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JS-Special: Pleiten steigen weiter

Samstag, 08. Dezember 2001, 09:40 Uhr
Nordhausen (nnz). Was sich spätestens nach den Julizahlen aus der Wirtschaft abzeichnete (siehe nnz-Archiv) wird traurige Realität: Die Pleitenflut in Deutschland schwappt immer höher.


Die negativen Konjunktursignale aus der deutschen Wirtschaft reißen nicht ab. Während die Zahl der Pleiten dramatisch ansteigt, ebbt der Gründerboom mehr und mehr ab. Waren es im Oktober Zahlen des Statistischen Bundesamtes, auf dem sich unsere damaliger Veröffentlichung stützte (siehe Archiv), sind es diesmal Ergebnisse der Wirtschaftsauskunftei Creditreform, die dem heutigen Beitrag zugrunde liegen. Ihren Schätzungen zufolge droht 2002 rund 37.000 Unternehmen und mehr als 20.000 Privatleuten die Zahlungsunfähigkeit. Damit würde die Zahl der Insolvenzen den bereits im laufenden Jahr erreichten Höchststand von 49.600 nochmals deutlich übertreffen. Das sind 18,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Dabei legte der Westen mit 24 Prozent deutlich stärker zu als der Osten (plus 1 Prozent). Die Zahl der Firmenpleiten wird bei 32.400 liegen (plus 16 Prozent). Das ist der höchste Stand seit 1995.

Creditreform-Hauptgeschäftsführer Helmut Rödl erläuterte bei der Vorstellung des Zahlenmaterials, dass mit dieser Entwicklung eine halbe Million Menschen durch die Pleiten ihren Arbeitsplatz verloren ­ 12,3 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Dem standen nur 331.000 Stellen gegenüber, die durch Firmengründungen neu entstanden. Die Gläubiger müssen nach Berechnungen der Auskunftei um etwa 63 Milliarden Mark bangen. Insgesamt spiegelt die Veröffentlichung die allgemeine Wirtschaftsflaute wider. Der einst enge Zusammenhang zwischen Konjunktur und Pleiten ist indessen von einem „Treppeneffekt“ abgelöst worden, so Rödl. Auch bei einem Aufschwung geht die Zahl der Insolvenzen kaum zurück, im Abschwung dagegen steigt sie stärker als in früheren Zeiten. Rödl führt dies vor allem auf eine mangelnde Finanzierung der Betriebe in Wachstumsphasen zurück. Etwa zwei Drittel der mittleren und kleinen Unternehmen verfügen über einen Eigenkapitalanteil von höchstens 20 Prozent der Bilanzsumme. „Bei einem Anteil von weniger als 20 Prozent ist ein Unternehmen ungenügend finanziert“, erläutert Rödl und weist darauf hin, dass durch die geplanten Eigenkapitalregeln für die Banken - inzwischen als Basel II im Gespräch - den Unternehmen spätestens ab 2005 eine unterschiedlich hohe Belastung ins Haus stehen könnte, weil zumindest die weniger betuchten dann höhere Zinsen zu berappen haben.
Autor: nnz

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