen Sieg – „es gibt für mich ein Leben danach, das will ich jetzt anpacken, nach 16 Jahren.“ Bei der Suche nach dem beruflichen Inhalt dieses Lebens danach habe ihn die CDU nicht allein gelassen, Unterstützung wurde zugesagt. Für seinen Nachfolger hat er Glückwünsche parat, nicht ganz ohne sarkastischen Unterton: „Viel Spaß, lieber Herr Ehrhold bei der künftigen Arbeit, vor allem mit diesem Stadtrat...“
Autor: nnz

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