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Nobas adé – na und?

Dienstag, 06. Juni 2006, 09:23 Uhr
Nordhausen (nnz). Ende 2007 soll in Nordhausen eine weitere industrielle Branche der Geschichte angehören. Die Nobas soll geschlossen, die Produktion eingestellt werden. Ein Aufschrei bei Betriebsrat und Gewerkschaft ist allerdings nicht bemerkbar.


Vor dem Pfingstfest hatte die Unternehmensleitung der beiden Nobas-Unternehmen – AG und GmbH – gemeinsam die Schließung des Standortes Nordhausen zum Ende des kommenden Jahres angekündigt. Und die Schuldigen waren schnell ausgemacht: Betriebsrat und IG Metall. Beide hätten die Beschäftigten aufgewiegelt, nicht auf die Angebote der Arbeitgeberseite einzugehen. Verhandlungen gab es über Jahre hinweg viele, doch eigentlich wurde nicht verhandelt, es wurde diktiert.

Mal abgesehen davon, dass es gültige Tarifverträge gab und gibt, aus denen die Beschäftigten ihr Recht auf Lohn und Gehalt ableiten, wurde ihnen das nicht gewährt. Zu den ausgehandelten Gehältern und Löhnen könne man nicht produzieren, heißt es da seit vielen Monaten. Was wäre aber gewesen, wenn sich die Mitarbeiter auf dieses Spielchen eingelassen hätten? Wenn Sie einen Stundenlohn von 9,50 Euro oder so akzeptiert hätten? Hätte man dann nicht - aus Unternehmersicht heraus verständlich – wieder neue Forderungen aufgemacht. Vielleicht dann ein Stundenlohn von 7,50 Euro ab 2007?

Wie viel Euro ist die Arbeit in Nobas wert? Den Mindestlohn, über den in Berlin gestritten wird? Wer soll davon leben? Das sind die Fragen, die in der Nobas derzeit nicht beantwortet werden. Das aber sollten sie. Statt dessen haben die Herren Papenburg und Kupsch immer wieder Anwälte zu Verhandlungen geschickt. Auch jenen Anwalt, der im Jahr 2003 den Interessenausgleich ausgehandelt hatte, der den gekündigten der Nobas Spezialstahlbau GmbH die Rückkehr in die AG zugestanden hatte. Der aber jetzt genau Zweifel an der Rechtmäßigkeit der damaligen Ergebnisse aufkommen lässt.

Bei Betriebsrat und Gewerkschaft ist man ob der jüngsten Entwicklung nicht aufgeregt. Kampflos werde man jedoch die Entscheidung nicht hinnehmen. Wohl aber wird sich der Betriebsrat auf die Verhandlungen hinsichtlich eines Interessenausgleiches und eines Sozialplanes vorbereiten. Eine erste Reaktion auf die unternehmerische Entscheidung der Stilllegung.

Fakt aber ist: Dem Trauerspiel um die Nobas ist ein weiteres Kapitel zugefügt worden. Vermutlich wird ein weiterer Industriezweig in Nordhausen sterben. Ob die Globalisierung daran Schuld hat oder ob es hausgemachte Probleme waren und sind – diese Frage zu beantworten scheint müßig. Viele Baggerbauer sind es mittlerweile leid, sich Gedanken um „ihre“ Nobas zu machen. Sie machen sich Gedanken um ihre Zukunft. Für einige von ihnen wird die in anderen Bundesländern, ja vielleicht sogar in anderen Ländern außerhalb Deutschlands liegen. Und für den „Rest“? Arbeitslosigkeit, Hartz IV, Billiglohnarbeit...
Autor: nnz

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