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Dreiklang für die Sinne

Mittwoch, 14. Juni 2006, 10:52 Uhr
Nordhausen (nnz). Ende Mai gab es in Nordhausen eine Licht-Inszenierung der besonderen Art. Im Mittelpunkt standen der Künstler Feininger und die Blasiikirche. Dazu eine Nachbetrachtung von Dr. Ralph Philipp Ziegler für die Leser der nnz.


Dreiklang für die Sinne (Foto: nnz) Dreiklang für die Sinne (Foto: nnz) Die Idee einer „Synthese der Künste“ ist den Bauhaus-Künstlern der Weimarer Epoche nicht fremd. Dennoch ist die Neurealisierung von Feiningers Aquarellen Thüringer Kirchen am Vorbildobjekt eine Kunstform, mit der der Künstler einst sicherlich kaum gerechnet haben dürfte. Was mit der Dorfkirche von Gelmeroda zum Weimarer Kulturstadt-Jahr 1999 erstmals unternommen wurde, fand in den Abendstunden des 27. Mai an der bedeutend größeren und durch die spannenden Unregelmäßigkeiten markanten St. Blasii-Kirche in Nordhausen eine ähnlich, aber nicht kopierte Renaissance. Es war die spektakukläre Abschlussinszenierung des „Erlebnis Feininger – Festival der Künste und Sinne“ der Landesmusikakademie Sondershausen.

Der expressive Baukörper der mittelalterlichen Kirche als thüringenweit am weitesten nördlich gelegenes Motiv der Feininger-Aquarelle hat Anne-Kristin Schmidt, Initiatorin und Leiterin des Erlebnis Feininger – Festival der Künste und Sinne, auf die Idee zur Lichtinszenierung gerade in Nordhausen gebracht.

Die alltägliche Realität der Straßenbeleuchtung für einen Augenblick auszublenden und die packende Farbenvision eines wegweisenden Künstlers sinnlich erlebbare Wirklichkeit werden zu lassen – das war für die Gestalter Stefan W. Klima und Detlef Schmidt vom Nordhäuser Architekturbüro ORTSBILD die Motivation, sich nicht nur mit aller Begeisterung des kreativ arbeitenden Architekten und Städtegestalters diesem Projekt zu widmen, sondern dies auch noch als Sponsoring für das Ereignis am Unternehmensstandort zu tun.

Dazu addierte sich die Verschmelzung mit musikalischen Farben, die von Silke Gonska realisiert wurden. Eingeleitet von einem fugierten „Der Mond ist aufgegangen“, steigerte die Künstlerin Intensität und Klangfarben der vokalen Performance parallel zu den sich aufbauenden Farben. Der silberne Ton der Triangel wirkte dabei als paralleler Auslöser zu den jeweils neuen Farbkomponenten.

Die Synthese von Musik und Malerei, die Verbindung von Farben und Klängen spielte nicht nur für das Bauhaus in Weimar, an dem Lyonel Feininger lehrte, sondern auch im weiteren Leben des Künstlers eine bedeutende Rolle. In Nordhausen wurde das Werk seiner mitteldeutschen Aquarelle nunmehr erneut zur beeindruckenden nächtlichen Illumination. Am Ende erstrahlten vor allem die beiden ungleichen Türme der Kirche in für die Bürger völlig ungewohntem, faszinierendem Licht. Die 52m hohe Laternenspitze des größeren Turmes leuchtete dabei von innen wie ein Signal über der ganzen Stadt.

Diese Lichtinszenierung an einem der Wahrzeichen der Stadt wurde dank der Förderung durch die Sparkasse und der intensiven personellen Unterstützung des Theaters Nordhausen möglich. Das Kunsthaus Meyenburg sowie Jürgen Karwath waren logistisch und der Jazzclub mit professioneller Beschallungstechnik beteiligt; die Stadtverwaltung schließlich sorgte für einen unbürokratischen Ablauf des Gesamtereignisses, bei dem trotz Regens 300 Besucher den außergewöhnlichen Anblick zum Feininger-Jahr erlebten.

Dr. Ralph Philipp Ziegler ist Dozent für Kulturmanagement an der Hochschule für Musik „Franz List“ Weimar sowie künstlerischer Leiter „ Neue Philharmonie Frankfurt“
Autor: nnz

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