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nnz-Forum: Nichts zum Ablehnen

Dienstag, 30. Mai 2006, 08:21 Uhr
Nordhausen (nnz). Merkel wie Söder betonten: "Derjenige, der arbeitet, muss mehr haben als der, der nicht arbeitet." Und genau zu diesem Ausspruch macht sich nnz-Leser Jürgen Nagel so seine Gedanken im Forum.


Nun können wohl die Bezieher von Hartz IV nicht dafür verantwortlich gemacht werden, dass eine Frisöse 3,50 € und ein Thüringer Wachmann 4,32 € Brutto in der Stunde bekommen. Und die Hartz IV-Leute als jene zu bezeichnen, die sich in der so genannten sozialen Hängematte ausruhen und keine Lust zum Arbeiten haben ist politisch sehr gefährlich, weil so an den Tatsachen des Wirtschaftens in diesem Land vorbei geredet wird. Ich weiß von mir selbst, und von den Kollegen, die mit mir zur Zeit einem 1 €-Job nachgehen, was wir von der ARGE bekommen. Nämlich 331,00 € plus Wohngeld.

Die ARGE in Nordhausen war bisher nicht in der Lage, mir als 55-jährigen irgendein Angebot auf dem so genannten ersten Arbeitsmarkt zu unterbreiten, welches ich dann hätte "ablehnen" können. Gleiches berichten besagte 1 €-Jobber- Kolleginnen und Kollegen. Es mangelt weitestgehend nicht an der Bereitschaft der Menschen zu arbeiten, es fehlen schlichtweg Arbeitsplätze, vor allem in dieser Region. Nun die Lust der Hartz IV-Leute am Arbeiten daran auszumachen, ob der niedersächsische Großbauer Leute zum Spargelstechen aus seiner Region findet oder aus Polen, ist schlichtweg diskriminierend. Damit will ich nichts gegen das Spargelstechen an sich gesagt haben.

Aus diesem Grund ist es notwendig, dass die, die meinen politische Verantwortung in diesem Land zu tragen, den Dampf nicht zur Selbstdarstellung nutzen, sondern mit diesem denen Beine machen, die für Arbeitsplätze zuständig sind. So sind allein im Jahr 2005 Steuerausfälle in Höhe von 11 Milliarden durch das Finden so genannter Steuerschlupflöcher zustande gekommen. Hartz IV-Leute können solche Schlupflöcher wohl finden, aber nicht für sich nutzen.

Statt nun rumzulabern und nach Möglichkeiten zu suchen, dem kleinen Mann noch mehr aus der Tasche zu ziehen, ist es meines Erachtens notwendig:

1. Zurückdrängung des Billiglohnsektors durch Einführung eines garantierten Mindeststundensatzes von wenigstens 7,50 €. In diesem Fall würden Anträge auf ergänzendes Hartz IV durch sogenannte "Aufstocker", welch ein asoziales Wort, ich verwende es aber trotzdem, wegfallen.

2. Schaffung von Lehr- und Arbeitsplätzen.
Jürgen Nagel, Nordhausen
Anmerkung der Redaktion:
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Autor: nnz

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