Willkommen im neuen Zuhause
Donnerstag, 08. Juni 2006, 15:05 Uhr
Nordhausen (nnz). Das Aussiedlerheim am Hüpedenweg ist Geschichte. Ab sofort steht neuen Mitbürgern eine Wohnung offen, wo sie die ersten Monate in Nordhausen verbringen können. nnz hat einen Blick hinein geworfen.
Willkommen im neuen Zuhause (Foto: nnz)
Loni Grünwald eröffnete heute die neue Aussiedlerunterkunft in der Bruno-Kunze-Straße. Das ehemalige Frauenarchiv erfuhr so eine neue sinnvolle Nutzung. Das Aussiedlerheim am Hüpedenweg war inzwischen sowieso zu groß, außerdem sollte den neuen Mitbürgern die Integration erleichtert werden. In einer Wohnung für etwa zwölf Personen mitten in der Stadt geht es leichter mit den Nordhäusern in Kontakt zu kommen. Man habe wegkommen wollen vom Stigma des Heimes, sagte Grünwald.
Für die Bewohner gibt es einige Vorteile. Alle wichtigen Behörden und Einrichtungen können ab sofort zu Fuß erreicht werden. Öffentliche Verkehrsmittel und Einkaufsmöglichkeiten sind ganz nah. Die Volkshochschule mit den wichtigen Deutschkursen ist im Prinzip um die Ecke.
Zwei Ansprechpartner helfen bei den ersten Schritten im neuen Land. Irina Lang, selbst Aussiedlerin, übernimmt die Sozialbetreuung und hat ein Büro im Objekt. Aus ihren eigenen Erfahrungen heraus könne sie besser Hilfestellung geben als jede studierte Sozialpädagogin, betonte Christine Wagner, Fachbereichsleiterin für Jugend und Soziales. Ansprechpartner für die Jugendlichen zwischen 12 und 27 Jahren wird Heinz Thüne vom Jugendmigrationsdienst sein. Jeder Neuankömmling erhält zudem eine Mappe mit Infomaterial, welches teils auch in russischer Sprache verfaßt ist.
Bis Januar 2005 sind jährlich bis zu 250 Aussiedler neu nach Nordhausen gekommen berichtet Simone Urban , Sachbearbeiterin im Landratsamt. Nur zehn Prozent sind hier geblieben, weiß Lilia Rau, selbst Aussiedlerin und beim Jugendsozialwerk im Bereich der Jugendarbeit tätig. Im letzten Jahr kamen noch etwa 40 Leute. Simone Urban macht dafür den Generationswechsel verantwortlich. Wer jetzt nach Deutschland kommen will, hat selten komplett deutschstämmige Eltern, spricht oft nicht mal die Sprache. Genau das wird aber nach dem neuen Einwanderungsgesetz verlangt. Jeder über 16 Jahren muß noch in der alten Heimat einen Deutschtest absolvieren. Ohne minimale Kenntnisse gibt es keine Einreise, und das gilt für jeden in der Familie. Auch nichtdeutschstämmige Ehepartner müssen die Sprache vorher lernen.
Für die erwarteten 20 Personen in diesem Jahr reicht die neue Wohnung mit Gemeinschaftsküche völlig aus. Bis jetzt ist noch niemand in eines der sechs Zimmer eingezogen. Bis zu einem Jahr könnten die Aussiedler bleiben. Dann müssen sie sich eine Wohnung gesucht haben. Entgegen der früheren Vorgehensweise die meisten Aussiedler nach Nordhausen-Ost zu vermitteln, bekommen sie jetzt Wohnungen im gesamten Stadtgebiet angeboten.
Je nach Typ dauert der Integrationsprozeß mehrere Jahre. Manche Aussiedler sind schon nach zwei Jahren in Nordhausen zuhause, manche brauchen auch sechs Jahre, oder noch länger. Eine Arbeit zu finden ist für viele schwierig, berichtet Lilia Rau, besonders wenn sie nicht so gut deutsch sprechen. Andere sind hoch qualifiziert und bekommen sofort einen Job. Für Jugendliche gibt es spezielle Projekte, die verhindern, daß sie auf dumme Gedanken kommen und sich hier nicht zurecht finden.
Da viele Deutsche gar nichts wissen über die Aussiedler, soll im Herbst eine Ausstellung etwas über ihre Geschichte berichten. Bei den Nordhäusern soll so für mehr Akzeptanz der Neubürger geworben werden.
Autor: nnz
Willkommen im neuen Zuhause (Foto: nnz)
Loni Grünwald eröffnete heute die neue Aussiedlerunterkunft in der Bruno-Kunze-Straße. Das ehemalige Frauenarchiv erfuhr so eine neue sinnvolle Nutzung. Das Aussiedlerheim am Hüpedenweg war inzwischen sowieso zu groß, außerdem sollte den neuen Mitbürgern die Integration erleichtert werden. In einer Wohnung für etwa zwölf Personen mitten in der Stadt geht es leichter mit den Nordhäusern in Kontakt zu kommen. Man habe wegkommen wollen vom Stigma des Heimes, sagte Grünwald.
Für die Bewohner gibt es einige Vorteile. Alle wichtigen Behörden und Einrichtungen können ab sofort zu Fuß erreicht werden. Öffentliche Verkehrsmittel und Einkaufsmöglichkeiten sind ganz nah. Die Volkshochschule mit den wichtigen Deutschkursen ist im Prinzip um die Ecke.
Zwei Ansprechpartner helfen bei den ersten Schritten im neuen Land. Irina Lang, selbst Aussiedlerin, übernimmt die Sozialbetreuung und hat ein Büro im Objekt. Aus ihren eigenen Erfahrungen heraus könne sie besser Hilfestellung geben als jede studierte Sozialpädagogin, betonte Christine Wagner, Fachbereichsleiterin für Jugend und Soziales. Ansprechpartner für die Jugendlichen zwischen 12 und 27 Jahren wird Heinz Thüne vom Jugendmigrationsdienst sein. Jeder Neuankömmling erhält zudem eine Mappe mit Infomaterial, welches teils auch in russischer Sprache verfaßt ist.
Bis Januar 2005 sind jährlich bis zu 250 Aussiedler neu nach Nordhausen gekommen berichtet Simone Urban , Sachbearbeiterin im Landratsamt. Nur zehn Prozent sind hier geblieben, weiß Lilia Rau, selbst Aussiedlerin und beim Jugendsozialwerk im Bereich der Jugendarbeit tätig. Im letzten Jahr kamen noch etwa 40 Leute. Simone Urban macht dafür den Generationswechsel verantwortlich. Wer jetzt nach Deutschland kommen will, hat selten komplett deutschstämmige Eltern, spricht oft nicht mal die Sprache. Genau das wird aber nach dem neuen Einwanderungsgesetz verlangt. Jeder über 16 Jahren muß noch in der alten Heimat einen Deutschtest absolvieren. Ohne minimale Kenntnisse gibt es keine Einreise, und das gilt für jeden in der Familie. Auch nichtdeutschstämmige Ehepartner müssen die Sprache vorher lernen.
Für die erwarteten 20 Personen in diesem Jahr reicht die neue Wohnung mit Gemeinschaftsküche völlig aus. Bis jetzt ist noch niemand in eines der sechs Zimmer eingezogen. Bis zu einem Jahr könnten die Aussiedler bleiben. Dann müssen sie sich eine Wohnung gesucht haben. Entgegen der früheren Vorgehensweise die meisten Aussiedler nach Nordhausen-Ost zu vermitteln, bekommen sie jetzt Wohnungen im gesamten Stadtgebiet angeboten.
Je nach Typ dauert der Integrationsprozeß mehrere Jahre. Manche Aussiedler sind schon nach zwei Jahren in Nordhausen zuhause, manche brauchen auch sechs Jahre, oder noch länger. Eine Arbeit zu finden ist für viele schwierig, berichtet Lilia Rau, besonders wenn sie nicht so gut deutsch sprechen. Andere sind hoch qualifiziert und bekommen sofort einen Job. Für Jugendliche gibt es spezielle Projekte, die verhindern, daß sie auf dumme Gedanken kommen und sich hier nicht zurecht finden.
Da viele Deutsche gar nichts wissen über die Aussiedler, soll im Herbst eine Ausstellung etwas über ihre Geschichte berichten. Bei den Nordhäusern soll so für mehr Akzeptanz der Neubürger geworben werden.
