nnz-Rückspiegel: 11. Dezember 2000
Dienstag, 11. Dezember 2001, 07:24 Uhr
Nordhausen (nnz). Können Sie sich noch erinnern, was vor einem Jahr im Landkreis Nordhausen los war? Die nnz hat im Archiv gesucht und folgende Meldungen gefunden.
Autobahntrasse bei Sollstedt: Unbefriedigende Antwort der DEGES
Als völlig unbefriedigend bezeichnet Jürgen Hohberg die Antworten der DEGES, die heute auf seinen Schreibtisch flatterten. Das Unternehmen nahm in einem mehrseitigen Brief zu Fragen der Sollstedter Bürger Stellung, die bei einer Sitzung des Bauausschusses in der Festhalle gestellt wurden. Eine genaue Auswertung des Schreibens soll sowohl in der Gemeindeverwaltung als auch mit den Gemeinderäten in den nächsten Tagen vorgenommen werden, kündigte Hohberg gegenüber der nnz an. Über die weitere Vorgehensweise soll dann im Januar im Bauausschuß des Gemeinderates entschieden werden. Bislang scheint ein Konsens zwischen den planerischen Vorstellungen und dem Bürgerwillen hinsichtlich der Trassenführung der A 38 in weite Ferne gerückt.
Für Hohberg unverständlich ist der Umstand, daß sich die DEGES dagegen verwahrt, daß sich der Gemeinderat 1994 unter Druck gesetzt fühlte, als über die sogenannte Vorzugsvariante entschieden wurde. Schon damals favorisierten die Sollstedter eine Tunnellösung, wollten jedoch nicht als Verhinderer dieses wichtigen Verkehrsprojektes gelten. Mit der neuen Trassenführung unmittelbar am Ort (Friedhofsvariante) können sich die Bürger der Gemeinde nach wie vor nicht einverstanden erklären.
Nordhäuser Polit-Theater geht in eine weitere Runde
Heute nachmittag wird ein weiteres Kapitel in der unendlichen Geschichte der Beigeordnetenwahl für die Kreisverwaltung aufgeschlagen. Erneut müssen die Mitglieder des Kreistages über die Aufhebung der Beschlüsse vom 5. September befinden. Und erneut werden die Fraktionen von SPD und PDS diesen Antrag ablehnen. Und erneut ist das Landesverwaltungsamt gefragt. nnz blickt zurück zu diesem Zeitpunkt, an dem alles begann. Das war die Ausschreibung vom 13.7.2000. Mit dieser Ausschreibung, vor allem mit den Anforderungen an die Bewerber wurde der Grundstein für das Drama gelegt. Ob bewußt oder unbewußt, das soll hier nicht beleuchtet werden. Anforderungen wurden niedergeschrieben, die niemand der damals schon gehandelten Kandidaten erfüllen konnte. Die Argumente des Landrates für die hohe Qualität der Neuen sind bekannt. Letztlich ist es auch interessant, mal einen Blick auf die Ausschreibung dieser beiden Stellen im Jahr 1994 zu werfen, als Goutier und Uebner gewählt wurden.
Noch interessanter sind aber Ausschreibungen aktueller Natur aus anderen Landkreisen, zum Beispiel aus dem Saale-Orla-Kreis. Da müssen die Bewerber nicht die Befähigung zum höheren Verwaltungsdienst in das Tasche haben, da werden kreative, teamfähige und entscheidungsfreudige Persönlichkeiten benötigt. Für den Job in Schleiz wird eine fachliche Vorbildung, Durchsetzungskraft und interdisziplinäres Denken erwartet. So einfach kann das sein, eine Ausschreibung. Einfach, wenn sich die handelnden Personen, sprich Fraktionen im Kreistag einig sind. Im Saale-Orla-Kreis gibt es eine Koalitionsvereinbarung zwischen CDU und SPD. Sinngemäß ist darin formuliert, daß die CDU einen Anspruch auf den ersten Beigeordneten hat, da Landrat Frank Roßner ein Sozialdemokrat ist. Warum, so fragen sich politische Beobachter der Nordhäuser Szene, klappt das in Nordhausen nicht. Ganz einfach, könnte die Antwort lauten, hier tanzt man nicht nach der christdemokratischen Pfeife. Hier machen SPD und PDS gemeinsame Sache.
Aber vielleicht ändert sich ja noch die für die CDU unheilvolle Konstellation. Möglichkeiten gibt es viele, wurden auch schon mehrfach diskutiert und in nnz dargestellt. Für uns Journalisten geht es heute im Kreistag munter weiter. Da wird’s eben nicht langweilig. Der Otto-Normal-Verbraucher aber, der hat vermutlich schon lange die Nase voll vom diesem Polit-Theater.
Angeklagter Arzt sammelte Hinrichtungsszenen mit Kindern
Der Missbrauchs-Prozess gegen einen 37 Jahre alten Arzt ist am Montag vor dem Landgericht Mühlhausen mit den Aussagen eines Gutachters fortgesetzt worden. Der Mann habe in seiner Wohnung in Ellrich (Kreis Nordhausen) Tausende kinderpornografische Videodateien heruntergeladen und bearbeitet, sagte der EDV-Experte Thomas Richter vom Landeskriminalamt. Der Mediziner ist wegen sexuellen Missbrauchs eines stummen achtjährigen Jungen aus der Region Leipzig angeklagt. Einige der Dateien, die bei einer Hausdurchsuchung im Juni gefunden wurden, zeigten Hinrichtungsszenen mit Kindern und andere grausame Kinderfotos, schilderte Richter. Viele Bilddateien habe der Arzt am Computer bearbeitet und retuschiert. Auf den Videodateien sei der Angeklagte auch bei sexuellen Missbrauchshandlungen mit einem Kind zu sehen. Der Assistenzarzt an einer Rehabilitationsklinik in Sülzhayn soll das mit Schlafmitteln betäubte Kind mehrmals missbraucht und dies mit Videokameras aufgenommen haben.
Am Montag entschuldigte sich der Angeklagte aus dem niedersächsischen Ebergötzen (Landkreis Göttingen) mit weinerlicher Stimme bei seinem damaligen Chefarzt. «Das kommt zu spät, die Klinik hat darunter gelitten», erwiderte der 58 Jahre alte Klinikchef. Der Junge mit einem schwierigen Leiden sei immer noch Patient in Sülzhayn und wisse nichts von den Vorfällen. Auf seine Fragen nach dem 37jährigen, zu dem das ahnungslose Kind ein besonderes Vertrauensverhältnis hatte, habe man ihm gesagt, dass der Arzt eine andere Stelle bekommen habe. Die Verhandlung soll am kommenden Montag mit dem psychiatrischen Gutachten und den Plädoyers fortgesetzt werden. Zu Prozessbeginn am vergangenen Mittwoch hatte der Angeklagte den mehrfachen schweren sexuellen Missbrauch seines achtjährigen Patienten gestanden.
Autor: nnzAutobahntrasse bei Sollstedt: Unbefriedigende Antwort der DEGES
Als völlig unbefriedigend bezeichnet Jürgen Hohberg die Antworten der DEGES, die heute auf seinen Schreibtisch flatterten. Das Unternehmen nahm in einem mehrseitigen Brief zu Fragen der Sollstedter Bürger Stellung, die bei einer Sitzung des Bauausschusses in der Festhalle gestellt wurden. Eine genaue Auswertung des Schreibens soll sowohl in der Gemeindeverwaltung als auch mit den Gemeinderäten in den nächsten Tagen vorgenommen werden, kündigte Hohberg gegenüber der nnz an. Über die weitere Vorgehensweise soll dann im Januar im Bauausschuß des Gemeinderates entschieden werden. Bislang scheint ein Konsens zwischen den planerischen Vorstellungen und dem Bürgerwillen hinsichtlich der Trassenführung der A 38 in weite Ferne gerückt.
Für Hohberg unverständlich ist der Umstand, daß sich die DEGES dagegen verwahrt, daß sich der Gemeinderat 1994 unter Druck gesetzt fühlte, als über die sogenannte Vorzugsvariante entschieden wurde. Schon damals favorisierten die Sollstedter eine Tunnellösung, wollten jedoch nicht als Verhinderer dieses wichtigen Verkehrsprojektes gelten. Mit der neuen Trassenführung unmittelbar am Ort (Friedhofsvariante) können sich die Bürger der Gemeinde nach wie vor nicht einverstanden erklären.
Nordhäuser Polit-Theater geht in eine weitere Runde
Heute nachmittag wird ein weiteres Kapitel in der unendlichen Geschichte der Beigeordnetenwahl für die Kreisverwaltung aufgeschlagen. Erneut müssen die Mitglieder des Kreistages über die Aufhebung der Beschlüsse vom 5. September befinden. Und erneut werden die Fraktionen von SPD und PDS diesen Antrag ablehnen. Und erneut ist das Landesverwaltungsamt gefragt. nnz blickt zurück zu diesem Zeitpunkt, an dem alles begann. Das war die Ausschreibung vom 13.7.2000. Mit dieser Ausschreibung, vor allem mit den Anforderungen an die Bewerber wurde der Grundstein für das Drama gelegt. Ob bewußt oder unbewußt, das soll hier nicht beleuchtet werden. Anforderungen wurden niedergeschrieben, die niemand der damals schon gehandelten Kandidaten erfüllen konnte. Die Argumente des Landrates für die hohe Qualität der Neuen sind bekannt. Letztlich ist es auch interessant, mal einen Blick auf die Ausschreibung dieser beiden Stellen im Jahr 1994 zu werfen, als Goutier und Uebner gewählt wurden.
Noch interessanter sind aber Ausschreibungen aktueller Natur aus anderen Landkreisen, zum Beispiel aus dem Saale-Orla-Kreis. Da müssen die Bewerber nicht die Befähigung zum höheren Verwaltungsdienst in das Tasche haben, da werden kreative, teamfähige und entscheidungsfreudige Persönlichkeiten benötigt. Für den Job in Schleiz wird eine fachliche Vorbildung, Durchsetzungskraft und interdisziplinäres Denken erwartet. So einfach kann das sein, eine Ausschreibung. Einfach, wenn sich die handelnden Personen, sprich Fraktionen im Kreistag einig sind. Im Saale-Orla-Kreis gibt es eine Koalitionsvereinbarung zwischen CDU und SPD. Sinngemäß ist darin formuliert, daß die CDU einen Anspruch auf den ersten Beigeordneten hat, da Landrat Frank Roßner ein Sozialdemokrat ist. Warum, so fragen sich politische Beobachter der Nordhäuser Szene, klappt das in Nordhausen nicht. Ganz einfach, könnte die Antwort lauten, hier tanzt man nicht nach der christdemokratischen Pfeife. Hier machen SPD und PDS gemeinsame Sache.
Aber vielleicht ändert sich ja noch die für die CDU unheilvolle Konstellation. Möglichkeiten gibt es viele, wurden auch schon mehrfach diskutiert und in nnz dargestellt. Für uns Journalisten geht es heute im Kreistag munter weiter. Da wird’s eben nicht langweilig. Der Otto-Normal-Verbraucher aber, der hat vermutlich schon lange die Nase voll vom diesem Polit-Theater.
Angeklagter Arzt sammelte Hinrichtungsszenen mit Kindern
Der Missbrauchs-Prozess gegen einen 37 Jahre alten Arzt ist am Montag vor dem Landgericht Mühlhausen mit den Aussagen eines Gutachters fortgesetzt worden. Der Mann habe in seiner Wohnung in Ellrich (Kreis Nordhausen) Tausende kinderpornografische Videodateien heruntergeladen und bearbeitet, sagte der EDV-Experte Thomas Richter vom Landeskriminalamt. Der Mediziner ist wegen sexuellen Missbrauchs eines stummen achtjährigen Jungen aus der Region Leipzig angeklagt. Einige der Dateien, die bei einer Hausdurchsuchung im Juni gefunden wurden, zeigten Hinrichtungsszenen mit Kindern und andere grausame Kinderfotos, schilderte Richter. Viele Bilddateien habe der Arzt am Computer bearbeitet und retuschiert. Auf den Videodateien sei der Angeklagte auch bei sexuellen Missbrauchshandlungen mit einem Kind zu sehen. Der Assistenzarzt an einer Rehabilitationsklinik in Sülzhayn soll das mit Schlafmitteln betäubte Kind mehrmals missbraucht und dies mit Videokameras aufgenommen haben.
Am Montag entschuldigte sich der Angeklagte aus dem niedersächsischen Ebergötzen (Landkreis Göttingen) mit weinerlicher Stimme bei seinem damaligen Chefarzt. «Das kommt zu spät, die Klinik hat darunter gelitten», erwiderte der 58 Jahre alte Klinikchef. Der Junge mit einem schwierigen Leiden sei immer noch Patient in Sülzhayn und wisse nichts von den Vorfällen. Auf seine Fragen nach dem 37jährigen, zu dem das ahnungslose Kind ein besonderes Vertrauensverhältnis hatte, habe man ihm gesagt, dass der Arzt eine andere Stelle bekommen habe. Die Verhandlung soll am kommenden Montag mit dem psychiatrischen Gutachten und den Plädoyers fortgesetzt werden. Zu Prozessbeginn am vergangenen Mittwoch hatte der Angeklagte den mehrfachen schweren sexuellen Missbrauch seines achtjährigen Patienten gestanden.
